Ich schaue aus dem Fenster des Westflügels des Schlosses. Ist das hoch! Und hier soll jemand in einer windigen und verregneten Dezembernacht im Jahre 1979 heraufgestiegen sein und mittels Steigeisen den größten Kunstraub der DDR verübt haben?

„Balthasar“, murmle ich dem Drachen zu, „weißt du, wer das war?“

Der lässt den Schuppenkopf sinken. „Ich war mit Emil aus der Drachenschlucht in China, unsere Verwandten besuchen.“

„Ausgerechnet!“, rufe ich. „Hat niemand von euch Sagengestalten was bemerkt? Ihr steckt doch eure neugierigen Nasen sonst in alles rein!“

Dorothee Eva Herrmann alias DoroFee ist Gothas Stadtschreiberin 2026.
Dorothee Eva Herrmann alias DoroFee ist Gothas Stadtschreiberin 2026.© Dorothee Eva Herrmann

„Die Schlossgespenster“, berichtet Balthasar, „haben in dieser Nacht den Wachhund geärgert. Die Baumgeister im Park froren im eisigen Regen so sehr, dass sie alles zusammenkniffen. Die Nymphen hatten sich am Boden des Parkteichs eingemummelt.“

„Nicht zu fassen!“, rufe ich entgeistert.

„Diese Gemälde waren bereits seit dem 17. Jahrhundert im Besitz der Herzöge“, berichtet Frau Wiegand, die enthusiastische Museumsführerin, die mit uns auf Detektivarbeit geht. 

„Jep!“, bestätigt Balthasar flüsternd. „Die Trauer der Museumsgeister, der steinernen Löwen und aller Statuen und sogar der Mumien war daher groß. Was haben die sich alle schwarz geärgert!“

„Ausgesprochen geschickte Diebe müssen das gewesen sein!“, sage ich anerkennend, als ich eines der Steigeisen in die Hand gedrückt bekomme.

„Umso besser“, ruft der kleine Drache, „dass die Gemälde wieder zurück sind! Nach vierzig Jahren!“

„Unser Oberbürgermeister ist der Held dieser Geschichte“, erzählt Frau Wiegand, „die Spur führt nach Berlin!“

„Und wie ich dich kenne“, flüstere ich, „warst du dabei auf diesen konspirativen Treffen, nicht wahr?“

„Klar!“, ruft Balthasar. „Das war ja ein Ding, seit die Buntfotografien auftauchten. Die Geheimhaltung war das Schwierigste! Um die Erpresser nicht zu verschrecken, durfte auch ich nichts verraten. Und du kennst mich …“

„Oh ja“, sage ich grinsend, „das ist dir und Herrn Kreuch bestimmt schwer gefallen.“

„Aber nach viel Hin und Her und Herzklopfen und rund einem Jahr“, berichtet Frau Wiegand weiter, „kam schließlich der Kurier mit den Bildern unter‘m Arm. Er übergab sie im Rathgen-Forschungslabor. Es war wie ein Wunder! Gotha hat keinen Cent dazu bezahlt!“

„Oh, ich konnte wochenlang nicht schlafen“, flüstert Balthasar, „bis feststand, dass sie alle fünf wirklich echt waren. Du kannst mir glauben, das gab ’ne ordentliche Fabelwesenparty, nachts im Museum!“

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Falls Sie die berühmten fünf Gemälde des Bilderraubs noch nicht gesehen haben: Sie können sie im Herzoglichen Museum bestaunen, derzeit teils in die Rembrandt-Ausstellung integriert. Zur Museumsnacht am 24. Oktober können kleine Detektive auf den Spuren der Diebe wandeln. Und wenn Sie selbst detektivisch veranlagt sind: Weitere Führungen finden am 31. Oktober statt. Vielleicht finden Sie ja heraus, wer es gewesen ist?