„Weißt du eigentlich“, fragt der kleine Drache Balthasar, als wir über den Gothaer Schlosshof schreiten, „dass ich im Ekhoftheater als Schauspieler tätig war?
„Wirklich?“, rufe ich.
„Oh ja“, antwortet er stolz. „Vor 250 Jahren. Beim alten Conrad persönlich!“

„Bei Conrad Ekhof, dem Vater der deutschen Schauspielkunst?“ Immer wieder vergesse ich, dass der kleine Kerl schon Jahrhunderte auf dem Schuppenbuckel hat. Kennen könnte er ihn, aber eingestellt? „Welche Rolle hast du gespielt?“, frage ich.

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„Na einen Drachen“, antwortet er. „Zwar hatten sie damals hier ein Flugwerk, doch niemand konnte so toll über die Bühne schweben! Wir waren das erste feste Ensemble und bei Hofe angestellt!“
„Da“, antworte ich, „gab es wohl öfter Marmeladenbrot als zuvor?“ Balthasar nickt.
„Du bist ein guter Schauspieler!“, sage ich, „aber ich glaub dir kein Wort!“ Beleidigt flattert er voraus zum Westturm.
Geschickt werden die Grenzen verwischt
Schon das historische Barocktheater zu betreten, versetzt einen in vergangene Zeiten. In diesem Haus lebt Geschichte, atmen Theater und Musik, Fein- und Freigeist. Wie auch unter Ekhof schon, wird eine Komödie von Molière gegeben. „Die Schule der Frauen“ unterhält nicht nur aufs Köstlichste, sondern psychologisiert und ironisiert den Wunsch nach Glück durch Kontrolle.
Naemi Friedmann hat eine gelungene Mischung zwischen originalem Text und modernen Einschüben inszeniert. Geschickt werden Grenzen verwischt: die zwischen Bühne und Mitarbeitern und die zum Publikum hin. Die unsichtbaren guten Geister, ohne die Theater nicht möglich wäre, treten ins Rampenlicht.
Knarrend tut die über dreihundertjährige Kulissenschnellverwandlungsmaschinerie ihren Dienst, betrieben von sage und schreibe 12 Mitarbeitern. Die Soufflage (Amelie Creutzburg) spielt mit und die Schauspieler mischen sich unters Publikum. Auch die wunderbare Angnès (Jasper Middendorf) betritt den Zuschauerrang. Doch oh weh, sie scheint etwas vergessen zu haben! Da reckt sich eine lilafarbene Pfote aus dem Bühnenaufgang und überreicht die Gitarre! Das Liebeslied für Horace kann erklingen: „Ich fühl mich unwohl ohne Kopf in der Straßenbahn, darum lern ich kopflos Fahrrad fahrn...“
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Der heulende Sturm aus der Windmaschine endet kaum. Erschrocken stelle ich fest, dass mir mein kleiner lila Freund schon wieder entwischt ist – das aufgeheizte Theater mit Wind kühlend! Als Balthasar zurückkehrt, flüstert er: „Ich würd euch auf den alten Brettern, einen Monolog gern schmettern!“




