Balthasar holt tief Luft und pustet einen doppelten Regenbogen über das Schloss Friedenstein. „Bringt das Glück für das Stück ‚Königshaut‘?“, frage ich. Der Drache nickt. Er zitiert den Autor: „Zeit, die man im Theater verbringt, verlängert das Leben.“

Ich nicke und betrete die Umkleiden, denn ich darf als Wache mitspielen. Auf diese Art gewinne ich nicht nur meine Lebenszeit, sondern kann auch einen Blick hinter die Kulissen werfen. Und ich lerne die wunderbaren Schauspieler kennen, einige davon aus Gotha wie Max Lamberti und Christian Mark.
Machtspiele und Friedensfragen treffen auf aktuelle Politik
Das Stück hat der Dramatiker Wolfsmehl speziell für die Stadt adaptiert. „Grimmenstein zu Friedenstein“ lautet das Mantra. Ein Ränkespiel um Macht, Verrat, die Entscheidung für Krieg oder Frieden, im Kleinen wie im Großen. Ein zeitloses Thema, eines, das man nicht oft genug aufgreifen kann, denn zeitgleich wird der AfD-Parteitag in Erfurt abgehalten.

Uhrenticken, Zeitumkehr, Blut und Betrug, schunkelnde Ratten zu eingängiger Musik. Und dann Liebe, Kartoffelbrei und Kind. Durch einen Kniff der personifizierten Zeit erfährt der König, dem nur noch die Haut geblieben ist, was wirklich zählt im Leben, bis er es wieder verliert. Das vierhundertjährige Schloss bildet die passende Kulisse.
Nach Mitternacht verlassen wir müde den Schlosshof. „Schuld daraaaan, ist nur die Zeit, die Zeit, die Zeit …“, singt Balthasar. „So ein Ohrwurm!“, rufe ich. „Sei lieber still!“

„Eher Ohrlindwurm“, antwortet Balthasar und kichert. „Sag mal, hab ich nicht toll die Fledermäuse ferngehalten?“, fragt er. „Schon“, antworte ich, „aber vor allem hast du immerzu die Waffen versteckt. Auch mein Schwert!“
„Ich bin Pazifist!“, verteidigt sich Balthasar.
„Genau darum ging es doch im Stück!“, antworte ich. „Und hast du nicht den Bühnenausgang verhängt, sodass die Schauspieler nicht herausfanden? Mitten in der Vorstellung fiel das S-Wort!“

Balthasar kichert. „Und die Krönung, die war doch die Krönung!“ Der Drache hatte seinen Kopf aus dem Thron gesteckt und die Krone statt des Prinzen in Empfang genommen.
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„Herr König!“, sage ich und verneige mich, „das Leben hat dir noch keinen Zacken aus der Krone gebrochen. Bei dir geht die Zeit zwar nicht rückwärts, aber langsamer, oder?“
„Ja“, antwortet Balthasar, „ich bin noch ein Teenager.“
„Na das“, sagte ich, „erklärt einiges! Wie viele Jahrhunderte du wohl noch auf Gotha und seine Stadtschreiber aufpassen wirst?“ Der Drache ruft: „Solange es nötig ist!“


