„Ein Höhepunkt jagt gerade den nächsten“: Aufsteiger Westvororte empfängt Wismut Gera beim Stadt-Derby

Gera  Fußball, Thüringenliga: Am Sonnabend empfängt Aufsteiger SG Gera-Westvororte um 17.30 Uhr die Orange-Schwarzen zum Derby

Westvororte-Trainer Mike Baumann.

Westvororte-Trainer Mike Baumann.

Foto: Jens Lohse

„Ein Höhepunkt jagt gerade den nächsten“, sagt Wismut-Trainer Marcus Dörfer vor dem morgigen Ortsderby in der Fußball-Thüringenliga bei der SG Gera-Westvororte. „Das Interesse an dieser Partie scheint groß. Das freut mich für Gera, weil sich enorm viele Menschen mit ganzer Kraft für den Fußball engagieren“, so der 35-Jährige, der zuletzt mit seinem Team aber gern auf große Schlagzeilen verzichtet hätte.

Die 6:7-Pleite gegen Ehrenhain zu Hause am letzten Freitag hat für Aufmerksamkeit gesorgt, auf die der Coach der Orange-Schwarzen gern verzichtet hätte, um in Ruhe weiterarbeiten zu können. „Vor der Saison habe ich versprochen, dass es am Steg Spektakel geben wird, wenn wir dort spielen. Das es so kommt, damit habe ich natürlich nicht gerechnet“, so Marcus Dörfer, der von der Reaktion im Umfeld auf die blamable Niederlage aber dennoch etwas überrascht war. „Ich war darauf eingestellt, dass wir diese Woche wie eine Sau durchs Dorf getrieben werden. Aber es ist erstaunlich ruhig geblieben. Dieses Vertrauen wollen wir dem Vorstand und den Fans zurückzahlen“, sagt der Wismut-Trainer. Das zusätzlich angesetzte Montagstraining nahm die Mannschaft dankend an. Es wurde viel geredet.

Nun kommt das Westvororte-Spiel genau richtig, um Wiedergutmachung zu leisten. Fußballerisch kann man jeden Thüringenligisten beherrschen. Das 7:3 in Sondershausen und die 6:2-Führung gegen Ehrenhain bis zur 65. Minute bewiesen das. Dass ein Spiel aber 90 Minuten dauert, wusste schon der 54er WM-Trainer Sepp Herberger.

Deshalb hat Marcus Dörfer an die Leidenschaft, an die Willenskraft, die Lauf- und Einsatzbereitschaft seiner Kicker appelliert. „Mit elf Cristiano Ronaldos gewinnt man keine Meisterschaft. Wir müssen hart arbeiten, alles dafür geben, um erfolgreich zu sein. Viele meiner Spieler haben zurecht Oberliga gespielt. Aber die Thüringenliga hat ihre eigenen Gesetze. Fußballerisch haben wir da nur wenige Widerstände zu brechen. Aber unsere Gegner kommen über die Mentalität. Jeder gibt gegen uns mindestens 110 Prozent“, mahnt Marcus Dörfer und hat wieder eines seiner Zitate parat: „Goethe hat einmal gesagt, dass der Charakter auf der Persönlichkeit beruht, nicht auf dem Talent.“

Das wird gegen die SG Gera-Westvororte nicht anders. Der Aufsteiger wird brennen. Die Zuschauern stehen nahe am Feld, was unbequem für den Gegner werden kann, wie Marcus Dörfer in den letzten zwei Jahren mehrfach selbst erleben durfte. Zwei Spielzeiten trainierte er die Westvororte-Kicker sehr erfolgreich, schaffte mit ihnen den Aufstieg in die höchste Spielklasse des Freistaats.

Als das Wismut-Angebot kam, zog er trotz Handschlag-Vertrag in Scheubengrobsdorf an den Steg weiter. „Ich habe mir das Westvororte-Spiel im Pokal bei Jena-Zwätzen angeschaut, habe auch mit vielen Fans gesprochen. Ich habe nicht das Gefühl, dass man mich dort verteufelt. Aber ein besonderes Spiel wird es trotzdem für mich“, weiß der Wismut-Trainer.

Ähnlich wie ihm ergeht es Rico Heuschkel und Maximilian Dörlitz. Während Torjäger Heuschkel, der auch für Wismut schon wieder fünf Treffer verbuchte, mit 39 Landesklasse-Toren zwar maßgeblich am Aufstieg beteiligt war, aber nur eine Saison in der Saarbach-Arena kickte, blickt Maximilian Dörlitz auf sieben Jahre im Westvororte-Trikot zurück. Auch sein Debüt bei Wismut hatte es in sich. Erst saß er gegen Ehrenhain auf der Bank, kam nach 20 Minuten rein, erzielte als aufgerückter Innenverteidiger zwei Kopfball-Tore nach Eckbällen und lenkte dann in der Schlussmann den Flachschuss von Gäste-Angreifer Ebersbach bei seiner verzweifelten Rettungsaktion unglücklich ins eigene Netz. Viel mehr Emotionen gehen nicht, zumal Maximilian Dörlitz nach seinem Treffer zum 4:1 demonstrativ zur Mittellinie lief, um seinen alten und neuen Trainer zu umarmen.

Baumann: Die Rollen sind klar verteilt

Westvororte-Trainer Mike Baumann gibt sich vor dem Derby unaufgeregt. „Einzig und allein Wismut entscheidet über den Ausgang der Partie. Unser Ziel ist es, eine gute Leistung abzurufen. Dann werden wir sehen, was dabei herauskommt“, äußert sich der 46-Jährige, dem es gar nicht so recht ist, dass seine Spieler besonders motiviert sind. „Das möchte ich eigentlich nicht. Die Emotionen auf dem Platz dürfen nicht zu hoch kochen. Sonst besteht die Gefahr, dass Spieler über die Stränge schlagen. Rote Karten können wir uns keine leisten“, so Baumann, der seinem Team eine sehr konzentrierte Trainingswoche bescheinigt. Die Personalsituation gestaltet sich aber schwierig. Aus der Stammviererkette steht wegen Sperren und Urlaub nur Lukas Kokott zur Verfügung. Im Tor dürfte abermals Niklas Sander stehen. „Ich kann ja nicht jede Woche wechseln“, erklärt Mike Baumann zum Torwart-Thema vielsagend und ergänzt: „Wir haben uns dieses Spiel gegen Wismut verdient, auch wenn die Rollen klar verteilt sind. Wir wollen den Favoriten ärgern.“

Bei Westvororte hat man sich auf ein Fußballfest vorbereitet, hofft auf deutlich mehr als 500 Zuschauer. Die Zahl der Ordner wurde spürbar erhöht. Aufgrund der Baustelle wegen des Anbaus gibt es aber nur einen Eingang mit zwei Kassen. „Dixi-Klos sind geordert. Zusätzliche Bierwagen stehen bereit. Wir erfüllen die Auflagen des Thüringer Fußballverbands und der Polizei“, sagt Westvororte-Präsident Michael Pannach, der mit den zusätzlichen Ausgaben auch den Top-Zuschlag beim Eintrittsgeld erklärt. Acht Euro sind für die normale Karte zu berappen.

Zugleich rät man den Zuschauern, möglichst mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Scheubengrobsdorf zu kommen, weil die Zahl der Parkplätze doch sehr begrenzt ist. „Sportlich bin ich nach den letzten Ergebnissen etwas skeptisch. Aber wie der Pokal haben auch Derbys ihre eigenen Gesetze. Darauf baue ich“, ist Michael Pannach doch zuversichtlich.

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