Vanessa Göckings Büro auf dem Erfurter Mediencampus ist klein, aber fein. Ein einziger Raum ohne W-Lan, dafür mit Plastikpflanzen, einem lila „Vani“-Neonschild und dem Geruch von Vanilleduftkerzen und der Dutzenden Ausgaben der von ihr verlegten Bücher.

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Göcking hat ihren Vani-Verlag offiziell im Juni 2024 gegründet. Mittlerweile verlegt sie vier Autorinnen aus ganz Deutschland neben ihren eigenen Büchern. Mehrere der Bücher haben es bereits auf die Bestsellerliste des Spiegels geschafft. Dabei ist der Erfurter Kleinverlag wirklich klein: Vanessa Göcking ist die einzige Vollzeitarbeitskraft. Dazu kommen noch zwei Kolleginnen für Social Media und PR.

Vom Großverlag zum Selbstverlag: Erfurterin geht eigenen Weg

2023 hat die 33‑jährige Thüringerin ihr erstes Buch herausgebracht. „Du bist das Beste, was dir je passiert ist“, erschien damals noch in einem großen Publikumsverlag. Göcking war dort eine von vielen. „Ich habe mich da nicht ganz wertgeschätzt gefühlt“, erzählt sie.

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Gleichzeitig habe sie schnell gespürt, dass sie das Schreiben liebe. „Ich wollte nichts anderes mehr machen.“ Ihr sei aber auch klar gewesen, dass sie sich dafür finanziell anders aufstellen müsse. „In den großen Verlagen ist die Gewinnmarge für Autoren recht gering“, sagt Göcking. „Davon können die Wenigsten leben.“ Darum habe sie ihr nächstes Buch im Selbstverlag herausgebracht.

Vanessa Göcking
Erfurter Autorin und Verlegerin Vanessa Göcking mit ihrem neuesten Buch „Ms Atkins und die Bibliothek der Träume“. © Vani Verlag

Da sei natürlich das eigene Risiko und der persönliche Arbeitsaufwand erheblich höher, aber eben auch die gestalterische Freiheit und die mögliche finanzielle Beteiligung. Für die Erfurterin hat sich das Wagnis ausgezahlt. „Anfangs wurden wir noch belächelt“, sagt sie. Heute lebt sie von ihren Büchern und dem Verlag.

Verlag fördert gezielt Autorinnen und weibliche Hauptfiguren

Göcking habe auch anderen Frauen eine bessere Verlagserfahrung ermöglichen wollen, sagt sie. „Und Frauen wurden als Schreibende lange Zeit vernachlässigt.“ Darum nimmt der Vani-Verlag auch nur Autorinnen an. Deren Bücher müssen außerdem eine weibliche Hauptfigur oder zumindest mehrheitlich Protagonistinnen haben.

In der Regel wisse Göcking schon nach einer Seite und dem dazugehörigen Exposé, ob das Buch zu ihrem Verlag passe. Sie vertritt ausschließlich Gegenwartsliteratur und Belletristik, also keine Krimis, Thriller oder das aktuell so beliebte Romantasy-Genre. In den Büchern geht es um vielschichtige Figuren, die sich einem Wandel und einer Selbstverwirklichung unterziehen.

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Die Geschichten sollen Mut und Hoffnung machen, sagt Göcking. „Natürlich darf es auch Krisen geben, aber die Charaktere sollen diese überwinden und an ihnen wachsen“, sagt sie. Ein Buch, das sie selbst gerne verlegt hätte, weil es so gut zum Verlag passe, sei „Die Hummerfrauen“ von Beatrix Gerstberger.

Leseadventskalender und erstes Kinderbuch: neue Ideen in Erfurt

Die persönliche Betreuung ihrer Autorinnen ist Vanessa Göcking besonders wichtig. „Klasse statt Masse“, sagt sie dazu. Darum gibt es aktuell auch einen Aufnahmestopp für neue Autorinnen bei Vani. „Sonst würde ich gar nicht mehr hinterherkommen“, sagt die Verlegerin.

Ende Oktober kommt eine Art Leseadventskalender von Göcking. „Frau Elises Stand der kleinen Weihnachtswunder“ sei für alle Weihnachtsfans und Kitschliebhaber. Für kommendes Jahr plant Göcking, ihr erstes Kinderbuch herauszubringen.

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„Für mich sind Bücher Schätze“, sagt Göcking. „Und die Arbeit hier wird nie langweilig. Ich könnte mir nicht mehr vorstellen, etwas anderes zu tun.“