Der Börsengang vor sechs Jahren war eigentlich so ziemlich das Beste, das BeyondMeat an der Börse je hinbekommen hatte: 215 Millionen Euro sammelte das Unternehmen zum Börsenstart im Jahr 2019 ein, war auf Anhieb rund 1,3 Milliarden Euro wert. In der Folge vervierfachte sich der Wert, die Aktie kostete im Hoch mehr als 200 Euro. Doch seitdem ging es steil bergab: Die vergangenen Jahre waren geprägt von mauen Umsätzen, schlechten Nachrichten und Entlassungen.

Allein im zweiten Quartal dieses Jahres stand ein Rückgang der Verkaufszahlen um 19,6 Prozent zu Buche, im dritten Quartal waren es rund 13 Prozent weniger. Schulden drücken. Gerade einmal 60 Cent kostete die Aktie des an der US-Technologiebörse NASDAQ gelisteten Herstellers veganer Fleischersatzprodukte Mitte Oktober noch. Dann wendete sich das Blatt plötzlich und gründlich: ein Deal mit dem US-Händler Walmart ließ aufhorchen. Auf Social-Media-Plattformen wie „Reddit“ trendete das bislang eher um seine Existenz ringende Unternehmen quasi aus dem Nichts. „Make $BYND great again“, lautete der Kampfruf der Reddit-Gemeinde in Foren wie r/wallstreetbets. Auf der Plattform X sammeln sich Investoren unter dem Hashtag „$BYND“.

Beyond Burger von Beyond Meat
Für BeyondMeat läuft es alles andere als rund. Trotzdem schossen die Aktien zeitweise in die Höhe. Wie kann das sein?© picture alliance / FotoMedienService | Ulrich Zillmann

Die Aktien schossen innerhalb weniger Tage sagenhaft in die Höhe: An einem Montag im Oktober zunächst um 127,7 Prozent, am darauffolgenden Dienstag um 146 Prozent. Auf dem Höhepunkt der Rallye am 23. Oktober kosteten die Papiere 7,69 US-Dollar – ein Plus von knapp 1.200 Prozent. Wenige Tage später hatten sich allerdings zwei Drittel der Zugewinne in Luft aufgelöst. Mittlerweile dümpelt die Aktie wieder bei etwas mehr als 80 Cent herum.

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BeyondMeat, Gamestopp und Co.: Wenn Kleinanleger Aktien in die Höhe treiben

Die kurze aber heftige Aufregung um BeyondMeat gilt als jüngstes und typisches Beispiel für ein Phänomen, das Börsianer „Meme-Stock-Hype“ nennen. Dabei werden Aktien nicht wegen solider Unternehmensdaten massenhaft gekauft, sondern durch Hysterie im Internet und in sozialen Medien nach oben getragen. Oft sind es Marken mit klangvollem Namen und einem Nutzenversprechen, das sich emotional aufladen lässt. Wegen der eher trüben Geschäftsaussichten setzen Hedgefonds auf fallende Kurse.

Als Startpunkt der Bewegung gilt das Jahr 2021, als Kleinanleger in den USA koordiniert Spekulanten auflaufen ließen. Von Flashmob-Investments sprechen Börsianer. Kurse explodieren ohne ersichtlichen Grund, wenn sich die Community auf einschlägigen Plattformen gegenseitig aufstachelt. Paradebeispiel ist der Gaming-Filialist „GameStop“. Über Reddit-Threads wurden Kaufempfehlungen und Strategien geteilt. Das Ergebnis: Kursentwicklungen, die niemand für möglich gehalten hätte. Kleinanleger würden zur treibenden Kraft, sagt Arne Rautenberg, Leiter Portfoliomanagement Aktien bei Union Investment. Die GameStop-Story inspirierte inzwischen sogar Netflix.

