Auf der Bank sitzen zu müssen, das findet sie schon sehr schlimm. Von draußen wie bei dem packenden Playoff-Halbfinalspiel am vergangenen Sonntag gegen die HSG Blomberg-Lippe zuzuschauen, das schmerzt eine Handballerin wie Jana Scheib allerdings noch mehr. „Ich bin dann nochmal aufgeregter, wenn ich gar nicht eingreifen kann“, erklärte die 25-Jährige nach dem umjubelten Last-Minute-Sieg ihres Thüringer HC. Die Zuschauerrolle betrachtet sie allerdings in diesen Tagen zugleich aus einem anderen Licht.
„Das hat so eine OP an sich. Dass man denkt, wie glücklich man sich eigentlich schätzen kann, was man hat und dass man gesund ist“, meinte Jana Scheib. Vor knapp zwei Wochen waren daran Zweifel bei der Rückraumspielerin aufgekommen.
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Routinecheck führt zur Schockdiagnose: Ein Tumor im Bauchraum
Die Trainingssachen lagen im Auto. Im Anschluss an die Routineuntersuchung hätte es zum Abschlusstraining vor dem Halbfinal-Auftakt bei Blomberg gehen sollen. „Für mich war das so, als ginge ich zum Zahnarzt. So, wie man das halt macht als Frau. Dann hat sich die Sache als ernster dargestellt“, erzählte die Handballerin. Als die Mitspielerinnen trainierten, wurde sie in Weimar bereits operiert. Und lag im Krankenhaus, während ihr Team im ersten Spiel 25:31 unterlag. Im Bauchraum war ein Tumor erkannt worden.

„Für den Moment ist das ein Schock und extrem, wenn man mit 25 mit der Frage konfrontiert wird, ob man eigentlich noch Kinder möchte. Und dann hört man das Wort Tumor. Und natürlich denkt man im ersten Moment an Krebs“, so die Ludwigsburgerin. Das Wissen, dass es sich um ein Fibrom handeln sollte, einen gutartigen Tumor, nahm von Beginn an die größte Sorge. Ein Restrisiko bis zur Auswertung blieb dennoch.
Comeback-Gedanken: Scheib hofft auf zeitige Rückkehr
Die Sorgen sind vom Tisch. „Mir geht’s gut. Es ist auch alles gut. Ich bin froh, dass es erkannt worden ist. Ich kann mein Leben genauso weiterführen“, sagte die 25-Jährige. Sie geht offen damit um. „Ich hatte Glück, aber das Glück hat vielleicht nicht jeder. Handball ist ein großer Teil meines Lebens. Aber man lernt in so einem Moment, dass Gesundheit das Wichtigste ist.“
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Trotzdem möchte Jana Scheib so schnell wie möglich wieder auf dem Feld stehen. Am liebsten würde sie schon an diesem Samstag spielen, wenn der THC in Blomberg die hart erkämpfte Chance auf den Einzug ins Finale nutzen will (17 Uhr).
THC-Trainer Herbert Müller wäre froh darüber, zumal die im zurückliegenden Sommer aus Metzingen gekommene Linkshänderin im Rückraum zuletzt in starker Form gespielt hatte. Die personelle Lage bleibt angesichts einiger Blessuren angespannt.
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Sehnsuchtsziel Dijon: Der kleine Traum lebt
„Für mich ist das so etwas wie das Spiel des Jahres“, denkt Müller angesichts der Riesenchance. Er fordert einen ebenso großen Einsatzwillen wie am vergangenen Sonntag. Volles Risiko war er mit seiner Mannschaft gegangen, um mit einem 29:28 (14:15) ein drittes Spiel zu erzwingen.
Für einen Einsatz in Blomberg ist es für Jana Scheib zu früh. Vor dem zweiten Halbfinalspiel vor fünf Tagen hatte Teamarzt Guntram Krzok in der Kabine der Salza-Halle die Fäden aus der Bauchwunde gezogen. Geduld ist gefragt, sie versucht aber alles. „Der kleine Traum in mir lebt noch“, sagt die Rückraumspielerin. Sie denkt an Dijon, wenn der THC dort am 16./17. Mai den Titel in der European League verteidigen will. Und sie denkt im Stillen an ein Finale um die deutsche Meisterschaft. Dafür muss ihr Team am Samstag gewinnen. Sie wird da sein und von draußen zuschauen, auch wenn das in so bedeutenden Spielen besonders schwerfällt.
HSG Blomberg-Lippe – Thüringer HC, Samstag, 17 Uhr, Blomberg, Sporthalle an der Ulmenallee





