Michael Engel hat sein kurz währendes Amt als Bundestrainer der deutschen Rollstuhlbasketballer offensichtlich in die richtigen Hände übergeben. Unter Jan Haller, der letztes Jahr noch zum Spielerkader zählte, mit dem Engel in Paris die erste Paralympics-Medaille seit 32 Jahren holte, gewannen die Deutschen auch bei der EM in Sarajevo Bronze und lösten das Ticket für die WM 2026. Wir sprachen mit Engel über die Leistungen der drei Thuringia Bulls, ein kontroverses Statement seines Nachfolgers und Marie Kier.

Nach Bronze bei den Paralympics unter Ihnen, nun Bronze bei der EM unter Jan Haller. Wie haben Sie das Turnier erlebt?

Generell waren es sehr viele enge Spiele. Ich habe selten so eine starke EM gesehen, das hat Freude gemacht. Der dritte Platz ist sehr verdient. Die Mannschaft hat offensiv wie defensiv überzeugt, war eine Einheit auf und neben dem Spielfeld. Sie hat konstant ihr Leistungsvermögen abgerufen, bis auf das Halbfinale gegen Großbritannien. Das war wieder ein Schritt nach vorn.

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Ihr Nachfolger Haller sagte, er wollte das Offensivspiel variabler gestalten und da eine Entwicklung machen. Eine Kritik an Ihrer Person?

Überhaupt nicht. Er hat sehr gut auf dem Fundament aufgebaut, das in den letzten Jahren auch durch mich erarbeitet wurde. Aber er hat auch neue Ideen eingebracht. Das war eine außergewöhnliche Leistung von Jan, mehr als ein Gesellenstück. Er hat gezeigt, dass er der goldrichtige Bundestrainer ist.

Impressionen von der Rollstuhlbasketball-EM
Vereinsduell zweier Thuringia Bulls: Auf dem Weg zu Bronze besiegten die Deutschen mit Jens Albrecht (rechts) auch Österreich mit Hubert Hager. © Steffie Wunderl

Mit Alex Halouski, Lukas Gloßner und Jens Albrecht gehörten drei Spieler der Thuringia Bulls zum EM-Kader. Wie haben Sie deren Leistungen gesehen?

Mit Alex und Matthias Güntner haben wir zwei Weltklassespieler auf der Highpointer-Position (Spieler mit geringer Einschränkung, Anm. d. Red.). Sie wurden je nach Situation eingesetzt und hatten beide gute Phasen, zum Teil auch zusammen auf dem Feld. Lukas teilt sich die Rolle als Lowpointer (Spieler mit hoher Einschränkung) mit Tobias Hell ebenso, auch das hat gut funktioniert. Jens ist klarer Ersatzmann für Tommy Böhme und Alex Budde, hat der Mannschaft aber in den K.o.-Spielen speziell defensiv wichtige Impulse gegeben.

Und Marie Kier, die mit den deutschen Frauen Vierte wurde?

Sie hat sich enorm verbessert und in ihrer Spielzeit gute Akzente gesetzt. Auf ihrer Position hat sie zwei Weltklassespielerinnen vor sich. Doch sie hat den Rückstand gegenüber den deutlich Erfahreneren verkürzt und ich bin optimistisch, dass sie immer mehr Spielanteile bekommt.