Ein Auto im Studio, drumherum Verkehrsschilder, eine Bushaltestelle, Reifen und ein Spieleteppich mit Straßen. Dann geht der Alarm los: Jan Fleischhauer und Katja Diehl sind eingeschlossen, die Türen lassen sich nicht öffnen, Kontakt nach draußen gibt es nicht. Das ZDF nennt es „Keine Talkshow“. Es ist eher ein Versuch, die Mobilitätsdebatte so lange festzunageln, bis sie endlich etwas hergibt, das über die üblichen Gräben hinausführt.

Fleischhauer setzt gleich am Anfang den Rahmen: „Das Auto ist die Basis unseres Wohlstands – oder zumindest eine ganz wesentliche Basis unseres Wohlstands.“ Diehl stellt ihre Gegenposition in einem Satz auf, der weniger nach Verbot als nach Umbau klingt: „Wir haben so viele großartige Köpfe in der Autoindustrie. Es kann doch nicht sein, dass sie nur den Verbrenner und nur den privaten Pkw bauen.“

Diehl beschreibt sich als jemand, der Mobilität nicht abschaffen, sondern gerecht organisieren will: „Dass alle Menschen selbstbestimmt mobil sein können – ob mit Auto oder ohne.“ Fleischhauer sagt, wo er die größte Gefahr sieht: Er habe „die Wohlstandsverluste viel klarer im Blick“ – und er warnt davor, das Auto „permanent schlechtzureden“. Diehl setzt den Alltagsvergleich dagegen: „Das, was man Menschen zumutet, die Rad oder Bahn fahren wollen, würde man Autofahrern in Deutschland niemals zumuten.“ Diehl argumentiert über Wahlfreiheit und Kosten, Fleischhauer über wirtschaftliche Folgen und Verlässlichkeit.

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„Autogesellschaft“ Deutschland? Katja Diehl nennt das „Schummelei“

Als Fleischhauer sagt: „Diese Gesellschaft ist nun mal eine Autogesellschaft. Ob es uns gefällt oder nicht“, hält Diehl dagegen: „Das ist Schummelei.“ Sie begründet das nicht moralisch, sondern historisch: Das Auto habe sich nicht ohne „massive Subventionen“ durchgesetzt, und nicht ohne Autobahnbau „lange bevor Autos überhaupt verbreitet waren“. Dazu passt ihr Bullshit-Bingo: Es ist ein Requisit – aber es markiert auch, wie häufig diese Debatten immer wieder mit denselben Schlagworten laufen.

Fleischhauer wird am konkretesten, als er Arbeitsplätze aufruft. Er nennt die Abbauzahlen einzelner Unternehmen und sagt: „Da wird den Leuten Angst und bange.“ Es ist sein stärkster Beleg dafür, warum er beim Auto nicht nur über Emotionen spricht, sondern über ein wirtschaftliches Fundament. 

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Warum Jan Fleischhauer nicht an das „Grüne Jobwunder“ glaubt

Diehl dreht den Spieß um: Sie fragt, ob Fleischhauer mit „höherem Management“ gesprochen habe oder „mit den Männern am Band“. Sie berichtet von Gesprächen mit Beschäftigten, die sagen: „Wir können auch andere Dinge bauen … wir können auch Dinge für Mobilität bauen.“ Fleischhauer kontert nicht mit einem Gegenbeispiel, sondern mit einem Grundzweifel: Das klinge für ihn wie das jahrelang versprochene „grüne Jobwunder“. „Ich höre die Klänge wohl, nur ich glaube nicht dran.“

Als die beiden sich ins Auto im Studio setzen, setzt Fleischhauer weiter auf Zuspitzung: 220.000 Euro für einen Elektro-Porsche mit einem Motor, „den man auch in der Waschmaschine einbauen könnte“. Das sei doch ein bisschen viel, meint Diehl. Ein Neuwagen liege im Schnitt bei „44.000 €“. Für sie ist das Auto „ein Gebrauchsgegenstand“ – im ländlichen Raum sogar „ein Zwang“.

Diehl sagt, die Gesellschaft habe ihren „Imaginationsmuskel“ verloren – und legt nahe, dass das auch für Fleischhauer gilt. Die Gegenwart sei „kaputt“ und funktioniere „für ganz viele Menschen“ nicht mehr. Wenn man ohnehin verändern müsse – auch wegen der Klimakrise –, dann solle es „besser werden für alle“.

Jan Fleischhauer meint: Politik ist wie Physik

Fleischhauer widerspricht fundamental. Er glaubt „null dran“, dass es „immer für alle besser wird“. Er setzt seine politische Grundregel dagegen: „Bei jeder politischen Maßnahme gibt es Gewinner und Verlierer.“ Und: „Das ist wie Physik.“

Der Alarm beendet die Diskussion. „Komm, wir gehen zusammen raus“, sagt Diehl. Fleischhauer geht mit, aber er setzt noch einmal einen Punkt: Viele Menschen hätten eine „tiefe emotionale Beziehung“ zum Auto; für sie sei es „mehr als ein Bewegungsmittel von A nach B“. 

Das Format sperrt zwei Menschen ein, aber es zwingt das Gespräch nicht in eine neue Richtung. Es bleibt ein sehr gut inszenierter Streit über bekannte Fragen – nur diesmal mit Alarmanlage.