Albrecht Dürer gehörte zu den bekanntesten Malern der Renaissance, der zahlreiche Persönlichkeiten seiner Zeit portraitierte und etliche Bilder mit Landschafts- und Naturmotiven lieferte. Nicht zuletzt sind von ihm zahlreiche Werke mit religiösen und biblischen Motiven geschaffen worden. Auch in der Jenaer Michaeliskirche hingen einstmals zwei große Gemälde des Meisters aus Nürnberg. Doch wo sind die Gemälde geblieben?

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Einer der frühen Jenaer Chronisten, der Archidiakon Adrian Beier, notierte 1680, ein „Bürger in Jena namens Leubel“ habe diese Bilder bei Dürer direkt in Auftrag gegeben. Die Gründe hierfür waren „besondere Ehrfurcht vor den heiligen Geschichten“ und „eheliche Sehnsucht nach seiner Gattin“, die zum Zeitpunkt der Stiftung bereits verstorben war. Sehr wahrscheinlich hat der Nürnberger Maler die Bilder vor seiner Reise in die Niederlande (1520) fertiggestellt und an die Saale geschickt, da Beier berichtet, dass die Gemälde ab 1520 an der Südwand der Stadtkirche hingen.
Es muss sich um ein monumentales Werk gehandelt haben. Das beweist die Tatsache, dass jede Tafel in je 18 Felder unterteilt war, die alle unterschiedliche Personen, Szenen und Motive zeigten. Hierbei malte Dürer durchweg biblische Geschichten, mit zwei Ausnahmen. Auf der ersten Tafel begann er mit der Schöpfung, Adam und Eva, deren Sündenfall, um sich dann unmittelbar Maria und der Geburt Jesu zuzuwenden. Anschließend befasste er sich mit dessen Kindheit und Jugend, seinem Wirken bis hin zum letzten Abendmahl. Die zweite Tafel konzentrierte sich überwiegend auf jene Geschehnisse vor Jesu Kreuzigung, wobei Dürer auch die Auferstehung und das Jüngste Gericht zeigte. Die angesprochene Ausnahme bilden zwei Felder, auf denen zum einen der Stifter der Gemälde und zum anderen dessen verstorbene Frau zu sehen sind. Erster wird als bartloser, weißhaariger Mann dargestellt, seine Frau hingegen in einem Trauergewand.
Der bekannte Jenaer Historiker Herbert Koch recherchierte, dass es sich bei dem Stifter nur um den ursprünglich aus Leipzig stammenden und für die damalige Zeit äußerst wohlhabenden Martin Leubel handeln kann. 1493 wird sein Name erstmals in Bezug auf die Saalestadt genannt. Der Stifter, so Koch weiter, habe sich über die Jahre an der Saale ein „Riesenvermögen“ erarbeitet, unter anderem besaß er mehrere Häuser am Markt. Dank dieses Reichtums war es überhaupt möglich, den damals bereits bekannten Dürer für die Werke zu gewinnen. Und wo sind diese nun geblieben? Als die Jenaer Stadtkirche 1659/60 renoviert und baulich verändert wurde – man ließ zwei Emporen für die Bürgerschaft errichten –, wurden die Bilder abgenommen und sind seitdem verschwunden. Was heute beinahe unglaublich klingt, scheint allerdings die bittere Realität zu sein, denn bereits 1670 wusste der besagte Adrian Beier nicht, was mit den Gemälden geschehen war. Hätten die Bilder bis heute überlebt, so wären sie wohl die einzigen dieser Art, die Dürer je geschaffen hatte, so schlussfolgerte jedenfalls Herbert Koch.






