Wie fair ist eine gemeinsame Entscheidung, wenn sie eine von beiden finanziell abhängig macht? Finanzielle Fairness heißt: Wer Sorgearbeit übernimmt, darf dafür nicht dauerhaft Einkommen, Vermögen und Altersvorsorge verlieren.

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Hauptstadt Inside von Jörg Quoos, Chefredakteur der FUNKE Zentralredaktion

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Eine Familie gründen beide gemeinsam, was folgt ist eine enorme Schieflage. In der Regel tritt die Mutter beruflich kürzer. Frauen können Sorgearbeit nicht von Natur aus besser. Dass vor allem sie Kinder betreuen und Angehörige pflegen, ist gesellschaftlich gewachsen. Und lässt sich ändern.

Finanzlasten in Familien sollten gerecht verteilt werden

Wer gemeinsam Verantwortung übernimmt, muss auch die finanziellen Folgen gemeinsam tragen. Weniger Gehalt, weniger Rücklagen, weniger Rente: Die Rechnung für die gemeinsame Familie zahlt oft die Frau – ein Leben lang. Deshalb braucht es klare Vereinbarungen: Wie viel steht uns als Familie zur Verfügung? Wie werden Kosten geteilt? Wie werden Nachteile bei Rücklagen und Altersvorsorge ausgeglichen? Wie bleiben beiden berufliche Chancen? Auch kleine Ausgaben zählen.

Miete und Strom werden meist gemeinsam bezahlt. Kinderkleidung, Schulsachen oder Geburtstagsgeschenke gehen dagegen oft nebenher vom Konto der Mutter ab. Familienausgaben gehören ins gemeinsame Budget – vom Eis nach der Kita bis zum den Säumnisgebühren für die Bibliothek.

Finanzielle Abhängigkeit erschwert das Entkommen aus Gewalt

Eigenes Geld kann darüber entscheiden, ob eine Frau eine gewalttätige Beziehung verlassen kann. Geld kann auch zum Mittel der Kontrolle werden: wenn ein Täter Ausgaben überwacht, Geld zuteilt oder den Zugang zum Konto verweigert. Dann hängt selbst das Zugticket zur eigenen Familie von seiner Zustimmung ab. Auch deshalb müssen Schutz und Beratung kostenfrei zugänglich sein.

Hier gibt es Hilfe

Hilfetelefon gegen Gewalt an Frauen ist zu erreichen unter 116 016

Dass Frauen arbeiten, ist im Osten seit Generationen selbstverständlich. Wohlstand folgt daraus nicht automatisch. In Thüringen verdienen Frauen pro Stunde durchschnittlich fünf Prozent weniger als Männer. Rechnet man Unterschiede bei Arbeitszeit und Erwerbsbeteiligung hinzu, beträgt der Gender-Gap auf dem Arbeitsmarkt in Thüringen 23 Prozent. Denn wer zu Hause mehr unbezahlte Arbeit leistet, hat weniger Zeit und Kraft, Geld zu verdienen.

Gender-Gap und geringere Erbmöglichkeiten

Auch die Geschichte wirkt nach: In der DDR entstand weniger privates Vermögen, das heute vererbt werden kann. Ein Haus zu erben oder es vom eigenen Lohn abbezahlen zu müssen, macht einen gewaltigen Unterschied. Erwerbsarbeit allein holt diesen Vorsprung nicht auf. Finanzielle Fairness braucht mehr als gute Vorsätze: verlässliche Kinderbetreuung, geteilte Sorgearbeit, Unterstützung bei der Pflege, faire und tarifgebundene Löhne und soziale Absicherung.

Es braucht aber auch: Aufklärung und Information. Mädchen sollten früh lernen, mit Geld umzugehen. Frauen brauchen Zugang zu Finanzberatung und -strategien und Paare sollten Informationen zu partnerschaftlicher und fairer Aufteilung – auch bei den Finanzen – erhalten. Frauen halten jeden Tag den Alltag anderer am Laufen und bezahlen dafür viel zu oft mit ihrer eigenen Zukunft. Das ist ungerecht. Wer mehr arbeitet, ob bezahlt oder unbezahlt, sollte am Ende nicht weniger haben. Frauen müssen wissen, wie sie ihr Geld sinnvoll anlegen können. Vor allem aber müssen sie die Chance haben, überhaupt welches übrig zu haben.

Gastautorin Nadja Sthamer ist seit August 2025 Landesgleichstellungsbeauftragte für Frau und Mann in Thüringen. Sie wurde 1990 in Reichenbach im Vogtland geboren und ist Mutter zweier Kinder. Sie studierte Politik- und Religionswissenschaften und schloss mit einem Master-Titel in Religionswissenschaft ab. Sthamer war als SPD-Politikerin von 2021 bis 2025 Mitglied des Deutschen Bundestages.

Zur Veranstaltung am 26. Oktober

Gastgeber von „Frauen & Finanzen“ sind die TLZ, die Stiftung Sendehalle und der Soroptimist Club Weimar International.

Input wird Rosa Traud, Chefvolkswirtin der Helaba, geben.

Auf dem Podium. moderiert von TLZ-Chefredakteurin Gerlinde Sommer, sind neben Rosa Traud vertreten:

Nadja Sthamer ist Thüringer Gleichstellungsbeauftragte und im Ministerium für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie angesiedelt,

Juliane Manhardt ist Fachberaterin für Finanzdienstleistungen bei der Verbraucherzentrale Thüringen,

Marion Walsmann ist EU-Abgeordnete aus Erfurt, Vorsitzende des Arbeiter-Samariter-Bundes Regionalverband Mittelthüringen und Vorsitzende des Thüringer Landesverbandes Weißer Ring.

Beginn ist am Montag, 26. Oktober, um 19 Uhr in der Sendehalle Weimar, Humboldtstraße 36a.

Für die Veranstaltung sind 90 Minuten eingeplant. Der Eintritt ist frei; es wird um eine Spende für die Stiftung Sendehalle gebeten. Die Veranstaltung richtet sich vorrangig an Frauen und Mädchen, die mehr über Finanzen wissen wollen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Bringen Sie gerne Freundinnen und Angehörige mit zu dieser Auftakt-Veranstaltung. ger

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