Ein Kletterer steht triumphierend auf einer Felsspitze, die Luftaufnahme zeigt ein atemberaubendes Panorama. Paddler beim Kajakausflug auf kristallklarem Gewässer winken fröhlich in die fliegende Kamera. Eine andere Familie schießt per Fernsteuerung ein spektakuläres Selfie, das Meer und der Horizont im Hintergrund. Die Szenen stammen aus dem Werbevideo für die Drohne des chinesischen Herstellers DJI und versprechen Spaß, Action und Abenteuer.

Drohnen von DJI dürften in diesem Jahr unter vielen deutschen Weihnachtsbäumen liegen, die Geräte gelten als gut und vergleichsweise günstig. Das Unternehmen will auf Anfrage keine Details zu Marktanteil und Anzahl der verkauften Drohnen in Deutschland mitteilen. In der aktuellen Bestseller-Liste des deutschen Angebots des Internetkaufhauses Amazon liegen in der Kategorie „Ferngesteuerte Drohnen“ DJI-Modelle jedoch auf den Plätzen zwei, drei und vier.

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DJI-Drohnen: In den USA darf man die Fluggeräte künftig nicht mehr kaufen

Ob Hobbypiloten, Unternehmen oder Behörden: Die Flugroboter der Firma mit Hauptsitz in Shenzhen sind in Deutschland beliebt. „DJI ist in allen Nutzungssegmenten derzeit der klare Marktführer, da gibt es keinen Zweifel“, sagt Gerald Wissel, Vorstandsvorsitzender vom Europäischen Verband für unbemannte Luftfahrt (UAV DACH), dieser Redaktion. Mit einfach nutzbaren und preislich attraktiven Angeboten habe sich DJI einen deutlichen Vorsprung am Markt erarbeitet. Allerdings habe DJI dabei von „massiver Unterstützung“ der chinesischen Regierung profitiert.

Sicherheitsexperten sehen die starke Stellung des chinesischen Konzerns mit Sorge – und verweisen auf aktuelle Entwicklungen in den USA. Die US-Regierung sah DJI-Drohnen bereits seit einer Weile als Sicherheitsrisiko an und argumentierte, dass von den Geräten aufgezeichnete Daten, Fotos und Videos nach China und dort in die Hände der Geheimdienste gelangen könnten. Die Bedenken gehen nun so weit, dass in den USA künftig nicht mehr nur das Militär, sondern auch Privatnutzer die Geräte nicht mehr kaufen können. DJI verkaufte bislang die Hälfte aller kommerziellen Drohen in den USA.

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DJI-Drohnen: USA gehen hart vor – was heißt das für Nutzer in Deutschland?

Die US-Behörde FCC (Federal Communications Commission) teilte am Montag mit, dass nicht nur DJI-Drohnen, sondern alle ausländischen Drohnen und kritische Komponenten in den USA verboten werden, da sie „nicht akzeptable Risiken für die nationale Sicherheit“ darstellten. DJI hatte bereits im Vorfeld gewarnt, die Entscheidung komme einem Verbot seiner neuen Produkte auf dem US-Markt gleich. Wer eine DJI-Drohne besitzt, kann diese aber nach FCC-Angaben weiter nutzen.

Sicherheitsbedenken sind mutmaßlich nicht die einzigen Beweggründe der US-Regierung. Handelsstreitigkeiten mit China spielen wohl ebenso eine Rolle wie das Anliegen, die einheimischen Drohnenfirmen vor der günstigen Konkurrenz aus China zu schützen. Ein faktisches Verbot von DJI-Drohnen in den USA auch für Hobbypiloten dürfte jedoch eine Diskussion über den Umgang mit den chinesischen Flugobjekten in Deutschland auslösen.

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Deutsche Sicherheitsbehörden nutzen DJI-Drohnen – weil die Alternative fehlt

Skeptisch wird die Firma schließlich auch hierzulande gesehen. Bedenken gegenüber DJI-Erzeugnissen gebe es seit deren Einführung, sagt ein Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) dieser Redaktion. „Im DLR finden DJI-Geräte unter anderem für sicherheitskritische Einsatzzwecke keine Anwendung.“ Weil es aber an einheimischen Alternativen fehlt, nutzen deutsche Sicherheitsbehörden dennoch DJI-Drohnen, reden aber nicht gerne darüber.

