Pop oder Röttgen, Rock oder Laschet, Klassik oder Merz? - Drei Eisenacher CDU-Mitglieder wählen den Vorsitzenden

Eisenach  CDU wählt den Vorsitzenden digital. Drei heimische Delegierte stimmen mit ab.

Zu einer Diskussionsveranstaltung mit der damaligen CDU-Bürgermeister-Kandidatin Ulrike Jary war Norbert Röttgen im vergangenen Jahr in Mosbach erschienen. Lilli Fischer überreichte zum Abschied ein kleines Präsent.

Zu einer Diskussionsveranstaltung mit der damaligen CDU-Bürgermeister-Kandidatin Ulrike Jary war Norbert Röttgen im vergangenen Jahr in Mosbach erschienen. Lilli Fischer überreichte zum Abschied ein kleines Präsent.

Foto: Peter Rossbach / Peter Rossbach / TLZ

Pop lag knapp vor Rock und Klassik. Bei Probeabstimmungen etwa auch zu diesem Thema testeten rund 800 der 1001 stimmberechtigten CDU-Delegierten das angedachte Wahlverfahren, wenn am Samstag der erste digitale Bundesparteitag zusammenkommt, um über den neuen Vorsitzenden zu entscheiden. Drei CDU-Mitglieder aus der Wartburgregion gehören mit dazu, wie 20 weitere Thüringer Parteimitglieder. Neben Elvira Fischer aus Sünna bereiten sich CDU-Landesvorsitzender Christian Hirte (Tiefenort) und Raymond Walk (Eisenach) auf ihre Teilnahme am Parteitag vor.

Datensicherheit und ein stabiles Netz spielen natürlich eine zentrale Rolle bei einem digitalen Parteitag. Jeder Delegierte hat, so berichtet Raymond Walk, persönliche Unterlagen zugeschickt bekommen. Darin befinden auch persönliche Codes und Pin-Nummern, die fürs Einloggen in den Parteitag, dann aber vor allem auch im Wahlverfahren selbst jeweils an der richtigen Stelle einzutippen sind. Das wurde nun schon einmal geprobt. „Das sehr gut und hat alles geklappt“, so Walk.

Es gab wie erwähnt auch Probeabstimmungen, aber eben nicht über die drei Kandidaten Norbert Laschet, Friedrich Merz und Norbert Röttgen. Votiert wurde über die Lieblings-Musikrichtung, das Lieblings-Ferienland und andere und unverfängliche Dinge. Nach der Wahl am Samstag erhält jeder Delegierte eine verschlüsselte Mail mit seinem Wahlverhalten und einem Stimmzettel. Den gilt es auszudrucken, anzukreuzen und in die CDU-Zentrale zu schicken. „Um die Wahl komplett rechtlich sicher zu machen, braucht es noch diese Bestätigung per Briefwahl“, so Walk.

Was ist wichtig für die Entscheidung?

Raymond Walk und Christian Hirte wollen sich über ihre Präferenzen in Sachen Parteivorsitz nicht in die Karten gucken lassen. „Die Wahl ist geheim und soll es auch bleiben“, so Walk. Und Hirte ergänzt als Thüringer Parteichef: „Es gibt keine Empfehlung des Parteivorstandes“.

Zumal sich die Delegierten ja auch erst die Reden der drei Kandidaten anhören wollen. „Für mich gibt es drei Dinge, die bei meiner Entscheidung wichtig sind: Was ist gut für die CDU Thüringen, was ist gut für die Bundespartei und wer hat das beste Konzept für die Zukunftsfähigkeit der neuen Bundesländer“, sagt Walk.

Ähnlich sieht es Hirte, der dem am Freitag beginnenden Parteitag aus seinem kleinen Arbeitszimmer im heimischen Tiefenort folgen wird. Für beide wird in ihrer Entscheidung natürlich eine Rolle spielen, ob sich da jemand als geeigneter Kanzlerkandidat aufdrängelt.

Parteimitglieder, die am Samstag nicht mit auf den Knopf drücken dürfen, haben natürlich ihre eigenen Präferenzen und machen keinen Hehl daraus. Ulrike Jary etwa, der es gelungen war für ihren Bürgermeister-Wahlkampf in Wutha-Farnroda den CDU-Bundesvorsitz-Kandidaten Norbert Röttgen zu einer Diskussionsveranstaltung nach Mosbach zu holen. „Bevor ich mich inhaltlich näher mit den Kandidaten, ihren Programmen und Ideen beschäftigt hatte, habe ich mehr zu Friedrich Merz tendiert. Nun aber und nach dem persönlichen Kennenlernen von Norbert Röttgen, würde ich ihn wählen – auch wenn ich damit in der Thüringer CDU wohl in der Minderheit bin“, sagt die Fraktionschefin der CDU im Gemeinderat Wutha-Farnroda. Sie überzeuge vor allem Röttgens Programm, mit der er die CDU „jünger, digitaler und weiblicher“ aufstellen wolle.

Bernhard Bischof, einstiger CDU-Bürgermeister von Hörselberg-Hainich, fällt die Wahl unter den drei vorhandenen Kandidaten schwer. Er tendiere durchaus zu Friedrich Merz, weil dieser die für diesen Job nötige Härte zu habe, aber auch weil er eher dem konservativem Flügel der CDU angehöre. „Röttgen traue ich es nicht zu“, so Bischof. Es sieht die Entscheidung zwischen Merz und Laschet fallen und tippt auf Laschet. Er werde den Bundesparteitag aber bestimmt nicht komplett am Bildschirm verfolgen. „Da gehe ich lieber ausgiebig mit meiner Frau spazieren und lasse mich überraschen, wie es ausgeht“.

Strömungen bündeln

Marcus Rippel, CDU-Fraktionschef im Treffurter Stadtrat, will seine Trainingsläufe rund um die Werrastadt so planen, dass er zur Entscheidung am Bildschirm mit dabei sein kann. Er schaut „erwartungsvoll und entspannt“ auf den Parteitag und hätte am liebsten einen „Mix aus allen drei Bewerbern“. Jeder Kandidat habe seine Stärken, aber auch Eigenschaften, „die mich nicht so überzeugen“. Rippel sieht ein Duell zwischen Merz und Röttgen voraus. „Laschet ist glaube ich raus“. Er, so Rippel, könne sowohl mit Merz als auch mit Röttgen als Parteichef gut leben. Für ihn geht es dabei aber natürlich auch um die Frage der späteren Kanzlerkandidatur. Rippel sieht im bayrischen CSU-Ministerpräsidenten Marcus Söder eine ordentliche Alternative. Das würde allerdings wohl nur funktionieren, wenn Röttgen Parteichef wird.

Am Ende sei es wichtig einen Parteichef zu bekommen, der die verschiedenen Strömungen in der CDU zu bündeln verstehe. Rippel: „Es ist doch gut, wenn die Partei lebt und es Diskussionen zu den wichtigen Fragen der Gesellschaft gibt. Der Parteichef muss die verschiedenen Meinungen aufnehmen und so bündeln, dass nach außen nicht der Eindruck der Zerstrittenheit entsteht.“