Im Jahr 1792 rumorte es bereits schon eine Weile innerhalb der Jenaer Studentenschaft. Der Grund dafür war unter anderem die immer öfter von einer kleinen Gruppe rund um den Privatgelehrten Heinrich Stephani vorgetragene Forderung nach Schaffung eines Ehrgerichts. Im Kern sollte dieses die Streitigkeiten unter den Studiosi auf friedliche Art und Weise lösen, wobei man sich unter anderem auf die ethischen Prinzipien des Philosophen Immanuel Kant berief. Bisher bestand aufgrund des studentischen Ehrbegriffs die Pflicht zur Satisfaktion, sodass die verletzte Ehre nur durch persönliche Duelle wiederhergestellt werden konnte, die nicht selten tödlich endeten. Freilich war auch in Jena das Duellieren verboten, doch wurde dies immer wieder ignoriert.

„Schokoladisten“-Streit eskaliert: Studenten stürmen Prorektorhaus

Zunächst stieß die Antiduell-Bewegung weniger wegen ihres Anliegens bei den Studenten auf Ablehnung, als vielmehr wegen der strengen Rahmenbedingung, die es zu beachten galt. Demnach sollte jede Ehrverletzung mit einer „Abbitte“, schlimmer noch mit der Relegation, also dem Verweis von der Universität gesühnt werden. Folglich wurde jenen Studenten, die diese Art des Ausgleichs bevorzugten, von ihren Gegnern unterstellt, dass sie „alle Streitigkeiten bei einer Tasse Chocoladen schlichten“ würden. Die Bezeichnung „Schokoladisten“ war geboren.

Studenten protestieren radikal gegen Antiduell-Bewegung

Den Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen den Jenaer Studenten und den Anhängern der Antiduell-Bewegung fand im Juni/Juli 1792 statt. Letztere hatten durch Eingaben bei der Jenaer Universität und bei der Regierung in Weimar weiterhin die Einrichtung eines Ehrgerichts gefordert und scheuten nicht davor zurück, illegale Duelle anzuzeigen. So kam es, dass aufgrund des „Schokoladisten“ Cyriakus Polizio fünf Kommilitonen durch den Prorektor Johann August Heinrich Ulrich, der gleichfalls mit den „Schokoladisten“ sympathisierte, von der Universität verwiesen wurden. Allerdings war Polizio eine zwielichtige Gestalt, die bereits durch Denunziationen und einen ausschweifenden Lebenswandel innerhalb der Studentenschaft negativ aufgefallen war. Am 10. Juni 1792 gellte der Ruf „Pereant die Chocoladisten!“ (frei übersetzt: „Die Chocoladisten mögen untergehen!“) über den Jenaer Marktplatz. Von den dort zu einer Feier versammelten 600 Studenten liefen etwa 70 bis 80 zum Gartenhaus des Prorektors, schlugen die Scheiben ein, zerstörten die Inneneinrichtung und verwüsteten den Garten.

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Anschließend zogen die Wütenden zur Wohnung Polizios, der sich im Kleiderschrank versteckte. Als die Angreifer mit Degen in den Schrank stachen, wurde er mehrfach verletzt und stürzte sich aus dem Fenster des ersten Stocks, um sein Leben zu retten. Auf der Gasse erwarteten ihn bereits die Anderen, trieben ihn anschießend nackt durch die Straßen und zwangen Polizio, einen Eid abzulegen, keinen der Beteiligten zu verraten.

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Da sich die Lage nicht beruhigte, schickte die Weimarer Regierung Mitte Juli Truppen nach Jena, was wiederum den Unmut der Studentenschaft beschwor. Es kam zum Showdown auf dem Jenaer Marktplatz, der glücklicherweise unblutig endete. Anschließend zog der größte Teil der Jenaer Studentenschaft aus der Stadt bis nach Nohra. Bei den darauffolgenden Verhandlungen konnten die Studenten sich durchsetzen, das Militär zog ab und sie kehrten nach Jena zurück.