So soll es sich in Mühlhausen wohnen

Claudia Bachmann
| Lesedauer: 4 Minuten
Anschließend an das Baugebiet Goetheweg Süd, in der Nähe zur Felchtaer Landstraße in Mühlhausen, kann sich die Wohnraumstudie weitere Einfamilienhäuser vorstellen.

Anschließend an das Baugebiet Goetheweg Süd, in der Nähe zur Felchtaer Landstraße in Mühlhausen, kann sich die Wohnraumstudie weitere Einfamilienhäuser vorstellen.

Foto: Daniel Volkmann

Mühlhausen.  Derzeit steht jede neunte Wohnung leer. Besonders viele sind es in der Innenstadt. Dennoch sehen die Stadtplaner keinen Grund für Alarmstimmung und setzen auf pfiffige Ideen.

Was braucht Mühlhausens Wohnungsmarkt? Im Auftrag der Verwaltung hat ein Leipziger Büro jetzt eine Wohnungsmarktprognose erstellt, die im Juli auch den Stadtrat passiert hat.

Dem voran geht eine Bestandsaufnahme: Von 21.704 Wohnungen stehen 2414 leer. Das sind 11,1 Prozent. Den größten Leerstand gibt es in der Altstadt. Dort ist jede vierte Wohnung leer. Nur unwesentlich besser sieht es in den historischen Vorstädten aus; dort ist jede fünfte Wohnung frei.

Allerdings: Manche Wohnungen sind nicht in einem vermietbaren Zustand. In der historischen Altstadt betrifft das mehr als jede zweite als leerstehend erfasste Wohnung (56 Prozent/ 387 Wohnungen). Ein Schwerpunkt lasse sich dabei in Herrenstraße und Steinweg ausmachen. Größtenteils handelt es sich dabei laut Studie um Wohnungen in komplett leerstehenden Gebäuden.

Etwas mehr Menschen ziehen in die Stadt als weg

Allein an Zahlen will Frank Wellendorf, Stadtplaner bei der Stadtverwaltung, den Zustand des Wohnungsmarktes nicht abhängig machen. „Die Nachfrage nach Wohnungen ist da. Es gibt leicht mehr Zu- als Wegzug“, sagt er. Zudem sei vom Leerstand nicht selten Wohnraum in Hinterhäusern betroffen oder in Dachgeschossen. „Dort, wo man in Zeiten von Wohnungsnot eben an- und ausgebaut hat.“

Ungewöhnlich hoch ist nach Aussage der Leipziger der Anteil an Ein- und Zweifamilienhäusern: Die Zahl der Wohnungen darin stieg in vergangenen Jahren auf 37 Prozent; das sei vor allem auf die Eingemeindung der vier Ortsteile im Grabe, Bollstedt, Höngeda und Seebach zurückzuführen. Rund 400 weitere Grundstücke für Einfamilienhäuser könnten dem Papier zufolge bis 2040 bereitgestellt werden.

Soweit die Theorie, denn es bleibt die Frage: Werden sie angesichts sinkender Einwohnerzahlen überhaupt benötigt? Der Generationswechsel werde sich zuerst in den Geschosswohnungsbau der 1950er- und 1980er-Jahre spiegeln. Insgesamt werde sich, der Prognose zufolge, die Zahl der Haushalte seit Bestandsaufnahme 2019 bis 2040 um knapp 1700 auf 17.500 verringern, 2040 wird der Anteil an Einpersonenhaushalten bei 48,1 Prozent liegen. Das ist die einzige Haushaltsgröße, die in den nächsten Jahren steigen wird, alle anderen -- vor allem Zweipersonenhaushalte (-1061) -- werden stark sinken.

Studie schlägt neue alternative Nutzung für leere Läden vor

Als eine harte Nuss in der Stadtentwicklung sieht das Leipziger Büro die historischen Vorstädte an. In Sankt Nikolai und Sankt Petri gebe es eine schlechte Bausubstanz und eine große Belastung durch den Durchgangsverkehr. Auf der anderen Seite weisen diese Vorstädte teilweise besondere Gebäude-Ensembles auf mit hoher städtebaulicher Bedeutung. Dennoch meint Oberbürgermeister Johannes Bruns (SPD): „Wir werden in den Vorstädten mit Baulücken leben müssen.“

Für die Altstadt schlägt das Leipziger Büro vor, besondere Wohnformen zu entwickeln, die modernes Wohnen in historischer Bausubstanz ermöglichen.

Zudem müssten die Gewerberäume im Erdgeschoss umgenutzt werden. Vorstellbar sei, sie Vereinen anzubieten, in ihnen Treffpunkte für die Bewohner der Altstadt zu schaffen oder auch kleine Oasen von Kultur oder Coworking Spaces. Attraktiver werden müsse auch der Plattenbau.

Modernes Wohnen in alten Plattenbauten

Der Vorschlag: Plattenbauten umzugestalten und Geschosse abzutragen, um ein Wohnen über mehrere Etagen zu ermöglichen oder aber auf kleinere Wohnungen eine Wohnung nebenan zuzuschlagen und sie damit attraktiver zu machen. Bestrebungen gibt es durch die Städtische Wohnungsgesellschaft (SWG) bereits im Forstbergviertel. Stadtplaner Christoph Reimann meint: „Die Pläne dort können beispielgebend sein für andere Neubauviertel.“ Der Stadtentwicklungsausschuss des Stadtrates soll nun die Ideen aus dem Papier priorisieren.

„Vorsichtig optimistisch“ sei Bruns, was die Entwicklung der Bahnhofsvorstadt angeht: „Das Land hat angedeutet, sich um die Bahnhofsvorstädte kümmern zu wollen, sie sind schließlich in vielen Städten ein Problem.“