Fleischer-Mobil versorgt die Dörfer

Saale-Holzland-Kreis.  Schlangestehen für Schnitzel, Knackwurst und frisches Gemüse muss nicht sein. Direktvermarkter aus Bucha und dem Gönnatal erweitern ihren Lieferservice für Kunden in Stadt und Land.

Die Direktvermarkter der Gönnatal Agrar eG warten mit neuen Angeboten auf: Nicht nur Gemüse wird in der Biokiste nach Hause geliefert, auch Fleisch- und Wurstwaren werden der Kundschaft jetzt angeliefert. Katrin Schmidt und Frank Erhardt packen Frisches aus der Region für die Kunden in die Kiste.

Die Direktvermarkter der Gönnatal Agrar eG warten mit neuen Angeboten auf: Nicht nur Gemüse wird in der Biokiste nach Hause geliefert, auch Fleisch- und Wurstwaren werden der Kundschaft jetzt angeliefert. Katrin Schmidt und Frank Erhardt packen Frisches aus der Region für die Kunden in die Kiste.

Foto: Lüdke

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Standen die Kunden in den letzten beiden Wochen noch Schlange vor den Hofläden in Bucha und Altengönna sowie den Verkaufsstellen der regionalen Direktvermarkter in Jena und anderen Städten, so läuft das Geschäft dort in diesen Tagen viel ruhiger.

„Letzte Woche haben die Leute noch viel auf Vorrat eingekauft, besonders Konserven waren da gefragt, seit Montag spüren wir einen deutlichen Rückgang im Abverkauf und auch in unserem Imbiss in der Jenaer Grietgasse beispielsweise“, sagt Christel Lüdke vom Gönnataler Geflügel- und Wildspezialisten.

Weil immer nur ein, höchstens zwei Kunden in den kleinen Läden bedient werden könnten, gebe es nun mal lästige Wartezeiten. „Da geht mancher dann doch weiter“, hat sie beobachtet. Dem Imbiss fehlten mittags die Kunden, weil viele Unternehmen ihre Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt hätten. „Dabei kochen wir weiter, bieten auch täglich wechselnde Gerichte an, nur eben nicht für den Vorort-Verzehr, sondern zum Mitnehmen nach Hause.“

Auch in der Küche des „Buffet OK“ in Altengönna brodelt es weiter in Töpfen und Pfannen, Kunden wie Kindergärten oder Unternehmen werden weiter mit Biogerichten aus regionalen Produkten versorgt. „Wir haben unseren Lieferservice erweitert, fahren jetzt auch einzelne Portionen der warmen Gerichte aus“, berichtet Lüdke. Ab sofort würden in Altengönna (Telefon: 036425/55531) auch Bestellungen für Fleisch- und Wurstwaren angenommen, die dann frei Haus geliefert werden. Dabei denken die Gönnataler sowohl an ältere Kunden, für die der Gang zum Supermarkt derzeit nicht ungefährlich ist, als auch an solche, die sich zu Hause um die Kinder kümmern müssen, die in Kaufhallen aktuell gar nicht gern gesehen sind – aus gutem Grund.

Ihre Kunden auch weiterhin stabil und zuverlässig mit Lebensmitteln zu versorgen, das ist auch das Anliegen der Buchaer Agrargenossenschaft. „Unsere Fleischerei arbeitet wie gewohnt, nur in Schichten, zum Schutz der eigenen Mitarbeiter“, berichtet Caroline Kunze, in der Agrar eG für den Direktvertrieb zuständig. Auch die sieben Filialen in vier Landkreisen und drei Verkaufswagen, die über Land fahren, bieten der Kundschaft die hausgemachten Fleisch- und Wurstspezialitäten an.

Gerade ältere Leute erwarten die Wagen jetzt noch sehnsüchtiger

„Gerade von den älteren Leuten auf dem Land werden unsere Wagen jetzt noch sehnsüchtiger erwartet als sonst“, erzählt Caroline Kunze. Auch hier werden Bestellungen direkt angenommen. „Unsere Verkäuferinnen erfahren das direkt von den Kunden, da gibt es viel Anerkennung und Lob“.

Das will die junge Frau vom Vorstand der Agrargenossenschaft ihrem Team auch selbst aussprechen. „Unter wirklich schwierigen Bedingungen halten wir den Betrieb aufrecht, die Kollegen haben viele gute Ideen dafür, unsere Kantine etwa, deren Party-Service-Geschäft auf Null heruntergefahren ist, bietet Essen im Fensterverkauf an. Wir hoffen, dass auch weiter so viele Kollegen wie möglich arbeiten können.“ Auch im Verarbeitungsbetrieb in Altengönna gibt es Ausfälle, weil Muttis die Kinder zu Hause betreuen oder Urlaubsrückkehrer erst einmal daheim bleiben müssen. Aber die Mannschaft ist an Bord. Auch die Kollegen aus Polen und Rumänien, die in einem firmeneigenen Haus im Gönnatal wohnen, hätten auf Heimfahrten verzichtet.

Caroline Kunze berichtet aber auch von ersten Schwierigkeiten in Bucha, etwa bei der Rohstoff-Sicherung. „Bei Einweckgläsern gibt es Engpässe, anderswo müssen wir heftige Preissteigerungen abfedern.“ Die Gönnataler Putenspezialitäten müssen derweil sehen, wie sie Verluste durch Abbestellung eines Großkunden, der Marché-Restaurants an den Autobahnen, kompensieren können. „Wenn Restaurants schließen müssen, dann ist das ein herber Einschnitt. Wir ziehen die Puten ja selbst auf, die wir später verarbeiten. Was bei unseren Kunden zum Beispiel Ostern auf den Tisch kommt, das steht bei uns fast ein halbes Jahr früher im Stall.“ Für das Osterfest hat das Unternehmen auch reichlich Kaninchen vorrätig und Lämmer, die der Schäfer vom Jägerberg nicht an andere Kunden verkauft hat, sondern für die Jenaer auf der Weide stehen ließ. „Die Kundschaft muss sich also um den Osterbraten keine Sorgen machen“, sagt Christel Lüdke. Gleiches können die Direktvermarkter aus Bucha versichern.

Beide Unternehmen hoffen, dass es in den nächsten Tagen nicht noch weitere Einschränkungen für das öffentliche Leben in den Städten und Gemeinden gibt, denn auf die Verkaufswagen der Bauern aus dem Saale-Holzland-Kreis warten die Leute in den Dörfern von Schmiedehausen bis Seitenroda. Und auf Wochenmärkten auch Kunden in Gera, Kahla, Naumburg und sogar Sömmerda.“ Aus Apolda haben wir erfahren, dass der Wochenmarkt am Freitag vorerst nicht mehr stattfindet“, berichtet Christel Lüdke.

Ärgerlich ist für Caroline Kunze in Bucha, „dass wir uns die Informationen über die jeweils aktuelle Situation oder neue Festlegungen in den Städten und Kreisen selbst mühsam zusammensammeln müssen. Wir bekommen von den Ämtern keine Information und auch keine Hilfe“, sagt sie.

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