Kunstladen in Jena statt Weihnachtsmarkt

Jena.  Annette und Gerd Wandrer sowie Jorge Mendez Canalias verkaufen in der Jenaer Löbderstraße

Annette und Gerd Wandrer in ihrem neuen Kunstladen mit einem gemeinsamen Werk.

Annette und Gerd Wandrer in ihrem neuen Kunstladen mit einem gemeinsamen Werk.

Foto: Michael Groß

Weihnachtsmarkt abgesagt, was nun? Diese Frage stellen sich zahlreiche Mitwirkende wie Händler, Schausteller und Wirte. Aber auch Künstler wie das Jenaer Ehepaar Annette und Gerd Wandrer. Doch die beiden wussten sich zu helfen: „Wir waren auf den vergangenen Weihnachtsmärkten stets mit einem bei Marktbesuchern gut gefragten Verkaufsstand dabei. Diese feste Einnahme fällt nun völlig weg. Deshalb haben wir uns kurzerhand entschlossen, einen Laden zu eröffnen, wo wir unsere Kunst anbieten können“, berichtet Annette Wandrer.

Fündig geworden sind sie bei der Suche nach einem Geschäft mitten im Stadtzentrum, in der Löbderstraße. Hier präsentieren nun Annette Wandrer ihre keramischen Objekte sowie Gerd Wandrer seine Malereien und Grafiken. Außerdem ist der Künstler Jorge Mendez Canalias mit Schmuck und Raku-Objekten dabei.

Natürlich ist der Kunstladen nur eine vorübergehende Aktion der drei Künstler. Bis zum 22. Dezember wird er offen sein, also fast die gesamte Zeit, die für den Weihnachtsmarkt geplant war. Die Wandrers sind ja in Jena keine Unbekannten. Gerd Wandrer hatte sich schon in den 1980er Jahren einen Namen gemacht mit seinen Hofgalerien und Veranstaltungen in einem Hinterhof der Johannisstraße. „Wir hatten damals allen Kunstrichtungen die Chane gegeben, sich zu zeigen: Malerei, Theater, Literatur und vieles mehr", erinnert sich Gerd Wandrer. Dieses Kunstpraktizieren abseits der Parteilinie missfiel der DDR-Obrigkeit, und es gab Repressalien, die schließlich beide zur Ausreise führten. Vor Jahren kamen die Wandrers zurück und haben heute ein Atelier in Apolda.

Im neuen Kunstladen sind Drucke viele seiner Werke zu haben. Es hängt auch seine Radierung von 1986 „Figuren mit Hund“ im Laden, eine Reminiszenz an die alte Zeit. Dazu ist aber auch viel Neues zu sehen, unter anderem ein keramisches Objekt, bei dem die beiden Wandrers zusammengewirkt haben, und zwar mittels zweier Bilder, die über Holzschnittverfahren auf die Keramik gelangten. Charakteristisch für die Objekte von Annette Wandrer ist übrigens auch, dass sie weniger unter dem Blickwinkel der Funktionalität entstanden sind als vielmehr unter ästhetisch-künstlerischen Aspekten.