In Geschäft in Gera auf Kartoffeln uriniert: Gerichtsprozess mit Hindernissen

Gera.  Ein 51-Jähriger ist am Landgericht Gera wegen mehrerer Tatvorwürfe angeklagt, aber der Prozess kann nicht wie geplant beginnen.

Ein Mann soll in einem Geraer Geschäft auf Kartoffeln uriniert haben.

Ein Mann soll in einem Geraer Geschäft auf Kartoffeln uriniert haben.

Foto: Tino Zippel

Das Landgericht Gera soll einem 51-Jährigen den Prozess machen, der unter anderem in einem Geraer Geschäft auf die ausgelegten Kartoffeln uriniert haben soll. Doch das Verfahren konnte nicht wie geplant am Donnerstag starten: Der Angeklagte befindet sich wegen einer akuten Psychose in der Klinik und ist nicht verhandlungsfähig.

Dem eigenen Vater Pfefferspray in die Augen gesprüht

Angeklagt ist der Mann wegen drei Tatvorwürfen. Die Staatsanwaltschaft legt ihm zur Last, am 28. Mai 2019 gegen 11.45 Uhr im Rahmen eines Streits einen Zeugen bedroht zu haben. Er soll gesagt haben, diesen aus dem Fenster eines Hauses zu werfen, ihm die Knochen zu brechen und Leute gegen ihn aufhetzen, die dann den Rest erledigen. Zudem betonte er laut Anklage, dass er wisse, wo der Zeuge wohne. Er werde ihm auflauern, soll er angekündigt haben. Im August 2019 soll der Mann seinem Vater Pfefferspray in die Augen gesprüht haben. Am 8. November, so die Anklage, habe er auf Kartoffeln in dem Geraer Laden uriniert.

So reagiert die erste Strafkammer

Der Angeklagte befand sich zuletzt auf Wanderschaft und wurde verletzt gefunden. Nach der Einlieferung ins Krankenhaus in Saalfeld stellten die Ärzte eine akute Psychose fest, wegen der der Angeklagte derzeit behandelt wird. Für ein Strafverfahren ist er nicht verhandlungsfähig. Deshalb haben der Vorsitzende Richter Uwe Tonndorf und seine erste Strafkammer das Verfahren vorläufig eingestellt.

Grundsätzlich findet eine Hauptverhandlung im Strafverfahren nicht ohne den Angeklagten statt. Eine solche Möglichkeit ist hingegen in einem Sicherungsverfahren gegeben, das bei fehlender Verhandlungsfähigkeit des Beschuldigten trotzdem beginnen kann. Darin entscheidet das Gericht aber nicht über eine Strafe für die verübten Taten, sondern ob wegen der Gefahr weiterer schwerer Straftaten eine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Fachkrankenhaus notwendig ist. Das Gericht darf ein Strafverfahren nicht in ein Sicherungsverfahren überführen.