Der Kaffee riecht schwächer, das Lieblingsgericht schmeckt plötzlich fade, vertraute Aromen wirken fremd. Solche Veränderungen können viele Ursachen haben. Eine umfangreiche Untersuchung von Forschern der Hebräischen Universität Jerusalem legt nun nahe, dass in seltenen Fällen auch moderne Abnehmspritzen dahinterstecken könnten.

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Gemeint sind Medikamente mit Wirkstoffen wie Semaglutid oder Liraglutid. Sie werden zur Behandlung von Typ-2-Diabetes und starkem Übergewicht eingesetzt. Die Präparate regen die Ausschüttung von Insulin an, verlangsamen die Magenentleerung und dämpfen das Hungergefühl. Viele Patienten fühlen sich dadurch länger satt und nehmen weniger Nahrung zu sich. Ihr Erfolg hat die Behandlung von Diabetes und Adipositas in den vergangenen Jahren grundlegend verändert und die Präparate weit über die Fachwelt hinaus bekannt gemacht.
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Abnehmspritzen und Nebenwirkungen: Studie wertet Daten von 877.000 Patienten aus
Mit der zunehmenden Verbreitung der Medikamente geraten jedoch auch seltenere Nebenwirkungen stärker in den Fokus. In den USA hatten Patienten wiederholt über Veränderungen des Geruchs- und Geschmackssinns berichtet. Die Forscher Jonathan und Nir Zontag gingen diesem möglichen Zusammenhang anhand umfangreicher Gesundheitsdaten nach. Ihre Ergebnisse wurden im Fachjournal „JAMA Otolaryngology – Head & Neck Surgery“ veröffentlicht.
Für ihre Analyse werteten die Wissenschaftler Gesundheitsdaten von knapp 877.000 Menschen mit Typ-2-Diabetes aus. Die Informationen stammten aus TriNetX, einer internationalen Datenbank, in der anonymisierte medizinische Angaben aus Kliniken und anderen Gesundheitseinrichtungen zusammengeführt werden.
Die Forscher teilten die Patienten in zwei Gruppen ein. Die eine erhielt einen sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten, also ein Medikament aus jener Wirkstoffgruppe, zu der auch Semaglutid und Liraglutid gehören. Die andere wurde mit anderen Diabetesmedikamenten behandelt. Anschließend untersuchten die Wissenschaftler über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren, wie häufig in beiden Gruppen Störungen des Geruchs- oder Geschmackssinns diagnostiziert wurden.
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Geruchsverlust und Geschmacksstörungen: Risiko laut Studie erhöht
Die Auswertung zeigte einen klaren Unterschied zwischen den beiden Gruppen. Bei Patienten, die mit einem GLP-1-Medikament behandelt wurden, diagnostizierten Ärzte innerhalb von zwei Jahren häufiger Störungen des Geruchs- oder Geschmackssinns. Ihr relatives Risiko lag insgesamt 48 Prozent über dem der Vergleichsgruppe.
Noch deutlicher wurde der Unterschied, als die Forscher beide Sinne getrennt betrachteten. Demnach war das relative Risiko für eine Geruchsstörung um 81 Prozent erhöht. Bei Geschmacksstörungen lag es 52 Prozent über dem Wert der Vergleichsgruppe.
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Was diese Zahlen im Alltag konkret bedeuten, lässt sich aus den Daten allerdings nur begrenzt ableiten. Die Studie schlüsselt nicht im Detail auf, ob Betroffene lediglich schwächer riechen oder schmecken konnten, ob vertraute Eindrücke plötzlich verändert erschienen oder ob einer der Sinne vollständig ausfiel.
Auch die Ursache ist bislang nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Forscher befinden sich GLP-1-Rezeptoren nicht nur im Verdauungssystem, sondern auch in Bereichen des Gehirns, die an der Verarbeitung von Gerüchen beteiligt sind. Denkbar sei deshalb, dass die Wirkstoffe jene Signalwege beeinflussen, über die Geruchs- und Geschmacksreize aufgenommen und weitergeleitet werden.
Abnehmspritzen: Trotz erhöhtem Risiko sind nur wenige Patienten betroffen
Die Prozentangaben müssen jedoch eingeordnet werden. Ein um 81 Prozent erhöhtes relatives Risiko bedeutet nicht, dass 81 Prozent der Patienten eine Geruchsstörung entwickeln. Der Wert beschreibt lediglich, wie stark sich das Risiko im Vergleich zu einer anderen Patientengruppe verändert. Entscheidend ist deshalb der Blick auf die tatsächliche Zahl der Betroffenen.
Von mehr als 438.000 Patienten, die mit einem GLP-1-Rezeptoragonisten behandelt wurden, erhielten 649 die Diagnose einer Geruchsstörung. Das entspricht rund 0,15 Prozent. In der Vergleichsgruppe waren 316 Patienten betroffen, also etwa 0,07 Prozent.
Ein ähnliches Bild zeigte sich beim Geschmackssinn. Unter den GLP-1-Patienten wurden 769 Fälle registriert, was einem Anteil von rund 0,18 Prozent entspricht. Bei den Patienten, die andere Diabetesmedikamente erhielten, waren es 445 Fälle oder etwa 0,1 Prozent. Die Autoren betonen daher, es sei zwar „ein statistischer Zusammenhang erkennbar“, zugleich bleibe „das individuelle Risiko insgesamt gering“.
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Für Patienten besteht daher kein Anlass zur Panik. GLP-1-Medikamente können bei Typ-2-Diabetes und starkem Übergewicht einen erheblichen medizinischen Nutzen haben. Zugleich zeigen die Daten, dass Störungen des Geruchs- und Geschmackssinns insgesamt nur selten diagnostiziert wurden.
Treten solche Veränderungen während der Behandlung auf, raten die Studienautoren dennoch dazu, sie ärztlich abklären zu lassen. Das gilt etwa, wenn Speisen plötzlich fade, bitter oder ungewohnt schmecken, vertraute Gerüche fremd erscheinen oder der Geruchssinn merklich nachlässt.











