US-Präsident Donald Trump ist seit Beginn seiner zweiten Amtszeit für die Wirtschaft zu einem großen Unsicherheitsfaktor geworden. Den Welthandel hat er mit seiner Zollpolitik auf den Kopf gestellt. Und auch die Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed droht er zu untergraben: Nachdem der US-Präsident den Chef der US-Notenbank, Jerome Powell, unter anderem wegen seiner Zinspolitik einen „Schwachkopf“ genannt hatte, gipfelte der Streit darin, dass Trump Powell mit einer Klage drohte.
Trumps Verhalten wirkt nach der Entführung des venezolanischen Präsidenten und seinen geäußerten Gebietsansprüchen auf Grönland noch unberechenbarer als bei Antritt seiner zweiten Amtszeit. Die Frage, inwiefern man dem mächtigsten Mann der Welt – insbesondere bei Finanzfragen – noch trauen kann, erscheint vor diesem Hintergrund immer drängender. Sind die deutschen Goldbestände in den USA noch sicher – oder sollten sie besser nach Deutschland geholt werden?
weitere Videos
„Das Vertrauen in die USA ist erschüttert“
Michael Jäger, Vizepräsident des Bunds der Steuerzahler Deutschland (BdSt) hat darauf eine eindeutige Antwort: „Das Vertrauen in die USA ist erschüttert.“ Was aktuell unter Trump passiere, sei alarmierend. „In dieser Gemengelage warnt der Bund der Steuerzahler davor, weiterhin Gold in den USA zu lagern“, sagt Jäger dieser Redaktion.
Aktuell lagert etwa die Hälfte des deutschen Goldes bei der US-Notenbank Fed in New York. „Die Notenbank ist unabhängig – noch. Aber es ist eine neue Eskalationsstufe erreicht. Ich würde daher dringend empfehlen, das in den USA gelagerte Gold heimzuholen“, sagt Jäger. Schon wenige Wochen nach Beginn von Trumps zweiter Amtszeit hatte Jäger gegenüber dieser Redaktion von einem „unangenehmen Bauchgefühl“ gesprochen.
Deutsches Gold: So viele Tonnen Gold lagern im Ausland
Der Staat Deutschland besitzt 3352 Tonnen Gold – insgesamt 267.682 Barren. Der Goldbestand ist im Wert zuletzt gigantisch gestiegen. Er ist aktuell rund 315 Milliarden Euro wert. Zu Jahresbeginn waren es laut Deutscher Bundesbank noch etwa 270,5 Milliarden Euro, Ende 2022 rund 184 Milliarden Euro.
Die Goldbarren werden in Frankfurt am Main, New York und London gelagert. Gut die Hälfte (51 Prozent, 1710 Tonnen) liegt bei der Bundesbank, „im wunderschönen Gelände des Campus in unserem Tieftresor“, wie Bundesbankchef Joachim Nagel einst sagte. 37 Prozent befinden sich bei der US-Notenbank Fed in den USA (1236 Tonnen), 12 Prozent bei der Bank of England in London (405 Tonnen). Auch die Europäische Zentralbank (EZB) verfügt über etwa 504 Tonnen eigene Goldreserven im Wert von zuletzt 46,9 Milliarden Euro (Ende März 2025). Über die Lagerungsorte ist jedoch nichts bekannt.
- Richtig in Gold investieren: ETF, ETC oder Münzen und Barren?
- Unter Trump: So sicher ist das deutsche Gold in den USA noch
- Faule Deutsche? Experten sagen, ob wir wirklich zu wenig arbeiten
- Gold kaufen: Profis geben wichtige Tipps für Anfänger
- Job & Gehalt: Experte verrät, was bei Gehaltsverhandlungen wirklich zieht
- Wohnen und Mieten: Reich werden mit Airbnb – Zwei Brüder verraten, wie es geht
„Zu DM-Zeiten war es vielleicht noch wichtig, dass die Mark mit Goldbeständen in den USA im Krisenfall schnell gestützt werden kann. Doch dieser Grund existiert seit der Einführung des Euro nicht mehr“, sagte Jäger. Die nationalen Goldbestände werden von der Deutschen Bundesbank als Währungsreserven verwaltet. Kernaufgabe der Deutschen Bundesbank ist es, für Preisstabilität zu sorgen und indirekt den Wert des Euro zu sichern.
Gold in den USA: Das sagt der Chef der Bundesbank
Für den Bundesbankchef ist eine Verlagerung der deutschen Goldbestände aus den USA dagegen kein Thema. „Das Thema ist ein No-Go. Darüber denken wir keine Sekunde nach“, sagte Nagel im Februar vergangenen Jahres. Und an dieser Position hat sich auch Anfang 2026 laut einer Sprecherin der Bundesbank nichts geändert.
