Ein großes Talent ist im Anmarsch. Europa bleibt für die Handballerinnen des Thüringer HC das große Ziel. Alle Wege stehen ihnen dafür offen: in der Handball-Bundesliga Frauen, im DHB-Pokal, in der European League. In der Verfassung vom Mittwoch wird das Vorhaben jedoch schwer.
Mitunter wartet THC-Trainer Herbert Müller, bevor er das Spiel mit der Mannschaft durchgeht. Doch der Auftritt am Mittwoch und die nächste Mammutaufgabe vor Augen duldeten keinen Aufschub. Nach der 22:33 (13:12)-Pleite gegen Bundesliga-Spitzenreiter Borussia Dortmund sprach er in der Kabine Klartext und führte am Tag danach Einzelgespräche. „Es wird halt immer enger“, erklärte er. Sämtliche Rechenspiele war er in der Nacht durchgegangen, wie die Saison erfolgreich enden kann. Das oberste Ziel ist, mindestens im europäischen Wettbewerb dabei zu sein. Viel mehr ist drin.
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Chancenreich in drei Wettbewerben: Dreikampf um das European-League-Viertelfinale
„Wir haben noch alles in der Hand“, macht der Coach klar. Trotz wachsenden Drucks liegt sein Team in drei Wettbewerben im Rennen. Im Blick hat er zunächst das Gruppenfinale der European League am Samstag. Im Dreikampf mit Baia Mare und Mosonmagyaróvár können die Thüringerinnen bei Larvik HK (16 Uhr) den Viertelfinaleinzug klarmachen. Um sicher zu sein, muss der THC gewinnen. Bei einer Niederlage bräuchte es Hilfe der Rumäninnen.

Der THC-Coach will die Aufgabe selbst lösen und sprach intensiv mit allen. Zwischen „Kopf hoch“ und Kritik bewegte er sich nach dem Wechselbad der Gefühle gegen Dortmund. „Wir können innerhalb von drei Tagen tolle Spiele zeigen“, verwies er auf das titelreife 34:24 gegen Mosonmagyaróvár. „Wir können aber auch katastrophal schlecht spielen“, zielte er auf die zweite Hälfte gegen Oldenburg und den BVB ab. Er klang gemäßigter.
Einstellung, Kampfgeist, Identität: Was der THC gegen Dortmund vermissen ließ
„Eine Frechheit, was wir geboten haben“, war dem Coach am Abend zuvor der Kragen geplatzt. Nach einer guten Halbzeit (13:12) ebneten Dortmund zwei Zeitstrafen gegen den THC den Weg, um auf drei Tore wegzuziehen. Ein entscheidender Vorsprung. Danach fielen die Gastgeberinnen auseinander. Anika Niederwieser konnte sich die Leistung nicht erklären. „Wenn wir das wüssten, wäre es nicht passiert“, sagte die Abwehrchefin.

Für den THC-Coach schien es, als sei seiner Mannschaft mental der Stecker gezogen worden. „Das passiert uns nicht zum ersten Mal“, erinnerte er. Aufgrund des fehlenden Willens wurde er deutlich. „Das hatte nichts mit Einstellung zu tun, das hatte nichts mit Kampfgeist zu tun, das hatte nichts mit dem THC zu tun“, fordert er umso mehr unbedingten Willen.
Kaderplanung: Luca Csískos soll Rückraum-Lücke schließen
Mit Blick auf die internationalen Ambitionen wurde ein weiteres Puzzleteil für den Kader der Saison 2026/27 verpflichtet. Auf Leihbasis von Ferencváros Budapest wechselt Luca Csíkos im Sommer zum THC. Die 20-jährige Rückraumspielerin spielt aktuell bei Vác, sie gehörte zu Ungarns WM-Auswahl.

Aktuelle Nachrichten zum Thüringer HC:
Bei Vác war sie unter anderem noch mit THC-Rückraumspielerin Csenge Kuczora am Ball, die den THC zu CSM Bukarest (Rumänien) verlassen wird. Top-Schützin Johanna Reichert wechselt zu Bistrita. Csíkos soll unter anderem mit Levke Kretschmann (Buxtehude) sowie Kelly Rosa dazu beitragen, diese Riesenlücke zu schließen. Trainer Müller schätzt ihre Torgefahr, Dynamik und ihren Drang: „Wir wollen mit ihr einen ähnlichen Entwicklungsschritt gehen, wie er uns mit Johanna Reichert gelungen ist.“ Die europäische Bühne wäre dafür Voraussetzung.