Kürzlich wurde bekannt, dass die Landespolizei in Mecklenburg-Vorpommern ausschließlich Drohnen des chinesischen Herstellers angeschafft hat. Welche Geräte die neue Drohnenabwehreinheit der Bundespolizei einsetzt, verrät das Bundesinnenministerium auf Anfrage „aus einsatztaktischen Erwägungen sowie aus Gründen der Geheimhaltung von Vertrags- und Geschäftsgeheimnissen“ nicht.

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Die Bundeswehr nutzt DJI-Drohnen bei Auslandseinsätzen

Die Bundeswehr berichtete 2022, dass die Matrice-Drohne von DJI bei den Pionieren „brandneu im Bestand“ sei. „Diese Drohne brauchen wir auch, denn sie wird in Mali bereits eingesetzt, und wir wollen hier am Heimatstandort unsere Soldaten auf diese Situation vorbereiten“, sagte der Leiter der Einsatzleitstelle Kampfmittelabwehr in Minden damals. Die Truppe vertraute also auf DJI-Geräte beim Auslandseinsatz in Mali.

DJI-Drohnen stehen Medienberichten zufolge nicht nur auf einer Liste („Whitelist“) der Bundeswehr mit handelsüblichen Drohnen, die unbedenklich für Übung und Ausbildung in nicht sensiblen Bereichen angeschafft werden können. Geräte des chinesischen Konzerns sollen auch beim Training der deutschen Brigade in Litauen an der Nato-Ostflanke zum Einsatz kommen. Aus „Gründen der militärischen Sicherheit“ will sich eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums nicht dazu äußern. Auch Angaben zur Anzahl von DJI-Drohnen im Bestand der Bundeswehr macht das Ministerium nicht.

Liefert DJI Spionagedaten an China? Unternehmen weist Verdacht zurück

Messe Agritechnica in Hannover
Eine DJI-Drohne zum Einsatz in der Landwirtschaft zur Verteilung von Pflanzenschutzmittel oder Dünger auf einer Messe.© picture alliance/dpa | Julian Stratenschulte

Die Bedenken gegenüber DJI scheinen aber zu wachsen. „Drohnen einiger weniger chinesischer Hersteller konnten über Rahmenverträge abgerufen werden“, sagt die Sprecherin dieser Redaktion, ohne DJI zu nennen. Aber: „Die Rahmenverträge sind ausgeschöpft.“ Die „Whitelist“ habe auch chinesische Drohnen geführt, die Liste werde jedoch nicht fortgeschrieben. Schließlich, betont das Ministerium, stünden mit den Drohnen Aladin und Falke der deutschen Firma Quantum Systems „nunmehr militärische Produkte aus nationaler Produktion zur Verfügung“.

DJI selbst weist alle gegen das Unternehmen gerichteten Vorwürfe zurück. Noch nie habe die Firma „auf Grundlage des chinesischen Nationalen Sicherheitsgesetzes oder des Nationalen Geheimdienstgesetzes“ die Aufforderung zur Übermittlung von Daten aus dem Ausland erhalten, teilt das Unternehmen dieser Redaktion mit. Nutzer könnten zudem selbst entscheiden, welche Daten gesammelt und mit DJI geteilt würden. „Standardmäßig werden keine Flugprotokolle, Fotos oder Videos mit den DJI-Servern synchronisiert.“

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Drohnenexperte fordert Sicherheitsdebatte wegen Drohnen aus China

Verbraucherschützer und Sicherheitsfachleute beurteilen solche Beteuerungen zurückhaltend, chinesische Firmen gelten als wahre Datenstaubsauger. Branchenexperten sehen DJI aber nicht nur wegen der befürchteten Datenweitergabe kritisch. Gerald Wissel vom Europäischen Verband für unbemannte Luftfahrt warnt vor der markbeherrschenden Stellung des Konzerns aus China in einem Bereich, der schließlich nicht nur militärisch, sondern auch im zivilen Bereich eine entscheidende Zukunftstechnologie sei: „Daher liegt es im fundamentalen Interesse Europas, an dieser Stelle unabhängig von anderen Weltregionen zu sein.“

Sönke Marahrens vom Institut für Sicherheitspolitik an der Universität Kiel (ISPK) sieht zudem mögliche Sicherheitsprobleme durch Hobbypiloten, da DJI unlängst aus seinen Drohnen die Steuerungssoftware entfernt hat, die das Fliegen in Sicherheitsbereichen wie einem Flughafen verhinderte. „Dadurch gibt es mehr Störungen durch Privatnutzer“, sagt der Bundeswehr-Oberst dieser Redaktion. Marahrens verweist auf die Debatte in den USA in Bezug auf DJI und fordert: „Aus Sicherheitsgründen sollten wir diese Diskussion auch führen.“