Die Strategie von Markus Söder in den sozialen Medien, Stadtbild-Debatte, Trumps Politik: Kevin Kühnert analysiert und diskutiert wieder in einer Talkshow. So wie früher. Doch der 36-Jährige ist nicht mehr der Kevin Kühnert von früher, der als eine der größten Hoffnungen seiner Partei galt und einen steilen Aufstieg in der Politik hinlegte. Hinter dem Sozialdemokraten liegen ein tiefes Loch und eine Zeit der Ruhe, der Einsamkeit und des Nachdenkens. Nun zeigt sich, welchen Weg Kevin Kühnert künftig gehen will.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion
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14 Monate ist es her, dass Kühnert sein Amt als SPD-Generalsekretär plötzlich hinwarf. Auch in seiner Partei überrumpelte er damals viele Genossen mit der Entscheidung. Er habe sich wie in einer „Sackgasse“ gefühlt, gibt Kühnert jetzt in der ZDF-Talksendung von Moderator Markus Lanz Einblick in sein Seelenleben im Oktober 2024.

Als Generalsekretär der SPD war Kühnert zwar auf dem bisherigen Höhepunkt seiner politischen Karriere gewesen. Und doch fühlte er sich machtlos. „Ich habe mich am Ende eingeengt gefühlt in Sachzwängen, in ungeschriebenen Gesetzen“, erinnert sich Kühnert. Er habe nicht mehr das Gefühl gehabt, an der richtigen Stelle im Politikbetrieb zu sein, um einen Unterschied machen zu können. Als „mutlos“ beschreibt er heute den Kevin Kühnert von damals.
Kühnert hatte einige Jahre zuvor als Chef der Jusos die SPD aufgemischt mit seinem scharfen Verstand und brillanten Parteitagsreden, er war furchtlos und taktisch gewieft. Was heute der jugendliche Fußballer Lennart Karl für den FC Bayern ist, war Kevin Kühnert damals für die SPD: ein Ausnahmetalent, dem eine große Zukunft vorausgesagt wird, wenn er immer so weiter spielt. Doch als SPD-Generalsekretär verkümmerte Kühnert, als Schatten seiner selbst musste er den Streit in der Ampel verteidigen. Musste er Floskeln zur Rechtfertigung finden, wo er früher schonungslos kritisiert hätte.
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Die Stimmung im Land und direkte Anfeindungen bei seinen Touren durch die Republik machten ihm zusätzlich zu schaffen. Ausgebrannt und ausgelaugt legte Kühnert eine Vollbremsung hin. „Politik ist fordernd, umso wichtiger ist es, auf sich selbst zu achten“, blickt SPD-Parteigenosse Matthias Miersch heute auf Kühnerts Rücktritt zurück. „Kevin hat diesen Schritt bewusst getan, und das verdient Respekt.“ Der heutige SPD-Fraktionschef Miersch übernahm damals das Amt des Parteimanagers von Kühnert, der sich komplett aus der Öffentlichkeit zurückzog. Zur Bundestagswahl trat Kühnert nicht mehr an.
Kevin Kühnert: Unfreiwillig war er vor einem Millionenpublikum zu sehen
Nur einmal war der Fußballfan kurz im Fernsehen vor einem Millionenpublikum zu sehen – allerdings unfreiwillig. Als Kühnerts Lieblingsverein Arminia Bielefeld im DFB-Pokal von Runde zu Runde stürmte, schalteten die Ostwestfalen im Februar 2025 auch Werder Bremen aus. Während des Spiels wurde Werder-Stürmer Marvin Ducksch mit einem Gegenstand beworfen. Die Kamera schwenkte auf die Tribüne – und erfasste ausgerechnet Kevin Kühnert, der dort mit Fanschal stand und in dem Moment wie der mögliche Übeltäter wirkte. „Danach hat mein Handy in der Hosentasche ständig geklingelt“, erzählte er dem Fußballmagazin „11 Freunde“ in einem launigen Interview und beteuerte: „Ich habe nicht geworfen.“
Kühnert genoss es, wieder regelmäßig ins Fußballstadion gehen zu können, anstatt auf hunderten Terminen im Jahr für die SPD unterwegs zu sein. Und er genoss es, allein zu sein. Zwei Monate lang wanderte Kühnert im Sommer den Nordalpenweg von Wien bis zum Bodensee. 1000 Kilometer absolvierte er, mehr als 50.000 Meter stieg er bergauf. „Das Wandern ist natürlich kein Zaubertrank gegen alles Mögliche“, schrieb Kühnert danach auf Instagram. „Aber es schafft Raum und Zeit zum Nachdenken, Sortieren, Orientieren.“
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Danach war der Sozialdemokrat wieder so weit, dass er Schritt für Schritt den Weg zurück in die Öffentlichkeit suchte. Im Musikmagazin „Rolling Stone“ übernahm Kühnert eine Kolumne, die erste trug den Titel „Söders Wurstfalle“. Darin beobachte Kühnert mit Anerkennung, dass sich der CSU-Politiker zu „einer bundesweiten Marke entwickelt hat und im Netz Millionen erreicht“. In der neuesten Ausgabe schreibt Kühnert über die von der Koalition aus Union und SPD heftig geführte Rentendebatte und stellt fest: „Die eigentlichen Richtungsentscheidungen kommen erst noch.“
Seit dieser Woche ist zudem bekannt, dass Kühnert bei der Bürgerbewegung Finanzwende als Leiter des Bereichs Steuern, Verteilung und Lobbyismus angeheuert hat. Die Organisation des früheren Grünen-Bundestagsabgeordneten Gerhard Schick sieht sich als Gegengewicht zur mächtigen Finanzbranche. Als Gastgeber diskutiert Kühnert außerdem ab Februar im Berliner Kabarett „Distel“ mit prominenten Gesprächspartnern.
Kevin Kühnert: Kehrt der ehemalige SPD-Star in die aktive Politik zurück
Die verschiedenen Jobs und auch der Besuch bei „Lanz“ machen deutlich, wie Kühnert sich künftig sieht: als Teilnehmer an politischen und gesellschaftlichen Diskussionen. Eine Rückkehr in die Parteipolitik zeichnet sich hingegen nicht ab. Parteifreunde sind dennoch froh über Kühnerts Comeback.
„Ich freue mich, dass Kevin Kühnert nach seiner Auszeit wieder im Job und in der Öffentlichkeit ist und sich nun bei Finanzwende engagiert“, sagt Miersch dieser Redaktion. „Ich wünsche Kevin einen guten Wiedereinstieg, Kraft und alles Gute.“ Kühnert wiederum verspricht der SPD, dass er nicht den Besserwisser an der Seitenlinie spielen und seiner Partei sagen werde, „wie sie die Dinge machen soll“.





![Markus SOEDER (Ministerpraesident Bayern und CSU Vorsitzender),Gestik, Einzelbild,angeschnittenes Einzelmotiv,Portraet,Portrait,Portr??t. Pressekonferenz der CSU zur Klausurtagung des Parteivorstands in der CSU Landesleitung in Muenchen am 21.11.2025 Pressekonferenz [press conference] der CSU zur Klausurtagung des Parteivorstands](https://img.sparknews.funkemedien.de/410681484/410681484_1765534499_v16_9_1200.jpeg)

