Humboldt-Jubiläum: Lindenau-Museum zeigt „Altenburg und die Welt“

Altenburg  Anlässlich des Humboldt-Jubiläums wird im Altenburger Land die dritte Ausstellung über den großen Gelehrten, Star und Wegbereiter eröffnet.

Kuratorin Sabine Hofmann aus dem Lindenau-Museum in Altenburg in der neuen Ausstellung „Altenburg und die Welt“ mit dem kolorierten Kupferstich „Le Chimborazo“ von Jean-Thomas Thibaut nach einer Skizze von Alexander von Humboldt.

Kuratorin Sabine Hofmann aus dem Lindenau-Museum in Altenburg in der neuen Ausstellung „Altenburg und die Welt“ mit dem kolorierten Kupferstich „Le Chimborazo“ von Jean-Thomas Thibaut nach einer Skizze von Alexander von Humboldt.

Foto: Ulrike Kern

Als Alexander von Humboldt 1804 von seiner großen fünfjährigen Reise durch Amerika in seine Wahlheimat Paris zurückkehrt, ist er ein Star, dessen Leistungen von Laien und Fachleuten bewundert werden. Umgehend setzt er sich daran, seine unterwegs erhobenen Messdaten und Aufzeichnungen als Publikation vorzubereiten, wofür Humboldt natürlich nicht nur Geld, sondern auch die Unterstützung anderer Wissenschaftler braucht. Einer von ihnen ist Bernhard August von Lindenau (1779 bis 1854), zu dieser Zeit „ein mir lange befreundeter, hochverdienter Astronom“ in Gotha, wie Humboldt schreibt.

Bereits vor ihrer persönlichen Begegnung im März 1812 in Paris standen die beiden deutschen Forscher im Briefaustausch. Viele Spuren der wechselseitigen Anregung finden sich, auch wenn der Schriftverkehr der beiden nur noch teilweise erhalten ist. Denn Lindenau ließ seinen kompletten Briefwechsel vernichten, wie die stellvertretende Direktorin des Museums und Kuratorin der neuen Ausstellung „Altenburg und die Welt“ im Lindenau-Museum erzählt. Hier ist seit gestern und bis zum 1. Januar 2020 die nunmehr dritte von vier Ausstellungen des groß angelegten Kooperationsprojekts im Altenburger Land anlässlich von Humboldts 250. Geburtstag zu sehen.

Die vier Museen - Naturkundemuseum Mauritianum, Residenzschloss Altenburg, Lindenau-Museum und Burg Posterstein - nehmen gemeinsam das Leben Humboldts und sein Wirken auf die Region in den Blick. Dabei wird deutlich, dass alles mit allem in Zusammenhang steht und Humboldt immer wieder den Mittelpunkt bildet.

Humboldt zog alle mit seinen Berichten in den Bann

Der Einfluss des großen Gelehrten reichte bis in die kleinsten deutschen Staaten und Städte - auch bis nach Altenburg. Von ihm wurden nicht nur bedeutende Wissenschaftler der Region, wie Alfred Brehm oder Anton Goering, inspiriert, sondern auch die Mitglieder der Naturforschenden Gesellschaft des Osterlandes und der Herzog von Sachsen-Altenburg. Bürger wie Regenten fühlten sich angespornt, mit der neuen Welt in Austausch zu treten, Sammlungen anzulegen, diese zu erforschen, zu zeichnen und zu publizieren.

1809 bittet Humboldt also Lindenau um die Bereitstellung einer Karte von Mittelamerika, und Lindenau wiederum bespricht die Bände des großen Reisewerks in der wichtigen, von ihm in Gotha herausgegebenen astronomisch-geografischen Zeitschrift „Monatliche Correspondenz“. Lindenau, der selbst nur Europa bereist, verfolgt die Erkundung ferner Regionen genau und kann die Beobachtungsergebnisse der Forschungsreisenden kaum erwarten. Und natürlich beginnt Lindenau die Publikationen zu sammeln - nicht nur jene von Humboldt, sonder auch Ergebnisse der Nachfolger Humboldts in Europa. Dazu gehört in erster Linie Georg Forster, dessen berühmte Zeichnungen aus der Forschungsbibliothek Gotha in digitaler Form mit Präparaten der abgebildeten Vögel aus dem Naturkundemuseum der Stiftung Schloss Friedenstein Gotha verglichen werden können. Die Darstellungen von James Cooks letzter Weltumseglung und die genauso seltenen Kupferstiche aus den Berichten des Franzosen Jean-François de Galaup de La Pérouse über seine Weltreise inspirierten Humboldt und Lindenau gleichermaßen.

Fünf der insgesamt 30 Bände der großen Dokumentation Humboldts von seiner Amerika-Reise befinden sich in Lindenaus Kunstbibliothek und sind ebenfalls Teil der Ausstellung in den oberen Museumsräumen. 40 Grafiken, 13 Reisebücher und 17 Tierpräparate werden den Besuchern präsentiert. Außerdem werden die berühmten Forster-Zeichnungen aus der Forschungsbibliothek Gotha und die Erstausgabe von Humboldts „Vues des Cordillères“ digital präsentiert.

Vita von Humboldt

  • Alexander von Humboldt wurde am 14. September 1769 in Berlin geboren.
  • Neben seinen Verdiensten für die Biologie wurde er vor allem dafür bekannt, dass er die Geographie als empirische Wissenschaft etablierte.
  • Auf zahlreichen Forschungsreisen erkundete er einen Großteil der westlichen und östlichen Welt. Dabei sammelte er nicht nur wichtige Erkenntnisse über die jeweilige Flora und Fauna, sondern leistete einen wesentlichen Beitrag zur Vermessung und Kartographierung der Erde. So erhob Alexander von Humboldt etwa in Mexiko eine Vielzahl von Daten, für eine geographische Studie über das damalige Königreich Neu-Spanien, die zentral für seine moderne Form der geographischen Arbeit werden sollte.
  • Er bereiste unter anderem die Weiten Russlands, große Teile Süd- wie Nordamerikas. Bei seinen Reisen knüpfte er ein enges Netz mit internationalen Wissenschaftlern und gehörte somit zu den Pionieren einer global denkenden Wissenschaft.
  • Am 6. Mai 1859 verstarb Humboldt in Berlin. Heute ist nach ihm die dortige Alexander von Humboldt Universität benannt, deren Geographisches Institut zu den weltweit wichtigsten Ausbildungsstätten der empirischen Geographie gehört.
  • Zu sehen bis 1. Januar 2020. Geöffnet Dienstag bis Freitag, 12 bis 18 Uhr; Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10 bis 18 Uhr.­ Zur Ausstellung erscheinen ein Katalog und ein originalgrafisches Plakat.

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