Die TLZ hatte Grund zum Jubeln: Am 8. Februar 2007 hieß die Schlagzeile: „Weimar gewinnt den Theater-Kampf“.

Proteste von zehntausenden TLZ-Leserinnen und Lesern in der gesamten Region hatten Erfolg. Ministerpräsident Dieter Althaus sprach ein Machtwort, stoppte die Pläne seines Kultusministers und gestand in einem von der TLZ am Vortag initiierten Gespräch mit dem Generalintendanten des DNT, Stephan Märki, und dem Vorsitzenden des DNT-Stiftungsbeirats, Volkhard Knigge, zu, dass das DNT ebenso eigenständig bleiben sollte wie die Erfurter Oper. Sein Kultusminister Jens Goebel musste von den Fusionsplänen Abstand nehmen, die vor allem ein Herausbrechen des Weimarer Musiktheaters vorgesehen hatten. Beschlossen wurde lediglich eine gemeinsame Verwaltungs-Holding. Diese sollte – so Althaus in dem Gespräch – lediglich der Einstieg in weitere Synergieeffekte sein. Weitere Fusionsverhandlungen legte er zu den Akten.

Ministerpräsident stoppt Fusionspläne für Theater und Orchester

Bereits einige Monate zuvor, Ende Oktober 2006, hatte der CDU-Ministerpräsident den von Minister Goebel geplanten Kultur-Kahlschlag bis zur endgültigen Lösung im Februar auf Eis gelegt. In einem TLZ-Interview kassierte der Regierungschef das Thema Theater-Fusionen.

Es war der zweite Theaterkampf, den vor allem Weimar um sein DNT führen musste, nachdem 2002 bereits schon einmal Fusionspläne mit dem Erfurter Haus durch den massiven Widerstand der Weimarer Kulturbürger gescheitert waren. Goebels Plan sah vor, acht Theater und Orchester landesweit zu zerschlagen.

DNT Weimar
DNT ist Teil der Weimarer Identität heißt es auf diesem Banner vor dem Goethe-Schiller-Denkmal; im Hintergrund: das Deutsche Nationaltheater.© Peter Michaelis / TLZ-Archiv | Peter Michaelis / TLZ-Archiv

Den Weg zu dem von Althaus verordneten Stopp der Pläne hatte zuvor Volkhard Knigge geebnet, der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald. Ebenfalls im TLZ-Interview. Er hatte gemahnt, die Bürgerinnen und Bürger, die sich in der ganzen Diskussion so vehement mit Demonstrationen, Diskussionsveranstaltungen und viel Bürgersinn zu Wort gemeldet hatten, nicht außen vor zu lassen und die Kulturdiskussion so noch einmal neu aufzuzäumen. Diese Brücke betrat Althaus dann auch in dem TLZ-Interview. „Es darf nicht der Eindruck entstehen – und wenn er entstanden ist, dann ist er falsch – dass da das Land etwas über die Köpfe hinweg entscheiden würde.“

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Allerdings hatte es einige Monate gedauert, bis der Regierungschef sein Machtwort sprach. In der Zwischenzeit hatten die Kulturschaffenden und die Kulturbürger breiten Protest organisiert – und sie zeigten damit ihren Stolz auf ihre Theater, ihre Opernhäuser und ihre Orchester. Und immer ganz vorne bei der Organisation des bürgerschaftlichen Engagements mit dabei war die TLZ mit dem damaligen Chefredakteur Hans Hoffmeister.

Stephan Märki und Hans Hoffmeister
10 Jahre Theaterkampf:   TLZ-Chefredakteur Hans Hoffmeister und DNT-Generalintendant Stephan Märki danken den Mitstreitern, die längst nicht nur aus Weimarer Kulturbürgerkreisen stammten.© Peter Michaelis / TLZ-Archiv | Peter Michaelis / TLZ-Archiv

In zahlreichen Kommentaren und Berichten gab die TLZ dem Widerstand gegen den Theater-Kahlschlag seit dem ersten Bekanntwerden der Goebel’schen Pläne ein Forum – und griff auch wieder auf die mehrfach bewährte Form des Coupons zurück, mit dem man allein durch seine Unterschrift dokumentieren konnte: „Ich bin gegen die Zerschlagung des DNT!“ Die Unterschriftenlisten lagen in zahlreichen Geschäften und auch Arztpraxen aus – und die Protestkarte, die den weitesten Weg zurückgelegt hatte, kam aus Kanada.

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