Königin mit Vorliebe für Kraftsport

Faulungen  Das Eichsfelddorf Faulungen feiert drei Tage lang sein Musfest und hat mit der 26-jährigen Josephin Bräuer nun eine neue Majestät.

Zum zwölften Mal feierte Faulungen das Musfest und hat nun mit Josephin Bräuer eine neue Muskönigin. Sie folgt auf Alexandra Müller.

Zum zwölften Mal feierte Faulungen das Musfest und hat nun mit Josephin Bräuer eine neue Muskönigin. Sie folgt auf Alexandra Müller.

Foto: Claudia Bachmann

Josephin Bräuer ist die neue Faulunger Muskönigin. Sie erfüllt den größten Wunsch ihrer Oma Maria. 79 ist sie und zählt zu einer der größten Familien im Eichsfeld. Von ihren ehemals elf Geschwistern leben heute noch acht in Faulungen. Und natürlich sie selbst.

Maria Schmerbauchs Enkeltochter Josephin Bräuer ist seit Sonntag für zwei Jahre die Faulunger Muskönigin. Der Empfang im Festzelt ist euphorisch, die Tränen fließen reichlich – bei ihr, ihrer Vorgängerin und guten Freundin Alexandra Müller und bei Christian Völker, dem Vorsitzenden des Kirmesvereins.

Völker hatte schon mehrfach bei der nun 26-Jährigen angeklopft. Jetzt ist sie bereit für diesen Schritt und die vielfältigen Aufgaben.

Sportlich-schicker Kleidungsstil

Zum Finale des Musfests am Sonntag wird sie gekürt. Damit ist das streng gehütete Geheimnis gelüftet. Gar nicht so einfach in einem kleinen Ort.

Josephin Bräuer arbeitet als medizinische Fachangestellte bei einem Mediziner in Dingelstädt. In ihrem Heimatort trainiert sie drei Gruppen im karnevalistischen Tanz. Dazu wird gerade die Hochzeit vorbereitet. Ihr Andreas (29) – beide sind seit elf Jahren ein Paar – hat im Winter um ihre Hand angehalten, und er ist „sehr glücklich“, nun eine Königin zu heiraten. Die sagt selbst über sich: Ich bin sportverrückt. Laufen, Kraftsport und – natürlich – Tanzen. Doch für all dies wird nun weniger Zeit sein. Ihre Vorgängerin als Muskönigin, Alexandra Müller, brachte es auf 65 Auftritte in ihrer zweijährigen Amtszeit.

Während Alexandra sagt: „Ich wollte immer Prinzessin sein“ (unsere Zeitung am 4. September) ist Josephins Kindheit von anderen Wünschen geprägt. Sie ist eher mit Jungs im Dorf unterwegs als mit Freundinnen, mit ihren vielen Großcousins, dem besten Freund, der Clique.

Das spiegelt sich auch in ihrem Musköniginnenkleid. Es fällt schlichter aus als das ihrer Vorgängerinnen. Natürlich ist es lila, pflaumenfarben, natürlich hat es wieder Barbara Montag in Mühlhausen geschneidert. Sportlich-schick ist ihr privater Kleidungsstil. „Ich bin nicht etepetete, da will ich mich auch für mein Königinnenamt nicht verbiegen.“

„Josi“ ist freundlich-fröhlich, aufgeschlossen und sie gerät sofort ins Schwärmen, wenn es um ihr Heimatdorf Faulungen geht. Einen schöneren Ort zum Leben kann sie sich nicht vorstellen. „Dieser Blick, wenn man den Nussgrund hinunterfährt und auf Faulungen blickt – einfach ein Traum.“

„Voller Vorfreude, aber auch mit hohem Respekt“ geht sie die Aufgabe an, die Region zu vertreten. Josephin Bräuer zeigt sich zur Krönung redegewandt und gar nicht verlegen vor einer Wahnsinnskulisse. Auch die Stimme hält – anders als befürchtet. Das Zelt ist zur Königinnen-Krönung rappelvoll. Die Gäste stehen und applaudieren minutenlang der scheidenden und der neuen Königin.

Josephin Bräuer ist begeistert, von dem, was das kleine Faulungen auf die Beine stellt. „Ich sehe erst jetzt, wenn ich durch mein Amt ganz nah dran bin am Musfest, wie viele Menschen sich mit Herzblut einbringen, dass es ein schönes Fest wird.“

Dazu gehört auch Amtsvorgängerin Alexandra Müller (23). „Sie ist eine sehr gute Freundin und hat mir sehr geholfen, mich auf das Amt vorzubereiten. Ich hatte in den Wochen vor dem Fest so viele Fragen.“ Von ihr bekommt sie auf der Bühne auch ein Schatzkästchen mit all den wichtigen Tipps und Utensilien, die es für das Königinnenleben so alles braucht. Und sie erfährt, wer in Alexandra Müllers Königinnenzeit eine ganz wichtige Stütze war: Großmutter Marianne, die nach fast jedem Auftritt Kleid und Schärpe von Hand in der Badewanne gewaschen hat. Auch mit ihr liegt sie sich zur Abkrönung auf der Bühne lange dankbar in den Armen.

Schon in der kommenden Woche hat Muskönigin Josephin Bräuer ihren ersten Auftritt außerhalb der Heimatgemeinde. Es geht nach Heiligenstadt zum Möhrenkönig. Mit im Gepäck hat sie da auch das Mus des Kirmesvereins, der das Faulunger Musfest ausrichtet.

Das frische Mus vorm Festzelt, das kocht aber traditionell der Heimatverein. „Wir im Dorf unterstützen uns hier“, meint Thomas Mühr. 200 Kilogramm Zwetschgen seien an den Festtagen zu Mus geworden – dazu kamen nur noch Zucker und Zuckerrübensirup, keine Gewürze.

Ganz viel Zucker ist auch das Geheimrezept von Gisela Fischer. Deren Mus wurde unter 20 Musproben von vier ehemaligen Musköniginnen Faulungens – Bernadette Heinemann, Franziska Klotz, Sarah Hentrich und Silke Bolze – zum besten gekürt.

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