Das Augustinerkloster rüstet sich für eine Feier zum 750-Jahr-Jubiläum im kommenden Jahr. Jetzt konnte das Koordinationsteam ein Büro im Kloster beziehen. Darin sollen Pläne für ein ganzes Festjahr reifen, das in einer Festwoche im September samt mittelalterlich gestaltetem Umzug seinen Höhepunkt finden soll. Dann wird auf dem gesamten Areal eine Reise zurück in Luthers Zeiten möglich werden, der hier von 1505 bis 1511 als Mönch lebte, kündigt Augustinerpfarrer Bernd Prigge an.
„So etwas wie die Seele Thüringens“
„Das Augustinerkloster in Erfurt ist so etwas wie die Seele Thüringens mit seiner bewegten Geschichte“, sagt Prigge. Bettelorden und Luther, Gymnasium und Waisenhaus – kein Aspekt soll außen vor bleiben. Dazu zählen die Zerstörung und der Tod hier Schutz suchender Menschen im Zweiten Weltkrieg ebenso wie die Friedliche Revolution 1989, bei der das Kloster ein Ort der Begegnung war. Und schließlich: Sogar Papst Benedikt XVI. war hier.

Am 1. September 1277 stellte der Bischof Incelerius von Budua eine Urkunde aus, die den Augustinermönchen erlaubte, Einnahmen aus dem Ablasshandel für den Bau ihres Klosters zu verwenden. Dieses Dokument, das als offizieller Gründungsakt gilt, wird heute im Landesarchiv in Magdeburg aufbewahrt. „Wir bemühen uns jetzt, diese Urkunde auch zum Unternehmen hierher zu bekommen oder ein Faksimile davon zu machen“, sagt Prigge.
Nicht nur Luther wird Thema des Festjahres
„Das Kloster ist auch mehr als Martin Luther. Das ist natürlich der berühmteste Mensch, der hier war, aber es ist eben mehr als das“, betont Maximilian Gutberlet, der gemeinsam mit Virginia Loll das Organisationsteam bildet. So wird eine Gottesdienstreihe vorbereitet und es werden Veranstaltungen Persönlichkeiten wie dem Widerstandskämpfer Oskar Brüsewitz, dem Pietisten August Hermann Francke oder dem Komponisten Johann Sebastian Bach gewidmet sein.
Auch interessant
Auch das Unionsparlament von 1850, das im Kloster tagte, um eine demokratische Verfassung für Deutschland zu erarbeiten, wird Teil des Programms. Damit soll das Kloster als Ort erlebbar werden, der über die Jahrhunderte hinweg geistliches, politisches und kulturelles Leben prägte.

Touristisches Leitthema für 2027 gefunden
Die Erfurt Tourismus und Marketing GmbH (ETMG) wirbt bereits seit Monaten national und international für das Ereignis. „Gerade in der internationalen Vermarktung wird es schon Martin-Luther-lastig“, wie ETMG-Chef Christian Fothe sagt. Schließlich seien Persönlichkeit und historische Bedeutung fürs internationale Marketing unerlässlich. Vergleichbar zum Krämerbrückenjubiläum im vergangenen Jahr soll das Jubiläum das touristische Leitthema Erfurts für 2027 sein.
Lesen Sie auch
Ursprünglich geplante und weiterhin umstrittene Umbauten an der Augustinerkirche wurden verschoben, sodass das Kloster im Jubiläumsjahr ohne größere Baustellen für Besucher zugänglich sein wird. Die Umverlegung einer Fernwärmeleitung indes, die derzeit auf dem Gelände erfolgt, werde dann ebenfalls Geschichte sein.







