Ex-Feuerwehrmann gesteht Brandserie - mehr als 200.000 Euro Schaden

Gera .  Ein ehemaliger Feuerwehrmann hat gestanden, zahlreiche Brände in Großenstein bei Gera gelegt zu haben. Gegen den Mann war Anfang Juli Haftbefehl erlassen worden.

Ein Feuerwehrmann aus dem Landkreis Greiz muss sich für achtfache Brandstiftung, versuchte Brandstiftung in einem Fall und Sachbeschädigung in zwei Fällen vor dem Landgericht Gera verantworten.

Ein Feuerwehrmann aus dem Landkreis Greiz muss sich für achtfache Brandstiftung, versuchte Brandstiftung in einem Fall und Sachbeschädigung in zwei Fällen vor dem Landgericht Gera verantworten.

Foto: Sibylle Göbel

Er wirkt wie der nette junge Mann von nebenan: weißes Hemd, kurz geschnittenes dunkles Haar, eine schwarze Hornbrille. Zudem ist er intelligent und hat gute Umgangsformen. Doch dem 22-jährigen Kevin R. aus Großenstein (Landkreis Greiz), der in Handschellen in den Saal 103 geführt wird, werden schwere Taten zur Last gelegt: Der Bundeswehrsoldat, der selbst Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr seines Wohnortes war, soll zwischen Juli 2018 und Juni 2019 elfmal Feuer gelegt haben.

Zunächst brannten ein leerer Schafstall, Schuppen und Gartenlauben, in diesem Jahr soll Kevin R. dann unter anderem eine mit Heu und Stroh gefüllte Lagerhalle der Agrargenossenschaft und ein Vereinsheim in Brand gesteckt haben. Allein in diesen beiden Fällen entstand ein Schaden von jeweils rund 100.000 Euro. Verletzt wurde niemand.

Den Drang verspürt, „böse Sachen zu machen“

Warum er zum Feuerteufel mutierte, wenn er freitags aus der Kaserne nach Hause kam, kann sich Kevin R. selbst nicht erklären. Er sei, sagte er am Dienstag zum Prozessauftakt vor der 3. Strafkammer des Landgerichts Gera, „sehr angetrunken“ gewesen und wisse nicht, was ihn geritten habe. Allerdings habe er, wenn er getrunken hatte, stets den Drang verspürt, „böse Sachen zu machen“. Obwohl er sich wegen des Alkohol- und später auch Drogenkonsums nur noch bruchstückhaft an die Taten erinnern könne, räumte er diese unmittelbar nach Verlesen der Anklage ein. R. begründet sein Geständnis damit, dass er jeweils am Morgen nach der Tat mit Reue- und Schuldgefühlen zu kämpfen hatte und sich deshalb sicher sei, dass nur er die Feuer gelegt haben kann.

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Das Gericht unter Vorsitz von Richterin Christina Lichius will, indem es die Taten Punkt für Punkt durchgeht und mit der Sachverständigen Helmburg Göpfert-Stöbe eine Gerichtsgutachterin hört, herausfinden, ob R.s Alkoholkonsum tatsächlich so exzessiv war, wie von ihm beschrieben. Möglich ist auch, dass bei dem Angeklagten eine psychische Erkrankung vorliegt. Die Gutachterin kann dann zu einer Einweisung entweder in eine Entzugsklinik für suchtkranke Straftäter oder in eine psychiatrische Einrichtung raten. Um die Alkoholmengen, die R. konsumiert haben will, besser bewerten zu können, hat die 3. Strafkammer am Dienstag zudem einen Rechtsmediziner hinzugezogen.

„wahllos“ die späteren Tatorte aufgesucht

Bei seiner Befragung berichtete Kevin R., dass er an den Freitagnachmittagen zwar nüchtern heimfuhr, sich dort aber gegen 16 Uhr das erste „Zuhause-Bier“ gönnte und damit das Besäufnis einläutete. Obwohl er wisse, dass er nicht mehr als acht halbe Liter Bier vertrage, habe er über dieses Limit hinaus getrunken. Trotz Ausfallerscheinungen habe er dann „wahllos“ die späteren Tatorte aufgesucht und dort mit einem Feuerzeug Gegenstände in Brand gesetzt. Staatsanwalt Martin Zschächner sagte, dass R. sich stets so lange vor Ort aufgehalten habe, bis er sicher gewesen sei, dass es richtig brennt. Auf die Schliche seien ihm die Ermittler letztlich gekommen, nachdem Augenzeugen beobachtet hatten, dass R. als Feuerwehrmann schon einsatzbereit war, als der Alarm erst ausgelöst wurde. Außerdem fiel auf, dass es nur brannte, wenn der Soldat am Wochenende zu Hause war.

Für den Prozess sind weitere zehn Verhandlungstermine geplant. Brandstiftung kann mit einer Freiheitsstrafe zwischen einem bis zehn Jahren bestraft werden – pro Fall.

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