Kommentar Apolda

Aufklärung ja, Tribunal nein

Dirk Lorenz-Bauer
Dirk Lorenz-Bauer

Dirk Lorenz-Bauer

Foto: Peter Hansen

Dirk Lorenz-Bauer über Notwendiges und Überflüssiges

Der Stadtrat zählt 30 Mitglieder. 18 gehören den Fraktionen CDU-FDP und Rot-Rot-Grün an. Beide erbaten die aktuelle Stunde zum Thema rechtswidriger Zaunbau in der Herressener Promenade. Mindestens 60 Prozent der Lokalpolitiker fordern somit Aufklärung über die Umstände, die zu dieser Peinlichkeit führten. Außerdem wollen sie von Bürgermeister Rüdiger Eisenbrand (parteilos) völlig zu recht wissen, wer dafür verantwortlich ist. Kurz: Es sind normale Fragen. Und diese müssen vom Stadtoberhaupt baldmöglichst beantwortet werden.

Sträubt sich Rüdiger Eisenbrand, wie er es unlängst ja mehrfach tat, führt das nicht zur Versachlichung. Was bliebe, wäre angesichts der Bockigkeit der Eindruck eines fortgesetzten Kasperletheaters zwischen ihm und Teilen des Stadtrates.

Aufpassen sollten alle Stadträte, dass aktuelle Stunden nicht zu Tribunalen werden. Ja, Polemik gehört zur Politik. Sie bringt Würze. Der gute Geschmack indes sollte darunter nicht leiden. Zudem: Kluge Redner bedürfen des Breitschwerts nicht, sie führen ja das Florett.

Und klar doch, ein Bürgermeister ist nicht sakrosankt. Macht er Fehler, ist das anzusprechen. Aber die Würde des Amtes und der Person darf dabei nicht verletzt werden. Häufig ist da ein schmaler Grat, von dem man in der Debattenhitze abzurutschen droht. Vorsicht also.

Zuletzt ein Wort zur durch Fraktionschef Franz Richter (FWW) aufgeworfenen Frage, ob das die Bürger überhaupt interessiert. Richtig, die Debatte mag angesichts weitaus gewaltigerer Probleme marginal, ja nervig scheinen. Trotzdem ist sie zu führen. Wenn nämlich künftig nicht mehr aufgeklärt und sanktioniert wird, was falsch läuft, werden Missmanagement und Inkompetenz endgültig obsiegen. Auch ein Franz Richter kann das nicht wollen.