Der Klang der Glocken: Erfurter Bischof Neymeyr bei ARD-Show

Erfurt.  Erfurts katholischer Bischof Ulrich Neymeyr tritt in der ARD-Show „Klein gegen Groß“ auf. Herausforderin ist 10-Jährige aus der Schweiz

Bischof Ulrich Neymeyr horcht an der Glocke Gloriosa im Erfurter Dom.

Bischof Ulrich Neymeyr horcht an der Glocke Gloriosa im Erfurter Dom.

Foto: Marco Schmidt

Der Ton geht tief in den Körper. Ihn zu hören ist für viele Erfurter eine Herzensangelegenheit. Sie haben die Termine aus der Läuteordnung in ihrem Kalender vermerkt, stehen auf dem Domplatz oder zwischen Dom und Severikirche und lauschen ihrem Klang: e°.

Die Gloriosa verzaubert nicht nur die Einwohner von Thüringens Landeshauptstadt, sondern hat sich längst einen Namen über Deutschlands Grenzen hinweg gemacht. Am Samstag wird ihre Bekanntheit weiter steigen. In der ARD-Show „Klein gegen Groß“ tritt ein 10-jähriges Mädchen gegen Bischof Ulrich Neymeyr an. Die 10-Jährige erkennt angeblich Kirchenglocken aus aller Welt an ihrem Klang – und sei darin besser als der Bischof. Als die Anfrage der ARD Anfang September in Erfurt ankam, nahm sich Ulrich Neymeyer dieser sofort an.

Wir steigen die 177 Stufen zur Gloriosa empor, Glockenwart Uwe Kramer macht das öfter – er schnauft nicht so sehr. Oben angekommen, ist der Anblick der Gloriosa erneut beeindruckend. Die größte freischwingende mittelalterliche Glocke der Welt hat nicht nur einen wunderbaren Klang, sondern ist auch wunderschön Sie läutete für Ulrich Neymeyr, als er im Jahre 2004 in sein Amt als Erfurter Bischof eingeführt wurde. Doch schon vor der Zeit in Thüringen war ihm die Gloriosa ein Begriff.

Audiodateien zum Erlernendes Glockenklangs

„Glocken spielten vor allem in meiner Zeit als Pfarrer eine große Rolle“, sagt er. Die Wartung dieser, die Läute-Automatik, all das lag in seiner Hand. Er erinnert sich daran, wie einmal die Glocke falsch läutete. „Sie sollte das neue Jahr begrüßen und so war die Automatik auf den 31. Dezember 0 Uhr eingestellt. Das war leider ein Tag zu früh“, erzählt er lachend, während wir neben der Gloriosa stehen und sie immer wieder anschauen.

Viel Zeit hat er seit der Anfrage der ARD verbracht, um sich auf die Show vorzubereiten. Er erhielt vom Sender 50 Audiodateien mit je 20 Sekunden Länge. Jede Datei beinhaltet eine Glocke. „Wo es ging, hörte ich mir die Dateien an“, verrät der Bischof und verrät Unterschiede: „Die Zeit zwischen den Glockenschlägen ist unterschiedlich. Ebenso das Klangvolumen, denn manche Glocke tönt Schlag für Schlag und manche hat eine lange Nachvibration.“ Er nennt einige Beispiele, vergleicht die Gloriosa mit der Glocke Emmanuel – sie ist die größte Glocke der Kathedrale Notre-Dame de Paris. Sie wird als wohlklingendste Glocke Frankreichs gerühmt.

Uwe Kramer ist verantwortlich für die Gloriosa. Er kennt sie, steigt regelmäßig zur ihr empor. Auch er kann zu ihrem Ton einiges erzählen: „Es dauert über zwei Minuten, bis sie richtig gleichmäßig in Schwung ist. Nach etwa 50 Sekunden ertönt zwar der erste Schlag, aber so richtig hört man den noch nicht. Erst mit dem zweiten Schlag tönt sie richtig. Pro Minute sind es etwa 36 Anschläge.“

Nun, so lange dürfen Ulrich Neymeyr und Annika aus der Schweiz den Glocken nicht lauschen. „Wir hören immer den Beginn des Geläutes für 20 Sekunden“, sagt der Bischof. Neben den klanglichen Unterschieden hat er sich bei seiner Vorbereitung auf die Sendung auch mit der Geschichte der Glocken vertraut gemacht. So weiß er nun, warum die Silberglocke in Augsburg Silberglocke heißt, obwohl sie natürlich nicht aus Silber ist. Und er erfuhr von der Lullusglocke in Bad Hersfeld, sie ist die älteste datierbare, gegossene Glocke Deutschlands. „Ich lernte viel über Glocken“, sagt Ulrich Neymeyr.

Und muss zugeben, dass die Aufgabe leichter klang als sie letztlich war. „Ich hörte die Dateien wirklich oft, um meine Trefferquote zu erhöhen. Ich habe das unterschätzt.“ Wer von Beiden die meisten Glocken an ihrem Klang erkennt, das erfahren die Zuschauer an diesem Samstag ab 20.15 Uhr im Ersten.

Bischof Ulrich Neymeyr steigt die Treppen aus dem Dachgeschoss wieder hinab. Das letzte Mal, erzählt er nebenbei, sei er hier mit Rot-Weiß Erfurt gewesen. Bestehende Spieler wollten neuen Spielern Erfurt zeigen und hatten um eine Führung zur Gloriosa gebeten. Mit ihren 11,45 Tonnen Gewicht, einer Höhe von 2,62 Meter und einem Durchmesser von 2,56 Meter imponiert sie jedem – und vor allem mit ihrem Klang.