Mit Turnschuhen und ohne Bergführer über den Gletscher, ohne Ausrüstung und Erfahrung in hochalpines Terrain oder mit völlig unpassender Kleidung zur Bergtour: Immer wieder müssen Urlauber vom Berg gerettet werden, weil sie sich in Gefahr gebracht haben. 1243 Mitglieder des Deutschen Alpenvereins (DAV) mussten laut der jüngsten Bergunfallstatistik aus dem Jahr 2022 gerettet werden – und längst nicht alle, die zu Bergtouren aufbrechen, sind Mitglied im Alpenverein.

Mit Sorge betrachtet Krystian Pracz die aktuelle Entwicklung. „Ich selbst bin viel in den Bergen unterwegs, im Winter wie im Sommer, und kann das mit meiner eigenen Vorbereitung nicht in Einklang bringen“, sagt der Chef der DRF Luftrettung im Gespräch mit dieser Redaktion. Die DRF Luftrettung ist nach der ADAC-Luftrettung die bundesweit zweitgrößte nicht-kommerzielle Luftrettungsorganisation. Immer häufiger müssten auch die rot-weißen Hubschrauber der DRF ausrücken, um Menschen vom Berg zu retten. „Leute begeben sich ohne Erfahrung in hochalpines Gelände, klettern teilweise über Gletscher und unterschätzen die Natur komplett“, beklagte Pracz.

Bergnot: Luftrettungs-Chef hält nichts von schweren Einstiegen bei Klettersteigen

Was aber kann helfen, um in Zeiten des boomenden Bergsports dem Leichtsinn zuvorzukommen? Der DRF-Luftrettungschef macht einen Vorschlag: „Die Menschen sollten die Verantwortung für ihr fahrlässiges Handeln im Gebirge selbst übernehmen – auch finanziell“, sagte Pracz. Bisher ist das nur bedingt der Fall. Wer Mitglied im Alpenverein ist, könne durch den Versicherungsschutz in der Regel gerettet werden, ohne finanziell belastet zu werden, so Pracz. Tatsächlich erstattet der DAV je nach Tarif bis zu 50.000 Euro für Rettungs- und Bergungseinsätze.

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Damit es erst gar nicht zu einer Rettungsaktion kommt, greifen manche Gemeinden zu eigenen Maßnahmen und erschweren beispielsweise die Einstiege in Klettersteige oder in schwierige Bergrouten. Eine Idee, der Pracz wenig abgewinnen kann. „Davon halte ich gar nichts. Wer schlecht vorbereitet ist, wird sich dadurch nicht abhalten lassen“, meint der Luftrettungs-Chef. Wichtiger sei stattdessen, die Bergsteiger für ihre eigene Verantwortung zu sensibilisieren. „Heute ist die persönliche Verantwortung oft zu gering, und viele handeln fahrlässig, obwohl sie es besser wissen müssten. Einstiege künstlich zu erschweren löst das Problem nicht“, findet Pracz.

DRF Luftrettung - Krystian Pracz
Krystian Pracz ist Vorstandsvorsitzender der DRF Luftrettung.© picture alliance/dpa | Daniel Karmann

Nicht immer gehen die Rettungseinsätze glimpflich aus. 2022 starben laut der Bergunfallstatistik 35 DAV-Mitglieder in den Bergen. Im Vor-Corona-Jahr 2019 verloren demnach 54 Mitglieder beim Bergsport ihr Leben, davor habe die Zahl zwischen 30 und 44 Toten pro Jahr geschwankt.