Einer beliebten Legende zufolge soll das Werfen einer Münze in den Trevi-Brunnen in Rom eine Rückkehr in die Ewige Stadt garantieren. Vorausgesetzt man nimmt die Münze in die rechte Hand, stellt sich mit dem Rücken zum Brunnen, schließt die Augen und wirft das Geldstück über die linke Schulter ins Wasser. Nur wer sich an diese Vorgehensweise hält, dem ist eine baldige Rückkehr nach Rom sicher. Wer noch eine zweite Münze in den Trevi-Brunnen wirft, darf darauf hoffen, sich in einen Römer oder eine Römerin zu verlieben; das dritte geworfene Geldstück soll sogar eine Heirat herbeiführen.

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Seit Anfang dieser Woche kostet das Münzewerfen in das weiße Marmorbecken jedoch Geld: Besucher müssen nun ein Ticket für 2 Euro kaufen, um Zugang zum barocken Brunnen zu erhalten und Münzen in sein Wasser zu werfen.
Ticketsystem am Wahrzeichen: Rom steuert Besucherströme mit Eintritt
Die Stadtverwaltung in Rom hat das neue Ticketsystem für Nicht-Einwohner eingeführt, um die Menschenmengen an einem der meistbesuchten Wahrzeichen der Hauptstadt besser zu steuern. Tickets werden montags und freitags von 11 Uhr bis 22 Uhr benötigt, an den übrigen Wochentagen von 9 Uhr bis 22 Uhr. Nach 22 Uhr werden die Absperrungen geöffnet, und der Zugang ist für alle kostenlos.
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Tickets können online oder über vor Ort ausgehängte QR-Codes erworben werden. Kinder unter fünf Jahren, Menschen mit Behinderungen und Einwohner Roms sind von der Gebühr ausgenommen. Allein am ersten Tag des neuen Systems wurden über 5000 Karten verkauft. Stadtbeamte schätzen, dass das neue Ticket jährlich zwischen 6,5 und 20 Millionen Euro einbringen könnte.
„Mit dem Ticketsystem gewährleisten wir den Besuchern unvergessliche Erlebnisse und ein harmonisches Zusammenleben von Touristen und den Bewohnern Roms. Die Eintrittskarte ist ein Beitrag zur Erhaltung der Schönheit des Brunnens. Wir haben uns beschränkt – in New York hätte man 100 Dollar verlangt“, sagte der Tourismusbeauftragte Roms, Alessandro Onorato.
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Die meisten Touristen teilen seine Meinung. „Der Preis für das Ticket ist angemessen, der Brunnen ist wunderschön“, kommentiert Glaucio Mule (52), der aus Rio de Janiero in Begleitung seiner Frau Louisa, der 15-jährigen Tochter Olivia und der erst fünf Monate alten Maria Clara nach Rom angereist ist. „Es ist normal, ein Ticket zu bezahlen, und der Preis ist fair“, meint der Brasilianer. Dennoch gibt es auch Touristen, die nicht Schlange stehen wollen, um die Eintrittskarte zu erwerben, und das weiße Monument lieber aus der Ferne betrachten. Der Rest des Platzes vor dem Brunnen bleibt nämlich frei zugänglich.

Trevi-Brunnen: Touristen werfen Münzen und gefährden Besucher
Eine Gruppe spanischer Touristen, die nicht bezahlen wollte, warf Münzen von außerhalb der Absperrungen in den Brunnen. Und verfehlten dabei das Wasser. Die zahlenden Besucher duckten sich, während es Münzen regnete. Ein Stadtbeamter erklärte, dass künftig Patrouillen eingesetzt würden, um Verletzungen durch Fehlwürfe zu verhindern.
Der Trevi-Brunnen, weltberühmt durch den Film „La Dolce Vita“, ist zu einem Brennpunkt für Roms Problem des Overtourismus geworden, insbesondere während der Sommermonate. Die kleine Piazza ist oft so dicht gedrängt, dass Besucher Schulter an Schulter am Brunnen stehen, viele mit schmelzenden Eistüten oder Wasserflaschen in den Händen. Häufig mischen sich Taschendiebe unter die Besucher.
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Im vergangenen Jahr hatte die Stadt ein Barrieresystem getestet, um den Zugang zum Brunnenrand zu begrenzen und zu prüfen, ob eine Kontrolle der Menschenmengen möglich sei. Das Ergebnis war ein deutlicher Rückgang der Besucher, die bereit waren, für einen Nahblick auf das Meisterwerk aus dem 18. Jahrhundert, das den Endpunkt eines antiken Aquädukts markiert, Schlange zu stehen.
Dennoch bleibt die Nachfrage hoch. Im Jahr 2025 stellten sich mehr als 10 Millionen Menschen an, um den Brunnen zu erreichen, mit Tagesspitzen von rund 70.000 Besuchern während der stärksten Auslastung, sagte Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri. Die im Brunnen gesammelten Münzen – rund 1,5 Millionen Euro pro Jahr – werden weiterhin an die katholische Hilfsorganisation Caritas gespendet, die damit Programme für Bedürftige finanziert.
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Kritiker sehen die Einführung des Eintrittsgeldes für den Trevi-Brunnen jedoch skeptisch und werfen der Stadt Rom vor, eine historische und kulturelle Stätte zu kommerzialisieren. Der italienische Verbraucherschutzverband Codacons bezeichnete das Ticket als „beschämenden Aufschlag“, der dazu diene, Haushaltslöcher zu stopfen und die mangelhafte Finanzplanung der Stadtverwaltung zu kaschieren.
Eintrittsgelder für Roms Sehenswürdigkeiten sorgen für Kritik und Debatte
Der Verband warnte vor einem Präzedenzfall und fragte, ob künftig auch andere ikonische Orte Roms wie die Spanische Treppe oder die Kaiserforen kostenpflichtig werden könnten. Angesichts der hohen Besucherzahlen versprächen solche Maßnahmen erhebliche Einnahmen für die Stadtkasse. Statt neuer Abgaben plädiert Codacons für eine bessere Steuerung der Besucherströme ohne zusätzliche Kosten. Auch der bekannte Kunstkritiker und ehemalige Kulturstaatssekretär Vittorio Sgarbi kritisierte die Eintrittskarte für den Trevi-Brunnen.
Mit Eintrittsgeldern für andere Monumente wie das Kolosseum oder das Pantheon erzielt die Stadt Rom bereits seit Längerem erhebliche Einnahmen. Allein beim Kolosseum, der meistbesuchten Sehenswürdigkeit der Stadt, wurden im vergangenen Jahr rund 100 Millionen Euro bei 14,7 Millionen Besuchern eingenommen. Seit 2023 ist auch das Pantheon, eines der am besten erhaltenen Bauwerke der Antike, nicht mehr kostenlos zugänglich; der Eintritt beträgt fünf Euro.






