Das Land Thüringen war vor 1920 auf neun Einzelstaaten aufgeteilt und zum Teil stark zerklüftet. Nicht weniger als 94 En- und Exklaven befanden sich früher einmal im heutigen Thüringen, von denen weitgehend nichts mehr zu sehen ist. Einzig Tausende von alten Grenzsteinen zeugen noch vom früheren Flickenteppich, der das Land überzog.

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Bekannt ist sicherlich, dass einst Erfurt und auch weite Teile Nordthüringens, allen voran das Eichsfeld, die Kreise um Nord- und Mühlhausen sowie Sömmerda zu Preußen gehörten. Durch den preußisch-französischen Vertrag vom 23. Mai 1802, dem der Friede von Lunéville (9. Februar 1801) vorausgegangen war, erhielt Preußen die genannten Gebiete. Suhl und Schleusingen gehörten auch zum thüringischen Preußen. Ersteres war seit dem Wiener Kongress von 1815 eine Exklave der preußischen Provinz Sachsen.

Mitunter gab es kuriose und heute weniger bekannte Gebietszugehörigkeiten, die teils über Jahrhunderte Bestand hatten. So gehörte etwa die Herrschaft Schmalkalden, die sich grob gesehen von Brotterode im Norden über Schmalkalden selbst bis nach Steinbach im Südosten erstreckt, seit 1360 zu einer Hälfte zur Landgrafschaft Hessen, zur anderen zur Grafschaft Henneberg. Nach dem Letztere ausgestorben war, wechselte das gesamte Gebiet 1583 zur nunmehrigen Landgrafschaft Hessen-Kassel und blieb bis 1866 in deren Besitz. Nach dem Deutschen-Krieg wurde es dann von Preußen annektiert, sodass die Region rund um Schmalkalden 1868 ein Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau wurde und fortan dem Regierungsbezirk Kassel angegliedert war. Schmalkalden und sein Umland blieben auch nach der Gründung des Landes Thüringen preußisch, bis die Provinz Hessen-Nassau zum 1. Juli 1944 aufgelöst wurde und der Kreis nun dem Regierungsbezirk Erfurt und damit der preußischen Provinz Sachsen angehörte. Der spätere Kreis Schmalkalden entstand 1952, der heutige Landkreis Schmalkalden-Meiningen schließlich 1994.
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Eine weitere Besonderheit bildete das Gebiet um Kaulsdorf an der Saale. Seit dem ausgehenden Mittelalter wechselte die Herrschaft über den Ort und die unmittelbare Umgebung stetig. 1791 fiel diese Exklave an Preußen. Nach der Niederlage 1806 bei Jena und Auerstedt annektierte Napoleon Bonaparte das Gebiet und gab es 1810 dem mit ihm verbündeten Königreich Bayern. 1866 standen die Wittelsbacher im „Bruderkrieg“ auf der Verliererseite: Kaulsdorf wurde wieder preußisch und gehörte bis 1944 nicht zu Thüringen.
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Mitunter lagen die Exklaven auch weit entfernt vom eigentlichen Herrschaftsgebiet. So gehörte der heutige Jenaer Stadtteil Lichtenhain, einstmals eines der vielen „Bierdörfer“ vor den Toren der Stadt, zu Sachsen-Altenburg (bis 1672), anschließend bis 1826 zu Sachsen-Coburg-Altenburg und schlussendlich bis 1912 zu Sachsen-Meiningen.

Gleiches gilt auch für den kleinen Ort Vierzehnheiligen, der durch die Schlacht von 1806 Bekanntheit erlangte. Auch er gehörte von 1826 bis 1920 zu Sachsen-Meiningen und war wie Lichtenhain durch Sachsen-Weimar-Eisenachisches Territorium umschlossen.









