Berlin. Ein Bluttest soll künftig die Diagnose vereinfachen, bevor Betroffene Symptome zeigen. Möglich macht dies ein Protein, das leuchtet.

Die Medizin steht bei der Diagnose einer Parkinson-Erkrankung womöglich vor einem Durchbruch. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) werden derzeit in mehreren Ländern die positiven Ergebnisse eines Bluttests validiert, mit dem die Erkrankung sicher nachgewiesen werden kann. Und das bereits lange bevor Betroffene typische Symptome zeigen.

„Wir werden mit großer Wahrscheinlichkeit in naher Zukunft dahinkommen, mit diesem Tests eine viel sicherere Aussage darüber treffen zu können, ob Menschen an Parkinson leiden. Und das schon in einer frühen Phase der Erkrankung“, sagte DGN-Vizepräsidentin Prof. Daniela Berg auf einem Kongress in Berlin. Der Test könne dazu beitragen, die Therapie zu verbessern und das Fortschreiten der Krankheit zu verlangsamen.

Bisher ist die Standarddiagnose von Parkinson klinisch. Das heißt, dass es noch keinen biologischen Test gibt, der ein schlüssiges Ergebnis liefert. Stattdessen müssen bestimmte körperliche Symptome vorliegen: Steifheit in Armen und Beinen etwa, verlangsamte Bewegungen, Gleichgewichtsstörungen oder Zittern.

Parkinson: Erste Anzeichen können Riech- oder Schlafstörungen sein

Der Untergang von Nervenzellen im Gehirn, der Parkinson auslöst, beginnt aber schon Jahre vor dem Auftreten dieser Symptome. Erste Anzeichen können Riech- oder Schlafstörungen sein, Ängste oder Depressionen. Dieses Frühstadium nennt sich Prodromalphase.

Der Bluttest zeigt nach Angaben der DGN bereits in dieser Phase belastbare Ergebnisse: „Jedes Organ in unserem Körper gibt kleine Abschnürungen bestimmter Organbestandteile ins Blut ab“, erklärt Daniela Berg. Beim Gehirn seien das sogenannte Nervenexosome.

Bei der Parkinson-Krankheit handelt sich um eine häufige neurologische Erkrankung.
Bei der Parkinson-Krankheit handelt sich um eine häufige neurologische Erkrankung. © Shutterstock / Naeblys | Naeblys

Im Falle einer Parkinson-Erkrankung enthielten diese Exosome ein fehlgefaltetes Eiweiß, das bei Zugabe eines fluoreszierenden Farbstoffes aufleuchte und sich so nachweisen lasse. Aktuell gelinge dies bereits in Gewebe und Nervenwasser, zukünftig dann auch im Blut. „Derzeit laufen dafür in verschiedenen Laboren auf der Welt Bestätigungstests“, sagte Berg.

Bluttest könnte die Therapie stark beeinflussen

Für die Therapie könnte ein einfacher Bluttest ein enormes Potenzial bedeuten, so Berg weiter. Zwar bliebe Parkinson weiter unheilbar. „Wenn wir aber früh wissen, dass Menschen erkrankt sind, können wir Medikamente einsetzen, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen“, sagt Berg.

Auch den Betroffenen biete dieser Test eine große Chance: „Sie könnten ihren Lebensstil anpassen, um den Verlauf der Krankheit positiv zu beeinflussen. Wir wissen, dass vieles dazu beitragen kann – körperliche Aktivität zum Beispiel, die richtig Ernährung oder auch ausreichend Schlaf“, so Berg.

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Allein deshalb sei eine frühe Diagnose im Sinne der Patientinnen und Patienten. „Wir wissen aus Studien, dass Menschen mehrheitlich von einer Diagnose ihrer Krankheit lieber nichts wissen wollen, wenn sie daran nichts verändern können“, sagt die Direktorin der Klinik für Neurologie in Kiel. Böte eine frühe Diagnose aber die Möglichkeit, selbst auf den Verlauf der Krankheit einzuwirken, wollten mehr als 80 Prozent davon erfahren.

Parkinson – bis zu 280.000 Betroffene in Deutschland

Bei der Parkinson-Krankheit handelt sich um eine häufige neurologische Erkrankung. Sie kommt nach Angaben der Deutschen Parkinson-Vereinigung (dPV) bei etwa einem Prozent der über 60-Jährigen in Deutschland vor. Die Zahl der Betroffenen wird hierzulande auf 240.000 bis 280.000 geschätzt.

Fehlgefaltete Eiweiße spielen bei der Entstehung von Parkinson eine Rolle..
Fehlgefaltete Eiweiße spielen bei der Entstehung von Parkinson eine Rolle.. © Shutterstock / Kateryna Kon | Kateryna Kon

Männer und Frauen sind etwa gleich häufig erkrankt. Meist treten die ersten Parkinson-Symptome im Alter zwischen 50 und 60 Jahren auf. Fünf bis zehn Prozent der Betroffenen allerdings sind jünger als 40.

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„Ausgangspunkt des Parkinson-Syndroms ist eine bestimmte Hirnregion, die sogenannte schwarze Substanz“, erklärt die Deutsche Gesellschaft für Parkinson und Bewegungsstörungen. Hier befänden sich spezielle Nervenzellen, die den Botenstoff Dopamin produzierten und mit ihm mit anderen Nervenzellen kommunizierten.

Tod von Nervenzellen fürht zum Dopaminmangel

Dopamin ist unter anderem wichtig für die Bewegungssteuerung. Durch die Parkinson-Erkrankung sterben immer mehr dieser Nervenzellen ab, es entwickeln sich ein Dopaminmangel und ein Ungleichgewicht der Nervenbotenstoffe im Gehirn, was zu den typischen Symptomen führt.

„Eindeutige Ursachen für das vorzeitige Absterben von Nervenzellen, die der Parkinson-Krankheit zugrunde liegen, konnten bis heute nur für die seltenen genetischen Formen identifiziert werden“, erklärt die dPV. In mehr als 90 Prozent aller Fälle werde die Erkrankung nicht direkt vererbt.

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Daneben spielten andere Ursachen eine Rolle: eine verstärkte Belastung durch Umweltgifte oder vielleicht sogar der Einfluss bestimmter Nährstoffe. Viele Forscher gehen mittlerweile davon aus, das verschiedene Ursachen und deren Kombination Parkinson verursachen können.