Der Morgen danach begann mit einem „Katerfrühstück“. Appetit auf die „Goldene Ananas“, wie die Partie um Platz drei gern genannt wird, hatte keine Spielerin des Thüringer HC. Und doch mussten sie für Fans und TV noch einmal ran nach dem Pokal-Drama im Halbfinale gegen die HSG Bensheim/Auerbach. Im Siebenmeterwerfen waren die Frauen von Trainer Herbert Müller im Halbfinale des Final Four in Stuttgart bitter gescheitert. Die reguläre Spielzeit hatte 31:31 geendet.

27:29-Niederlage gegen Blomberg im Spiel um Platz drei und 5.500 Euro

Am Sonntag gab es gegen die HSG Blomberg-Lippe, die Borussia Dortmund 32:35 unterlegen war, eine erneut knappe Niederlage mit 27:29. Das Finale entschied Favorit Borussia Dortmund gegen Bensheim mit 30:25 (15:11) für sich. Für den Pokalsieger gab es 11.000 Euro, für den THC als Vierten immerhin noch nette 5.500 Euro.

Der Handball ohne Druck machte beiden Verlierer-Teams vor erneut stimmungsvoller Kulisse richtig Spaß. „Blomberg hatte den längeren Atem, wir hatten schwache zehn Minuten. Aber wir haben voll dagegengehalten. Ich wollte auch den Spielerinnen, die zuletzt wenig Minuten hatten, die Chance geben, sich zu zeigen“, sagte Müller, der Torjägerin Johanna Reichert schonte. „Ich bin zwar ein Gegner des Spiels um Platz drei, muss meine Meinung aber etwas revidieren. Wir haben auch eine Verantwortung für die Fans und das Event. Das war Werbung für den Damenhandball und für mich die einfachste Niederlage meines Lebens“, lachte Müller.

„Wir haben gesehen, wie brutal der Sport sein kann“, hatte THC-Torfrau Laura Kuske am Samstag nach dem Halbfinal-Aus erklärt. „Das Spiel hatte unglaublich viele Wellen, jeder war schon mal klar vorn gewesen. Im Siebenmeterwerfen entscheidet dann das Glück“, so die 24-Jährige aus der Oberpfalz. Sie habe sich schon auf Siebenmeter vorbereitet, aber nicht explizit auf so ein finales Duell vom Strich.

Kein Vorwurf an Kuczora nach Siebenmeter-Drama

So wurde ausgerechnet die beste Schützin von der Siebenmeterlinie zur tragischen Figur. Die Ungarin Csenge Kuczora, die im Spiel alle sechs Strafwürfe verwandelt hatte, scheiterte am rechten Bein von Vanessa Fehr. Als Amelie Berger dann auch den fünften Bensheimer Siebenmeter ins Netz setzte, war das Halbfinale für den THC verloren. „Niemals ein Vorwurf an Csenge, die uns mit ihrer Treffsicherheit zuvor immer im Spiel gehalten hat“, sagte Jana Scheib. „Es war eine Partie auf Augenhöhe und am Ende war es Pech für uns“, sagte ihre Kollegin Natsuki Aizawa traurig.

Trainer Herbert Müller analysierte die verlorene Partie gleich in der Kabine. „Dann haben die Mädels am Abend Zeit für Massagen und für sich“, so der Coach. „Wir müssen die Tür nur zumachen, doch wir haben den Schlüssel nicht rumgedreht“, meinte Müller, der die „kämpferische Leistung“ aber lobte.

Thueringer HC - HSG Bensheim / Auerbach
Hart genommen wurde Johanna Reichert gegen Bensheim. Gegen Blomberg schonte Trainer Herbert Müller seine Torjägerin für die kommenden Aufgaben.© Marco Wolf | Marco Wolf

Das Spiel war ein Abbild der Saison. Nachdem sich ein 17:14-Vorsprung nach der Pause in ein 21:25 verkehrt hatte, fehlte dem THC in der wilden Schlussminute ein erfolgreicher Wurf, um den Sieg in der regulären Spielzeit klarzumachen. Doch Rikke Petersen hob den Ball über das Tor. „Diese Lupfer“, nervte Müller der „Angstwurf“ der Dänin. „Wir haben insgesamt zu viele freie Chancen liegengelassen und waren auch in der Abwehr in der zweiten Hälfte nicht gut genug. Wir kriegen wieder über 30 Tore“, macht Müller ein Muster aus.

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Viel Zeit zum Nachdenken hat der THC aber nicht. „Wir sind jetzt noch auf zwei Hochzeiten dabei, wo es allerdings schwieriger ist, einen Titel zu holen“, so der Coach. In der European League geht es kommenden Sonntag ins Hinspiel des Viertelfinales nach Nyköbing in Dänemark. Später im April warten wahrscheinlich die Halbfinal-Playoffs um die deutsche Meisterschaft, wohl gegen Dortmund. „Hinfallen kann jeder. Jetzt müssen wir aufstehen“, fordert Müller eine Reaktion seiner Frauen.