Die neue Bahnchefin Evelyn Palla drückt beim Umbau des Konzerns auf das Gaspedal. Im Dezember will sie ein Konzept für die zukünftige Struktur der Deutschen Bahn fertigstellen. „2026 wird das Jahr des großen Umbaus sein“, kündigt sie an. Der Kernpunkt des neuen Kurses steht bereits fest. Palla will Verantwortung aus der Konzernzentrale an die Regionen übertragen, die für die jeweiligen Aufgaben zuständig sind. Was dies konkret bedeuten kann, hatte sie als Chefin des Nahverkehrs bereits vorgemacht. Statt Instandhaltungswerke wie früher zentral zu steuern, übernehmen die Werke selbst die Entscheidung, wie sie Züge zuverlässig bereitstellen.

Das Management im Bahntower wird dadurch teilweise überflüssig. Palla will das Personal dort „signifikant reduzieren“, ohne eine konkrete Zahl zu nennen. Derzeit zählen rund 3500 Beschäftigte zur Konzernleitung. „Ein disruptiver Umbau ist unerlässlich“, begründet Palla den anstehenden radikalen Schnitt. So wird auch die Menge der Kennzahlen, an denen der Erfolg gemessen wird, auf das Wesentliche zusammengestutzt. Auch hier dient DB Regio als Vorbild. Dort liegt der Fokus vorrangig auf dem Gewinn und der Zahl der Zugausfälle. 

Gibt es ab 2027 endlich weniger ungeplante Baustellen?

Derzeit arbeitet Palla zufolge ein kleines Team aus der Praxis des Bahngeschäfts an dem neuen Konzept. Auch wenn sie, wie sie selbst sagt, „den Konzern vom Kopf auf die Füße stellen“ will, bleibt manches auch beim Alten. So hält die Bahnchefin an den Generalsanierungen der wichtigsten Netzkorridore fest, um die marode Infrastruktur zu sanieren.

Auch die so genannten Baucontainer, eine frühe Festlegung von Zeiten für Bauarbeiten, will sie wie geplant einführen. Damit könnte ab 2027 die Zahl der unplanmäßigen Baustellen deutlich verringert werden. „Das ist ein großer Hebel, um zu mehr Pünktlichkeit zu kommen“, sagt sie.

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DB-Chefin Palla: „Bahn ist ein großer Tanker“

Vom aktuellen Sanierungsprogramm S3 bleiben wohl nur die drei Ziele erhalten: pünktlichere Züge, ein wirtschaftlicher Betrieb und eine funktionierende Infrastruktur. Von Sanierung mag Palla in diesem Zusammenhang ungern sprechen. Sie will mit der Bezeichnung Modernisierung lieber einen positiven Blick nach vorne werfen. Klar macht Palla auch, dass der Kurswechsel Zeit braucht. Die Bahn sei „ein großer Tanker, das geht nicht von heute auf morgen“.

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Auch den Kunden der Bahn soll die Aufbruchstimmung schnell vermittelt werden, auch wenn ein zuverlässiger Verkehr wohl noch lange auf sich warten lässt. Mit den vom Bundesverkehrsministerium verlangten Sofortprogrammen will sie die Qualität an den Bahnhöfen und in den Zügen verbessern. Konkret geht es um mehr Sicherheit an den Stationen, etwa durch eine zusätzliche Überwachung mit Kameras. Auch sollen die Bahnhöfe und Züge bald sauberer sein. Schließlich steht auch die bessere Information der Reisenden im Aufgabenheft der Bahnchefin. Dafür wird der DB Navigator weitere Informationen bereitstellen, etwa über Baustellen, damit Reisen besser geplant werden können. 

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Erst DB Regio, dann DB Cargo: Die Konzernspitze wird komplett umgebaut

Der Umbau der Konzernspitze ist längst in vollem Gange. Zwei Vorstandsposten wurden ganz gestrichen, der vakante Job des Finanzvorstands wird voraussichtlich neu mit der Managerin Karin Dohm besetzt. Pallas alten Job als Chefin von DB Regio soll Harmen van Zijderveld übernehmen, der dort schon im Vorstand sitzt. Eine weitere Vakanz zeichnet sich bei DB Cargo ab. Vermutlich wird der Bahn-Aufsichtsrat die bisherige Vorstandsvorsitzende Sigrid Nikutta auf einer Sondersitzung am 30. Oktober mangels eines Erfolg versprechenden Sanierungskonzepts für den defizitären Güterverkehr ablösen.