Gamestop Retailer Store In Cologne
Netflix verfilmte den Hype um GameStop unter dem Titel: „Eat the Rich: The GameStop-Saga“ (“Iss die Reichen: die GameStop-Saga“)© picture alliance / NurPhoto | Ying Tang

Meme-Aktien: Den Kurs in die Höhe schießen, um Investoren vor sich her zu treiben

Bedeutsam würden Faktoren, die mit den reinen Unternehmensdaten oft wenig zu tun haben, erklärt Thomas Seufert, Handelsexperte an der Börse Stuttgart: Gemeinsam hätten diese Unternehmen oft, dass sich eine breite Masse mit ihnen identifizieren könne. Als Beispiel nennt er die spätestens seit der Corona-Pandemie strauchelnde Kinokette AMC, die von der Internetgemeinde aus Nostalgiegründen viel Unterstützung erfuhr.

„Im Fall BeyondMeat hatten professionelle Anleger bei deutlich über 50 Prozent der ausgegebenen Aktien auf einen sinkenden Kurs gesetzt“ sagt Seufert. Das Unternehmen wurde aufgenommen in einen „Meme Stock ETF“. Als der Kurs in die Höhe schoss, waren die so genannten Short-Seller gezwungen, den Schaden zu begrenzen und ebenfalls zu kaufen. Man spricht von einem „Short Squeeze”.

Auch in Deutschland gab es berühmte Short Squeezes

Das Phänomen an sich ist nicht neu, auch in Deutschland nicht. Der berühmteste deutsche Short Squeeze ereignete sich im August 2008, als Porsche Volkswagen schlucken wollte. Binnen zwei Tagen stieg der Aktienkurs von VW um mehr als das Vierfache auf über 1.000 Euro und machte das Unternehmen kurzzeitig zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Das Vorhaben von Porsche scheiterte spektakulär, vier Jahre später wurde Porsche vollständig von Volkswagen gekauft.

Als weiteres Beispiel gilt der Ellwanger Batteriehersteller Varta, der 2023 einer hohen Präsenz in Internet-Foren ein stürmisches Auf- und ab verdankte – trotz eigentlich schwacher Zahlen.

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BeyondMeat: Ist der Meme-Stock-Hype zurück?

Spätestens seit dem Hype um BeyondMeat ist die Börsenwelt davon überzeugt, dass Meme-Stocks zurück sind – nicht nur in den USA. „Auch in Europa entstehen eigene Bewegungen“, ist Seufert überzeugt. Deutsche Anleger entdeckten zunehmend Aktien, die in Onlineforen heiß diskutiert werden. „Immer mehr Privatanleger nutzen soziale Netzwerke, um sich abzustimmen und gezielt Druck auf Short-Positionen großer Investoren aufzubauen“.

Doch in den hochspekulativen Investments lauert Gefahr: Impulsive Investitions-Entscheidungen, künstlich getriebene Kursbewegungen, Zockerei mit eigentlich wertlosen Aktien. Kennzeichen und größte Bedrohung des seltsamen Trends ist die extreme Volatilität: hohe Kursgewinne sind ebenso wahrscheinlich wie ihr Gegenteil. Wer zu spät ein- oder aussteigt, zahlt drauf. Man müsse raus, „bevor alle durch dieselbe Tür wollen“, sagt Rautenberg.

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„Höchst riskant“: Experten warnen vor Meme-Aktien

Verbraucherschützer warnen vor Meme-Stocks: Sie seien intransparent und potenziell verlustreich – besonders für unerfahrene Privatanleger. Die Stiftung Warentest und die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) sprechen vom „FOMO-Effekt“. Die Abkürzung steht für „Fear of Missing Out“, also der Furcht, außen vor gelassen zu werden. Vor allem Notgroschen solle niemand in solche Titel investieren. Meme-Stocks, warnen Marktexperten, gerieten zum Symptom einer emotionalisierten Finanzkultur.

„Sein Depot nach kurzfristigen Trends auf Social Media auszurichten, ist höchst riskant, da man davon ausgehen kann, dass solche Aktien in der Regel nur sehr kurz steigen und dann wieder tief fallen“, warnt Seufert. Das Internet gerate zum Brandbeschleuniger, weil sich hier schnell, einfach und so gut wie anonym eine große Anzahl von Personen zum Kauf verabreden könne.