Historiker im Eichsfeld: Erinnerungen an Grenze und Krieg

Teistungen  Eichsfelder Ortschronistenkonferenz greift zwei Themenschwerpunkte auf. 40 Geschichtsinteressierte zieht es ins Grenzlandmuseum in Teistungen.

Das ist das Kriegerdenkmal in Ferna. Es zeigt einen Engel, der einen sterbenden Soldaten im Arm hält. Diese Denkmäler spielten bei der Chronistentagung auch eine Rolle.

Das ist das Kriegerdenkmal in Ferna. Es zeigt einen Engel, der einen sterbenden Soldaten im Arm hält. Diese Denkmäler spielten bei der Chronistentagung auch eine Rolle.

Foto: Antonia Pfaff

Erfahrungsaustausch, Gedenken und Wissensvermittlung – Schlagworte, die bei der jährlichen Eichsfelder Ortschronistenkonferenz eine wichtige Rolle spielen. Im 30. Jahr der Grenzöffnung standen am Samstagvormittag natürlich Herbstrevolution und Grenzöffnung sowie der Wegfall des Sperrgebietes und der Elitenwechsel 1989 im Fokus. Deshalb hatte auch der Verein für Eichsfeldische Heimatkunde in das Grenzlandmuseum Teistungen eingeladen.

Torsten W. Müller, der stellvertretende Vorsitzende des Vereins, sprach zum Thema „Das Leben im Grenzgebiet und die Revolution 1989 im Eichsfeld“. Der Göttinger Referent Mathias Degenhardt gab einen weiteren Impuls zum Diskutieren, der in einer gesonderten Sitzung noch einmal aufgegriffen werden soll: Die Kriegerdenkmäler im Eichsfeld – Betrachtung einer Erinnerungskultur.

Der Eichsfelder Historiker räumte gleich zu Beginn mit der Meinung auf, dass die Grenze erst 1961 errichtet worden sei. Denn Deutschland sei direkt nach dem Zweiten Weltkrieg unter den Besatzungszonen aufgeteilt worden, und eine „Demarkationslinie“ riegelte seit 1945 die sowjetische von den westlichen Besatzungszonen ab. „Auf Weisung der Sowjetregierung baute die DDR diese anfangs noch durchlässige innerdeutsche Grenze ab Mai 1952 aus und schuf ein ‚Grenzgebiet zur Staatsgrenze West‘ – das aus Schutzstreifen und Sperrzonen bestand“, erklärte Torsten W. Müller. Dabei ging er kurz auf den „gerodeten und ständig gepflügten Zehn-Meter-Kontrollstreifen“ ein und erklärte, wie er aufgebaut war. Der Schwerpunkt seines spannenden und mit Bildern bereicherten Vortrags lag allerdings auf der Fünf-Kilometer-Sperrzone und dem 500-Meter-Schutzstreifen. Denn die Vorschriften in den Bereichen seien „besonders einschränkend“ gewesen. Im Schutzstreifen sei der Aufenthalt außerhalb der Ortschaften zeitweise nur zwischen Sonnenauf- und -untergang gestattet gewesen. Auch landwirtschaftliche Arbeiten im unmittelbaren Grenzbereich erfolgten unter Bewachung der Grenzposten. Zur Sprache kamen auch die Zwangsaussiedlungen sowie die Bewacher an der Grenze. Neben den theoretischen Fakten brachte der Historiker immer wieder Beispiele aus dem Eichsfeld.

Einige Ortschronisten bestätigten seine Ausführungen oder ergänzten sie. Wichtig erscheint ihm, dass auch die Jugendliche erfahren, was Grenze bedeutete und wie das Leben innerhalb der DDR und besonders im Grenzgebiet aussah. Und das würde nur über Wissensvermittlung gepaart mit Bildern funktionieren, meinte Müller.

Über eine ganz andere Erinnerungskultur sprach der Göttinger Referent Mathias Degenhardt. Er nahm sich die Eichsfelder Kriegerdenkmäler in den verschiedenen Orten vor. Dabei versuchte er zunächst zu definieren, was Kriegerdenkmäler sind. Es seien „dauerhaft angelegte Denkmalbauten, Figuren, Tafeln oder Medien an öffentlichen Plätzen“. Diese sollen „namentlich oder verallgemeinernd an Gefallene und Vermisste der Einigungs- und/oder Weltkriege erinnern und gegebenenfalls ihre Opfer deuten“. Nach einer Reise durch die Ortschaften des Landkreises sind ihm einige Kontroverse aufgefallen, verschiedene Standorte und eine ganz unterschiedliche Symbolik. Während bei einigen Denkmälern die kirchliche Symbolik im Vordergrund steht, ist es bei anderen eine Kombination aus christlicher und militärischer. Es würden sich auch Kriegsdenkmäler finden ohne besondere Symbolik sowie einige wenige, bei denen die Hinterbliebenen im Fokus stehen.

Als ein „sehr schönes“ Kriegerdenkmal bezeichnet Mathias Degenhardt das in Ferna. Denn dort sei direkt neben der Kirche ein Engel abgebildet, der einen sterbenden Soldaten im Arm hält. Die Weiden drumherum würden das Bild „perfekt abrunden“. In dem Zusammenhang äußerten sich auch zwei Chronisten – aus Dingelstädt und Gernrode –, dass sie Glocken hätten, in denen die Namen der Verstorbenen eingelassen seien.

Torsten W. Müller versicherte, dass es eine weitere Tagung geben wird, bei dem die Eichsfelder Kriegerdenkmale und ihre Bedeutung im Fokus stehen. Der Tag klang mit einer Führung rund um das historisch authentische Grenzlandmuseum aus.

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