Drogendealer aus Greiz packt aus: Trotz Flucht durchs Fenster geschnappt

Gera.  Flucht in Badelatschen war schnell beendet: Beim Prozess am Landgericht nennt ein 31-Jähriger die Hintermänner in der Greizer Drogenszene.

Verteidiger Udo Freier (rechts) reicht dem Dolmetscher den Anklagesatz.

Verteidiger Udo Freier (rechts) reicht dem Dolmetscher den Anklagesatz.

Foto: Tino Zippel

Das Landgericht Gera hat am Montag das Verfahren gegen einen 31 Jahre alten Tischler begonnen. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft bewaffneten Drogenhandel vor. Die Polizei hatte ihn in Greiz ertappt – Kommissar Zufall half dabei.

Aus Angst vorm Gefängnis geflohen

Die Polizei wollte den Mann am 15. Februar um 20 Uhr in einer Wohnung festnehmen, weil er eine Geldstrafe nicht gezahlt hatte. „Ich hatte keine Bleibe, wir haben in der Wohnung Drogen konsumiert“, sagt der Angeklagte. Er habe Angst vorm Gefängnis gehabt und sei deshalb aus dem Fenster im Erdgeschoss gesprungen. „Ich bin gleich hinterher“, berichtet ein Polizist. Der Flüchtige sei nur mit T-Shirt, Jogginghose und Badelatschen bekleidet gewesen. „Er hat seine Badelatschen gleich nach zehn Metern verloren und ist barfuß weiter. Wir haben ihn recht schnell eingeholt.“

Mindestfreiheitsstrafe von fünf Jahren

Laut Anklagesatz fand die Polizei in seinem Rucksack, den er in der Wohnung zurückgelassen hatte, 160 Gramm Marihuana und eine geringe Menge Crystal. Zudem 470 Euro, Cliptütchen und eine Feinwaage. Nur zehn bis 20 Zentimeter neben dem Rucksack soll ein Schlagring mit einer neun Zentimeter langen Messerklinge gelegen haben, weshalb die Anklage auf bewaffneter Drogenhandel lautet. Die Mindestfreiheitsstrafe in einem solchen Fall beträgt fünf Jahre.

Drogenhandel eingestanden, aber Streit um Schlagring

Der Verteidiger des Angeklagten, Udo Freier, gibt eine Erklärung im Namen seines Mandanten ab. Demnach räumt er den Handel mit den Drogen ein, auch gehörte das Marihuana ihm. Allerdings bestreitet er, dass es sich um seinen Schlagring handelt. Auf Nachfrage der Vorsitzenden Richterin Andreas Höfs spricht der Angeklagte über seinen Lieferanten. Für 600 Euro habe er 160 Gramm gekauft. 100 Gramm seien für den Eigenbedarf bestimmt gewesen, 60 Gramm für einen Kumpel. Der Angeklagte sagt, dass er selbst drei bis fünf Gramm Marihuana pro Tag konsumiert habe. Ein Psychiater hat deshalb ein Gutachten über den Angeklagten erstellt, ob dieser in eine Entziehungs­anstalt eingewiesen werden sollte.

Das Gericht hat zwei weitere Verhandlungstage für diese Woche angesetzt, allerdings wird der Prozess wohl länger dauern. Der Gutachter und auch der Polizist, der den Rucksack entdeckt hatte, meldeten sich mit Erkältungssymptomen krank.