„Wir haben, wie über die vergangenen Jahrzehnte hinweg, überhaupt keinen Zweifel daran, dass wir mit der Fed New York einen vertrauenswürdigen, verlässlichen Partner bei der Aufbewahrung unserer Goldbestände haben“, so Nagel. Die Bundesbank ist demnach nicht die einzige Notenbank, die in New York ihre Goldbestände aufbewahre. „Ich habe da vollstes Vertrauen zu unseren Kollegen bei der amerikanischen Notenbank.“
Auch der langjährige Vizepräsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Rolf Langhammer, sieht keinen Anlass für eine Verlagerung. „Diese Forderungen sind völlig unbegründet.“ Spekulationen über „worst cases“ solle man nicht Vorschub leisten. Das Gold lagere bei der New Yorker Niederlassung der amerikanischen Notenbank und nicht im Weißen Haus.
„Die Kooperation zwischen den beiden politisch unabhängigen Notenbanken ist seit Jahrzehnten von gegenseitigem Vertrauen gekennzeichnet. Es wäre in dieser von großer Unsicherheit gekennzeichneten Zeit geradezu fahrlässig und kontraproduktiv, durch Repatriierung von Goldbeständen Zweifel am Fortbestand dieser Beziehungen zu wecken“, sagt Langhammer. „Wenn die Politik der amerikanischen Regierung Nationalismen schürt und Märkte zerstückelt, dürfen Notenbanken dem nicht nacheifern, sondern müssen im Gegenteil Kooperationen ausbauen.“
Gold lagert in den USA: Das hat einen praktischen Grund
Für die Bundesbank ist es wichtig, Gold bei Bedarf in kürzester Zeit im Ausland verkaufen oder in Fremdwährungen tauschen zu können. Die EZB hat sich seit Beginn der neuen Trump-Regierung noch nicht zur Lagerung der Goldbestände geäußert.

Die Bundesbank hatte bereits zwischen 2013 und 2017 in mehreren Schritten 300 Tonnen Gold aus New York und 374 Tonnen aus Paris nach Frankfurt gebracht – und hat seither damit 50,6 Prozent ihres Goldbestandes in der Mainmetropole. Ähnlich handelten auch mehrere andere europäische Länder.
Kann die Bundesregierung Gold der Deutschen verkaufen?
Der enorme Gewinnsprung des Goldes könnte jedoch auch in der Politik Begehrlichkeiten wecken. Warum nicht Gold verkaufen und damit Lücken im neuen Bundeshaushalt schließen? Doch genau dieser Möglichkeit der Einflussnahme sind klare Riegel vorgeschoben. Die Bundesbank ist „unabhängig und an Weisungen der Bundesregierung nicht gebunden“, so das Bundesbankgesetz.
Auch interessant
„Diese Unabhängigkeit ist elementar wichtig“, meint Jäger. Es verhindert populistische Weisungen durch die Politik. Der Staatshaushalt profitiert lediglich von den Gewinnen der Bundesbank, die laut Bundesbankgesetz der Bund erhält.
Eine Bundesregierung kann somit auch nicht die Bundesbank zwingen, Teile ihres Goldes für die Schuldendeckung zu nutzen. „Es ist gut, dass die Politik die Bundesbank nicht dazu zwingen kann, Goldbestände zu verkaufen, um Schulden oder Ausgaben des Bundes zu finanzieren“, meint der Vizechef des Steuerzahlerbundes. Sonst bestünde latent die Gefahr, dass Gewinne durch Goldverkäufe dazu genutzt würden, um Löcher im Bundeshaushalt oder neue Schuldenprogramme zu finanzieren.
Auch interessant
„Die Bundesbank würde damit zum Selbstbedienungsladen der Politik“, warnte Jäger. So müsse der Bund seine Ausgaben über den laufenden Haushalt finanzieren. Und daran sollte sich auch nichts ändern. „Die Politik sollte auch in Zukunft keine Möglichkeiten bekommen, direkten Einfluss auf die Bundesbank-Entscheidungen zu nehmen.“
Kernaufgabe der Bundesbank ist es, für Preisstabilität zu sorgen und den Wert des Euro zu sichern. „Gold ist und bleibt dabei eine wichtige Währungsreserve für Deutschland“, hebt Jäger hervor. „Die Goldbestände sind sozusagen eine eiserne Reserve für Deutschland – und eine eiserne Reserve gibt man nicht einfach auf.“




