Das Feilschen um die Finanzierung des Deutschlandtickets im Nahverkehr geht in die nächste Runde. Am Donnerstag treffen sich die Verkehrsminister der Länder zu einer Sonderkonferenz in München. Dort werden sie die künftige Preisgestaltung beraten und womöglich eine Preiserhöhung im kommenden Jahr ins Auge fassen. Das mit 49 Euro pro Monat gestartete Einheitsticket für den gesamten Nahverkehr in Deutschland kostet seit Jahresanfang 58 Euro. Berechnungen der Länder zufolge muss der Preis im kommenden Jahr auf bis zu 64 Euro angehoben werden.
Ein entscheidender Mitspieler wird nicht am Konferenztisch sitzen. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) bleibt wegen der Haushaltsberatungen im Bundestag in Berlin. Bund und Länder bezahlen den Verkehrsunternehmen bisher je 1,5 Milliarden Euro für die Einnahmeausfälle durch das D-Ticket. Sie kommen zustande, weil das Abo für viele Pendler deutlich preisgünstiger als der ursprüngliche Tarif ist. Doch die drei Milliarden Euro im Jahr reichen nach Angaben der Länder bei weitem nicht mehr aus.
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Deutschlandticket: Union und SPD wollen Preis eigentlich bis 2029 stabil halten
Auf der anderen Seite hat die schwarz-rote Koalition zwar den Fortbestand des D-Tickets zugesagt. Bei die Finanzierung blieben die Koalitionäre jedoch vage. In diesem Jahr ist sie gesichert. Und auch 2026 will der Bund wieder 1,5 Milliarden Euro zuschießen. Vereinbart haben Union und SPD auch, dass der Preis von 58 Euro bis zum Jahr 2029 stabil bleiben soll. Anschließend könne er moderat steigen.
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) wirft der Bundesregierung Wortbruch vor. „Es ist das Gegenteil von verantwortungsvoller Politik, erst Preisstabilität zu versprechen und sich dann, wenn es konkret wird, aus dem Staub zu machen“, kritisiert er. Der Bund müsse die Finanzierungslücke schließen. Stattdessen schiebe er das Problem auf die Länder an, die mehr zahlen und die Preise erhöhen sollen. Auch Brandenburgs Verkehrsminister Detlef Tabbert fordert stabile Preise. „Solche Debatten verunsichern die Fahrgäste und gefährden den Erfolg dieses Tickets“, kritisiert der BSW-Politiker.

Fahrgastverband zeigt sich empört
Empört zeigt sich der Fahrgastverband Pro Bahn. Die letzte Erhöhung habe gezeigt, dass die erhofften Mehreinnahmen durch abspringende Kunden wieder verloren gehen. „Diese Preisspirale muss endlich durchbrochen werden und es muss eine Vision nach vorn geben“, fordert Verbands-Vize Lukas Iffländer. Mit den Verkehrsbetrieben gehen die Kundenvertreter hart ins Gericht. Die Verkehrsunternehmen müssten erst einmal ihre Einsparmöglichkeiten nutzen. Es gebe einen „gigantischen Wasserkopf mit zahlreichen Doppelstrukturen“.
Auch könnten die Unternehmen mit etwas Kreativität zusätzliche Einnahmen erzielen, etwa durch bundesweite Angebote zur Mitnahme von Kindern, Fahrrädern oder Hunden. In anderen Bereichen mobilisiere der Bund deutlich größere Beträge. „Die politische Priorität des öffentlichen Verkehrs zeigt sich daran, ob das Deutschlandticket künftig ausreichend finanziert wird oder die Bürger mit Preiserhöhungen abgeschreckt werden“, so Iffländer.
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Auch die Länder sind sich uneins
Der Sozialverband Deutschland (SoVD) forderte gegenüber unserer Redaktion eine langfristige finanzielle Sicherheit für das Ticket. „Die Finanzierungsdebatte zum Deutschlandticket muss nun dringend überwunden werden“, sagte SoVD-Vorstandschefin Michaela Engelmeier. Sie plädierte für „umfassende Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr und ein begleitendes, bundesweit gültiges Sozialticket“. Nur so entfalte das Deutschlandticket seine enormen Potentiale für eine zukunftsfähige, klimafreundliche und sozial gerechte Mobilität.
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Auch unter den Ländern herrscht nur bedingt Einigkeit. Insbesondere Bayern kritisiert das D-Ticket immer wieder. Im Zentrum der Diskussionen steht hier der Verteilungsschlüssel für die Zuschüsse. Schon die zurückliegende Preisanpassung kam erst nach zähen Verhandlungen zustande. Die Anhebung hatte auch etliche Kündigungen zur Folge. Doch mit mehr als 13 Millionen Kunden ist der Einheitsfahrschein immer noch eine Erfolgsgeschichte.



