• Viele Herzrisiken bleiben lange unbemerkt, bis es plötzlich ernst wird
  • Eine renommierte Kardiologin erklärt in „Herz-Doc“, worauf Sie wirklich achten müssen
  • Sie warnt: Scheinbar normale Werte können trügerisch sein

Vermutlich haben Sie schon einmal gehört, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen die häufigste Todesursache in Deutschland sind. Aber handeln und leben Sie auch danach? Nein? Damit sind Sie nicht allein. Scheinbar gesund, fühlen sich die meisten Menschen sicher – bis plötzlich ein Herzinfarkt, Bluthochdruck oder eine andere Erkrankung zuschlägt.

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Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher, Kardiologin und Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung, weiß: „Viele Menschen sind sich des Zustands ihres Herzens gar nicht bewusst – dabei kann das Wissen darüber Leben retten.“ In der neuen Gesundheitsserie „Herz-Doc“ der FUNKE-Tageszeitungen erklärt die Chefärztin der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Pneumologie am Marien-Hospital Wesel alles, was Sie rund ums Herz wissen sollten. Was sind die Alarmzeichen eines überlasteten Herzens? Was sind die wichtigsten Risikofaktoren für Herzkrankheiten? Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

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Schwaches Herz: Diese Risikofaktoren sollten Sie kennen

Das Herz ist ein Hochleistungsorgan, das jeden Tag etwa 7000 Liter Blut durch den Körper pumpt. „Dafür schlägt es über 100.000 Mal am Tag, versorgt den Körper nicht nur mit Sauerstoff, sondern beispielsweise auch mit lebenswichtigen Nährstoffen“, so Herz-Doc Tiefenbacher. „Unser Herz leistet Erstaunliches.“ Und damit es das zuverlässig machen kann, sollte jeder einige zentrale Werte im Blick haben:

  • Blutdruck: Ein hoher Blutdruck belastet das Herz und kann auf Dauer zu erheblichen Schäden führen. „Optimal sind Werte unter 130/80 mmHg“, betont Tiefenbacher. Werte darüber – vor allem über 140/90 – gelten als erhöht und sollten regelmäßig überprüft werden. „Sind sie höher, sollte aber noch nicht sofort Panik aufkommen, doch eine genaue Überprüfung durch den Hausarzt ist wichtig.“ Das Fatale: „Ein hoher Blutdruck bleibt oft lange unerkannt, da er zunächst keine Schmerzen verursacht – langfristig schädigt er jedoch die Gefäße und belastet das Herz“, warnt Tiefenbacher.
  • Herzfrequenz: Im Ruhezustand sollte der Puls bei Erwachsenen laut Tiefenbacher zwischen 60 und 80 Schlägen pro Minute liegen. Ein dauerhaft hoher Puls könne ein Signal für Überlastung oder Stress sein.
  • Cholesterin: Auch hohe Cholesterinwerte sind Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen – insbesondere, wenn sie über längere Zeit ignoriert werden. „Ein erhöhter LDL-Cholesterinspiegel kann zu Ablagerungen in den Arterien führen“, erklärt Tiefenbacher. Daher ist es ratsam, zeitnah gegenzusteuern.
  • Genetik: Auch das Erbgut spielt mit Blick auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen eine Schlüsselrolle. „Es gibt Familien, in denen viele Menschen früh Herzprobleme entwickeln. Hier sollten die Angehörigen frühzeitig ihren Herzstatus überprüfen“, so die Expertin. Wichtig sei es zunächst, mit seinen Verwandten überhaupt erst ins Gespräch zu kommen und sich auszutauschen. „Vielen ist oft gar nicht bewusst, dass es familiäre Vorbelastungen gibt.“

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Herz-Doc warnt besonders vor diesen stillen Gefahren

Der erste Schritt, um ein gesundes Herz zu erkennen, ist folglich die Selbstkontrolle: „Menschen sollten ihre Werte kennen. Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker sind dabei die wichtigsten Eckdaten“, so Prof. Tiefenbacher. Eine regelmäßige Herz-Check-Untersuchung, die meist von der Krankenkasse ab 30 Jahren übernommen wird, hilft dabei, diese Werte im Blick zu behalten. Doch selbst vermeintlich „normale“ Werte bedeuten nicht immer ein gesundes Herz. Laut der Kardiologin gibt es stille Risikofaktoren, die viele Menschen nicht unbedingt direkt mit ihrer Herzgesundheit in Verbindung bringen:

  • Stress: Wer dauerhaft gestresst ist, riskiert einen erhöhten Puls, Bluthochdruck und sogar Herzrhythmusstörungen. „Stress veranlasst das Herz zu dauerhafter Höchstleistung“, sagt die Spezialistin. Kurzzeitiger Stress sei zwar unproblematisch, aber bei Chronifizierung werde es ernst. Dann wird Stress zu einem der größten „unsichtbaren Übeltäter“ und mit der Zeit sehr gefährlich.
  • Rauchen: Der Konsum von Rauschmitteln wie Nikotin bleibt einer der stärksten negativen Einflussfaktoren für die Herzgesundheit. „Rauchen ist für die Herzgefäße extrem gefährlich. Es erhöht nachweislich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall“, erklärt Tiefenbacher. Doch sie beobachtet immer wieder: „Selbst nach schweren Herzproblemen fällt es vielen schwer, aufzuhören, doch das Risiko für Komplikationen steigt bei den Betroffenen drastisch.“
  • Bewegungsmangel: „Das Herz ist ein Muskel – und genau wie Bizeps oder Wade wird auch der Herzmuskel stärker, wenn wir es trainieren“, sagt Herz-Doc Tiefenbacher. „Regelmäßige Bewegung ist entscheidend.“ Demnach können schon 30 Minuten moderate Bewegung am Tag die Herzgesundheit signifikant verbessern.
  • Ungesunde Ernährung: Auch Übergewicht und ungesunde Ernährung spielen eine Rolle – und gerade hier sieht Herz-Doc Tiefenbacher bei ihren Patientinnen und Patienten häufig Nachlässigkeit. Zu salzige und fettige Speisen setzen den Blutdruck unter Druck und fördern die Bildung von Plaques, also Ablagerungen in den Gefäßen.

Fragen an „Herz-Doc“

Sie haben eine allgemeine Frage zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen? Gerne gibt unser Herz-Doc Antwort! Senden Sie uns einfach Ihre Frage per Mail an herzdocs(at)funkemedien.de. Die Einsendungen werden zunächst gesichtet, sortiert und gegebenenfalls an Herz-Spezialistin Prof. Dr. med. Christiane Tiefenbacher weitergeleitet und anonymisiert veröffentlicht.

Gerade an den stillen Risikofaktoren zeigt sich: „Schon kleine Veränderungen im Alltag können das Risiko, eines Tages ernsthafte Herzprobleme zu entwickeln, drastisch mindern, vorausgesetzt, wir kümmern uns frühzeitig darum“, wie auch Tiefenbacher betont. Im nächsten Teil der Serie erfahren Sie daher, wie Sie Ihr Herz mit kleinen, einfachen Tricks bestenfalls frühzeitig stärken und so den Grundstein für ein gesundes Leben legen.