„Patria o muerte!“ – Vaterland oder Tod! „Hasta la victoria siempre!“ – Immer bis zum Sieg! Seit mehr als sechs Jahrzehnten beschallt Kubas kommunistische Führung die Insel mit revolutionärem Pathos. Nun hat die amerikanische Diplomatie sinngemäß eine bemerkenswerte Antwort gefunden: „Hasta la CIA!“ – Auf zur CIA!

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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Der Urheber dieser neuen Losung ist ausgerechnet Marco Rubio, Außenminister der Vereinigten Staaten und Sohn kubanischer Einwanderer. Für den Regimewechsel auf der Karibikinsel empfiehlt er gewissermaßen amerikanische Geheimdiensthilfe auf kurzem Dienstweg. Rubio hat die Kubaner offiziell aufgefordert, mit der CIA zusammenzuarbeiten. „Jetzt ist der Moment“, verkündete er. Wer unter Korruption, enttäuschten Hoffnungen und den Privilegien der Herrschenden leide, solle den gewünschten Wandel durch eine „diskrete Partnerschaft“ mit dem US-Geheimdienst herbeiführen. Diskretion als öffentliche Botschaft auf Elon Musks Sudel-Portal X? Wie originell.
Satire? Keine Satire
Was sich wie Satire anhört, ist keine Satire. Die CIA legte nach mit einem spanischsprachigen Werbevideo und Hinweisen, wie man Kontakt aufnehmen könne: Besuch einer US-Einrichtung (vielleicht den US-Botschaftsbunker am Malecon in Havanna?), wenn sicher möglich; ansonsten geschützte Internetverbindung, privater Browser, Wegwerfadresse. Geheimdienstliche Konspiration als Gebrauchsanweisung für Menschen, die ohne Strom und ausreichende Lebensmittel an der Armutsgrenze in einem Überwachungsstaat leben. Das Risiko tragen nicht Rubio und seine Strategen, sondern Kubaner, die den Rat ernst nehmen.
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Die Reaktion aus Havanna war ausnahmsweise ziemlich treffsicher. Vizeaußenminister Carlos Fernández de Cossío spottete, die CIA müsse verzweifelt sein, wenn sie ihre Dienste bereits wie Zahnpasta feilbiete. Bitter für Washington, wenn eine autoritäre Regierung den besseren Witz macht.
Natürlich ist Kubas Herrschaft kein Hort der Freiheit. Oppositionelle werden eingeschüchtert und verhaftet, freie Wahlen gibt es nicht. Misswirtschaft, Eliteprivilegien und Repression sind bittere Realität. Wer das benennt, hat gute Gründe. Aber daraus folgt nicht, dass ein amerikanischer Außenminister öffentlich für einen Geheimdienst um Zuträger werben sollte. Das ist kein Freiheitsprogramm. Es ist die Verwechslung von Diplomatie mit einer Rekrutierungsanzeige.
Und ausgerechnet die Central Intelligence Agency! Hatte irgendjemand im Außenministerium fünf Minuten Zeit für Geschichtsunterricht? Im April 1961 scheiterte die von der CIA jämmerlich organisierte Invasion kubanischer Exilanten in der Schweinebucht. Was als Auftakt eines Volksaufstands verkauft werden sollte, endete im Debakel – und festigte Fidel Castros Macht. Danach folgte die Operation Mongoose: Sabotage, Unterwanderung, Umsturzpläne. Freigegebene Akten dokumentieren sogar Mordkomplotte gegen Fidel und seinen noch lebenden Bruder Raúl.
Wer auf Kuba „CIA“ sagt, ruft deshalb nicht Assoziationen an gemeinnützige Nachbarschaftshilfe hervor. Er ruft die Erinnerung an eine Supermacht wach, die seit Jahrzehnten versucht, eine ihr verhasste Regierung loszuwerden – oft auf Kosten der Menschen, die angeblich befreit werden sollen.

Rubios Auftritt kommt aber nicht aus heiterem Himmel. Trump hatte am Freitag bei einer seiner irrlichternden Reden in Florida fantasiert, Kriegsschiffe könnten nach dem Iran-Einsatz vor Kuba vorbeischauen; Rubio werde die Dinge schon richten. Ist das noch Außenpolitik – oder kann das weg?
Die USA haben den wirtschaftlichen Druck auf Kuba massiv verschärft; man kann auch von langsamer Erdrosselung sprechen. Die Insel leidet unter der schlimmsten Versorgungskrise ihrer Geschichte. Folgen ihrer eigenen komplett gescheiterten Wirtschaftspolitik – aber massiv verschärft durch die amerikanische Ölblockade.
Was will Rubio also wirklich? Vielleicht Informationen aus dem Machtapparat, vielleicht Überläufer, vielleicht den Eindruck erzeugen, das Regime könne jeden Augenblick kollabieren? All das ist denkbar. Belegt ist keine unmittelbar bevorstehende CIA-Operation. Der öffentliche Aufruf selbst ist dagegen unbestreitbar. Und er offenbart eine Regierung, deren Werkzeugkasten offenbar aus Drohung, Sanktion und demonstrativer Geringschätzung diplomatischer Formen besteht.
Perfekte Propaganda-Vorlage
Verzweiflung? Möglich. Sicher ist, dass die Inszenierung einen bemerkenswerten Widerspruch erzeugt: Seit mehr als sechs Jahrzehnten versuchen amerikanische Präsidenten, den maroden Kommunismus vor ihrer Haustür zu eliminieren. Nun soll es ein Aufruf auf X richten, versehen mit dem Versprechen diskreter Zusammenarbeit.
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Die Pointe ist eindeutig: Der Mann, der Kuba befreien will, liefert Havanna mit einem einzigen Beitrag die perfekte Propaganda, wonach hinter jeder oppositionellen Regung die CIA stecke. So tief kann eine Weltmacht sinken, ohne dass ein einziger Schuss fällt. Sie macht ihre Außenpolitik zur Karikatur.












