Vor allem Eltern sehr früh geborener Kinder treibt oft über Jahre die Sorge um, wie sich ihr Kind entwickeln wird. Zwar ist bekannt, dass Frühgeborene ein erhöhtes Risiko für motorische, kognitive und verhaltensbezogene Auffälligkeiten haben. Doch bislang gibt es kaum Möglichkeiten, bereits in den ersten Lebenswochen verlässlich einzuschätzen, welche Kinder später besondere Unterstützung benötigen könnten. Eine neue Studie liefert nun Hinweise darauf, dass eine schmerzfreie Untersuchung der Netzhaut dabei künftig helfen könnte.

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Forscher begleiteten für die Studie 72 Kinder, die vor der 32. Schwangerschaftswoche geboren wurden, von ihrem Aufenthalt auf der Neugeborenen-Intensivstation bis zum Alter von zwei Jahren. Im Mittelpunkt stand eine Untersuchung der Netzhaut mittels optischer Kohärenztomographie (OCT). Das bildgebende Verfahren ermöglicht eine hochauflösende Darstellung der Netzhaut, ist nicht invasiv und wurde im Rahmen der regulären augenärztlichen Kontrollen durchgeführt.

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Die Wissenschaftler konzentrierten sich vor allem auf die sogenannte retinale Nervenfaserschicht (RNFL). Sie besteht aus Nervenfasern, die Informationen vom Auge an das Gehirn weiterleiten. Weil sich die Netzhaut parallel zum Gehirn entwickelt und als Teil des zentralen Nervensystems gilt, vermuten Forscher schon länger, dass sie Rückschlüsse auf die Hirnentwicklung zulassen könnte.

Zusätzlich untersuchten sie die Dicke der Aderhaut, die die Netzhaut mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

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Im Alter von zwei Jahren absolvierten die Kinder standardisierte Tests zur motorischen und kognitiven Entwicklung. Außerdem wurden mögliche Verhaltensauffälligkeiten sowie ein erhöhtes Autismus-Risiko mithilfe etablierter Screeningverfahren erfasst.

Dabei zeigte sich ein deutlicher Zusammenhang: Kinder mit einer dickeren retinalen Nervenfaserschicht erreichten im Durchschnitt bessere Ergebnisse bei den motorischen und kognitiven Tests. Pro zusätzlicher Dicke von zehn Mikrometern verbesserten sich die motorischen Werte im Mittel um 7,5 Punkte, die kognitiven um 3,71 Punkte. Gleichzeitig fielen die Werte im Autismus-Screening sowie Hinweise auf emotionale und soziale Verhaltensprobleme geringer aus.

Auch eine größere Dicke der Aderhaut stand mit besseren motorischen Fähigkeiten in Verbindung. Für die Vorhersage der späteren Entwicklung erwies sich jedoch die Messung der retinalen Nervenfaserschicht als aussagekräftiger.

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Früh erkennen, gezielt fördern

Nach Einschätzung der Studienautoren könnten OCT-Untersuchungen künftig helfen, sehr früh geborene Kinder mit einem erhöhten Risiko für Entwicklungsauffälligkeiten früher zu identifizieren. Das könnte eine engmaschigere Betreuung und gezielte Fördermaßnahmen ermöglichen, lange bevor sich mögliche Probleme deutlich zeigen.

Für einen Einsatz im klinischen Alltag sei es allerdings noch zu früh. Die Forscher betonen, dass ihre Ergebnisse zunächst in größeren, unabhängigen und multizentrischen Studien bestätigt werden müssen.

Aussagekraft noch begrenzt

Die Untersuchung hat mehrere Einschränkungen. Sie basiert auf einer vergleichsweise kleinen Gruppe von 72 Kindern und wurde nur an einem einzigen Zentrum durchgeführt. Zudem handelt es sich um eine Beobachtungsstudie. Die Ergebnisse zeigen daher Zusammenhänge, belegen aber nicht, dass eine bestimmte Netzhautstruktur die spätere Entwicklung verursacht.

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Sollten sich die Ergebnisse in weiteren Studien bestätigen, könnte die schmerzfreie Netzhautuntersuchung künftig jedoch ein zusätzlicher Baustein sein, um Entwicklungsrisiken bei sehr früh geborenen Kindern möglichst früh zu erkennen und betroffene Familien gezielt zu unterstützen.