Die vom Silvesterbrand zerstörten Dächer der historischen Domplatz-Häuser werden wohl noch einige Wochen das Stadtbild des Platzes bestimmen. Die Ergebnisse der Gutachten zur Stabilität der Gebäude werden demnächst zeigen, wie es mit den geschichtsträchtigen Häusern weitergeht. Können sie saniert werden oder müssen sie abgerissen werden? Welche Bedeutung vor allem die Hausnummern 34 und 35 haben, wird derzeit von Bauhistorikern und Denkmalpflegern aufbereitet und nachrecherchiert.
Goethe besuchte die Weinhandlung am Domplatz

Kurz gefasst sind es ein ehemaliges Hotel und eine Weinhandlung, die beim Brand und durch die Löscharbeiten in der Neujahrsnacht zu Schaden gekommen sind. Doch geht die Historie natürlich viel tiefer: Das schwerer getroffene Eckhaus mit der Nummer 35 war bis in die 1950er Jahre ein Weinlokal. Daten aus dem Kellerkataster deuten darauf hin, dass hier schon im 16. Jahrhundert ein Vorgängerbau gestanden hat. „Die Weinhandlung Ramann war seit 1736 in dem Gebäude ansässig. Im Jahr 1806 ist ein Besuch von Goethe belegt“, weiß Uta Pappe von der Städtischen Denkmalbehörde nach Gesprächen mit einer Stadtführerin zu berichten.
Auch Friedrich Schiller hat in diesem Lokal Wein getrunken. Es sind sogar etwa 50 Briefe überliefert, die den freundschaftlichen Kontakt zwischen den Dichtern und dem Weinhändler im „Haus zum Güldenen Bocke“ ausweisen. „Drei Briefe haben wir in Kopie auch in unseren Akten“, so die Denkmalpflegerin.
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Gaststätte bis in die DDR-Zeit

Doch abgesehen von den Prominenten, die einst in dem Eckhaus weilten, ist Uta Pappe die Baugeschichte wichtig. So wurde das Gebäude um 1715 in die bis heute bekannte Form gebracht. „Es hat immer wieder Umbauten gegeben und auch ein Hinterhaus wurde verändert. Es war ein Haus der Gastwirtschaft, bis in die 1950er-Jahre gab es hier Lokale, zuletzt den Klosterkeller“. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab es sogar mal ein Schaufenster, das aber in den 1920er-Jahren wieder zurückgebaut wurde.
Auch der Schwedenkönig war zu Gast

Auch das Haus Domplatz 34 zeigt sich anhand der Akten im Denkmalamtsarchiv älter, als es von außen den Anschein macht. Hier sind die Gewölbekelleranlagen teils sogar bis ins 13. Jahrhundert datiert. „Ursprünglich standen hier zwei Häuser. Das Haus zum Propheten und das Haus zur Schwarzen Henne“, weiß Uta Pappe zu berichten. Im 18. Jahrhundert wurden die Gebäude zum „Thüringer Hof“ umgebaut, wie er bis heute zu sehen ist.

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Auch hier gab es einen prominenten Gast: Schwedenkönig Gustav-Adolf (1594 bis 1632) soll von seiner Bleibe in der Hohen Lilie einen abendlichen Besuch im Haus Nummer 34 gemacht haben. Dabei wurde er per Ritterschlag in die Zunft der Riemer aufgenommen, die dort gerade einen feuchtfröhlichen Abend genossen. Das Trinkgefäß des Schwedenkönigs von diesem Zusammentreffen ist heute übrigens als Exponat im Angermuseum zu sehen.
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Denkmalpflegerin zeigt sich hoffnungsvoll
Beide Häuser wurden mit großer Wahrscheinlichkeit während der französischen Belagerung an den Fassaden beschädigt. Bis ins frühe 19. Jahrhundert sind daher auch Erneuerungsarbeiten an den Fassaden belegt. Als Denkmale ausgewiesen, wurden die Gebäude im Jahr 1972. Zuletzt saniert wurden sie um 2000.
Selbst wenn alles mit Löschwasser getränkt war – die Balken und das konstruktive Gefüge sind bestimmt noch zu retten.
Uta Pappe , Untere Denkmalschutzbehörde
Und was ist davon nun übrig? Die ersten Berichte aus dem Inneren der beiden historischen Häuser waren eher pessimistisch. Nicht zuletzt das Löschwasser habe viele Wände zerstört. Teilweise können die Gebäude nicht betreten werden. „Wir haben natürlich Hoffnung und sind guter Dinge, dass viel zu retten ist“, sagt Uta Pappe. Sicher sei bei den verbrannten Dachbalken nichts mehr zu machen. Aber in den anderen Etagen sieht die Erfurterin Chancen, die Räume wiederherzustellen.
„Selbst wenn alles mit Löschwasser getränkt war – die Balken und das konstruktive Gefüge sind bestimmt noch zu retten. Teile, die Schaden genommen haben, können ausgetauscht werden. Das Holz kann trocknen und der Lehm ersetzt werden“, sagt die Denkmalpflegerin optimistisch.








