Hermann Becker wurde 8. April 1905 im sächsischen Plauen geboren als Sohn eines Kaufmanns. Als er acht Jahre alt war, stirbt sein Vater und die Familie zieht nach Kassel. Zunächst beginnt er eine Lehre zum Kaufmann, die er aber für eine Banklehre abbricht. Nach der Ausbildung arbeitet er dann in einer Bank in Saalfeld.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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1929 wechselt er nach Erfurt, wo er begann, politisch aktiv zu werden. Dort tritt er der linksliberalen Kleinpartei Radikaldemokratische Partei bei, für die er auch 1932 für den Reichstag kandidiert – jedoch erfolglos. 1933 wird Hermann Becker, der als Pazifist und Regimegegner bekannt war, kurzzeitig durch die Nationalsozialisten verhaftet. Dadurch fasst er den Entschluss, sich aus der Politik zurückzuziehen.

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Im Jahr 1935 heiratet er seine Frau Charlotte, die ein Jahr später die gemeinsame Tochter Ruth und 1941 Sohn Lutz auf die Welt bringt. Während des Krieges wird er als Soldat nach Hersfeld kommandiert, wo er bis zur Einnahme des Ortes durch die US-amerikanische Armee stationiert bleibt.

Zurück in die Politik und Gründung der TLZ

Nach Kriegsende kehrt Hermann Becker nach Erfurt zurück und beteiligt sich an der Vertretung der deutschen Bevölkerung gegenüber den Amerikanern. Becker nimmt auch an der Gründungsversammlung des Antifaschistischen Komitees in Erfurt teil. Später wird er Gründungsmitglied der Liberal-Demokratischen Partei (LDP). Im Herbst 1945 gründet er, mit einigen anderen Verlegern in Weimar, die Thüringische Landeszeitung (TLZ). 1946 wird Becker für die LPD in den Thüringer Landtag gewählt, die er als Vorsitzender vertritt. Mit 28 von 100 Abgeordneten ist die LPD, nach der SED, die zweitgrößte Fraktion.

Während der Nürnberger Prozesse reist Hermann Becker mehrfach nach Nürnberg, um den Prozessen als Beobachter beizuwohnen. Er ist auch häufig Beisitzer von Entnazifizierungsprozessen in Thüringen gewesen. Sein Sohn Lutz erinnert sich Jahre später, dass die Wochen vor der Verhaftung seines Vaters eine schwere Belastung waren. Politische Kollegen verschwinden plötzlich und Becker bekommt Angebote, unter anderem wegzuziehen, was dieser jedoch ablehnt. Sein Sohn erklärt, dass er dadurch sein Schicksal besiegelt habe.

TLZ-Gründer Hermann Becker mit Politikern der LDP: Hermann Becker, Alphons Gaertner, Wilhelm Külz, Leonhard Moog und Wilhelm Heile von der FDP (von links). (Archiv)
TLZ-Gründer Hermann Becker mit Politikern der LDP: Hermann Becker, Alphons Gaertner, Wilhelm Külz, Leonhard Moog und Wilhelm Heile von der FDP (von links). (Archiv)© TLZ/Archiv/Peter Michaelis | TLZ/Archiv/Peter Michaelis

Am 23. Juli 1948 wird Hermann Becker während der Mittagspause einer Landtagssitzung durch den sowjetischen Geheimdienst verhaftet. Sohn Lutz Becker erinnert sich an den Tag, als sein Vater verhaftet wurde. Die Wohnung der Familie wird, trotz der parlamentarischen Immunität seines Vaters, durchsucht und verwüstet.

Zwei Jahre verbringt Hermann Becker in einer Untersuchungshaftanstalt in Hohenschönhausen – hauptsächlich in Einzelhaft. Während seiner Zeit dort wird er unter anderem mit Schlafentzug und dem Aufenthalt in einer Kältezelle gefoltert. Rund zwei Jahre nach der Verschleppung ihres Mannes wird Druck auf Charlotte Becker von DDR- sowie von Sowjetseite ausgeübt, ihren Mann für tot zu erklären. Das tut sie nie.

Ein politisch Verfolgter kehrt nach Hause

1950 wurde Hermann Becker ohne ein ordentliches Gerichtsverfahren durch ein Fernurteil aus Moskau zu 25 Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Der Vorwurf: Spionage und Verbreitung antisowjetischer Propaganda. Becker wird in ein Arbeitslager in das nördlich des Polarkreises gelegene Workuta gebracht. Dort wird er vier Jahre bleiben.

Nach insgesamt sieben Jahren Haft wird Hermann Becker 1955 amnestiert und nach Westberlin entlassen. Die Entlassung stand in direktem Zusammenhang mit dem Besuch des damaligen Bundeskanzlers Konrad Adenauer (CDU) in Moskau. Für seine Familie kam das sehr überraschend, erklärt Sohn Lutz. Seine Familie folgt ihm von Erfurt nach Westberlin. Sein Sohn erinnert sich: „Ich war erschüttert, als ich ihn wiedersah. Mein Vater war körperlich und seelisch sehr in Mitleidenschaft gezogen. Er war krank und traumatisiert.“

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Nach seiner Gefangenschaft hat sich Hermann Becker nicht mehr öffentlich politisch engagiert und bleibt parteilos. 1956 wird er Geschäftsführer des Forschungsbeirats für Fragen der Wiedervereinigung des Bundesministeriums für gesamtdeutsche Fragen. Er zeigt sich zunehmend verzweifelt über die politische Lage, besonders nach dem Bau der Berliner Mauer.

Lutz Becker erinnert sich, als sein Vater vom Amt wiederkam, um seine Existenz nachzuweisen. Aufgrund von Bürokratie hat er jedoch Schwierigkeiten gehabt. Er sagt: „Fristen seien verstrichen. Da sei er fast ausgeflippt. Das Wirtschaftswunderland war nicht eingestellt auf solche Schicksale.“ 1971 geht Becker in den Ruhestand und verbringt seine letzten Jahre mit privaten Studien zur deutschen Ostpolitik. Im Alter von 76 Jahren stirbt Hermann Becker im Jahr 1981 in Westberlin.