Theater in Jena: Grundfreiheiten mit Fragezeichen

Jena  Moritz Schönecker und sein Ensemble geben mit großer Inszenierung Abschied auf der Hauptbühne des Theaterhauses.

Noch einmal volles Haus auf den Brettern: Das Ensemble tritt letztmals in voller Gänze bei einer Inszenierung auf der Hauptbühne des Theaterhauses in Aktion. Heute ist es zu erleben bei der Premiere des Stücks „In der Republik des Glücks“ von Martin Crimp.

Noch einmal volles Haus auf den Brettern: Das Ensemble tritt letztmals in voller Gänze bei einer Inszenierung auf der Hauptbühne des Theaterhauses in Aktion. Heute ist es zu erleben bei der Premiere des Stücks „In der Republik des Glücks“ von Martin Crimp.

Foto: Michael Groß

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Es wird nicht einfach, ja sogar eine Herausforderung – für die acht Schauspieler gleichermaßen wie für das Publikum. „Aber es lohnt sich“, versichert Dramaturgin Diana Insel vom Theaterhaus Jena und meint die Premiere von „In der Republik des Glücks“ heute Abend auf der Hauptbühne. Dann nämlich können die Besucher begutachten, was das Ensemble des Theaterhauses unter Regisseur Moritz Schönecker aus dem Stück des zeitgenössischen englischen Dramatikers Martin Crimp gemacht hat.

Immerhin lautet der Untertitel „Ein unterhaltsamer Abend in drei Teilen“. Für Diana Insel ist das nicht nur so daher gesagt, sondern soll für jeden individuell selbst erlebbar und auslegbar sein. Denn in dem Stück gibt es keine endgültigen Klarheiten. Einerseits werde vieles sehr real, fast naturalistisch geschildert, andererseits werde alles gleich wieder völlig umgeworfen und zerstört. Auch Sprache ist nichts Absolutes, sondern hinter jeder Aussage, jeder Äußerung steckt Ungewissheit: Wie ist etwas gemeint? Hier scheint jeder einzelne Besucher gefordert zu sein, das seiner Ansicht nach Entscheidende mitzunehmen.

Abrechnung mit Familie und Freiheitsdebatte

Fakt ist jedenfalls, so die Dramaturgin der Jenaer Inszenierung, dass der Autor Crimp einen schwarzhumorigen Abgesang auf die üblichen Vorstellungen von Familie, Glück und Gesellschaft geschrieben habe. Er verbinde dabei unterschiedlichste Theaterformen zu einer extremen Welt, die Grausamkeiten unter dem Deckmantel vertrauter Gemeinschaft enttarnen will.

Nur so viel zum Geschehen: Im ersten Teil wird eine Familienfeier zu Weihnachten von der plötzlichen Ankunft eines Onkel Bob und seiner Frau Madeleine gestört. Beide wollen mit der Familie abrechnen. Im zweiten Teil gibt es keine Handlung, sondern einen ziemlich bewegten Disput um die fünf Grundfreiheiten des Individuums. Und im dritten Teil schließlich tauchen Onkel Bob und Madeleine wieder auf, dann wahrscheinlich als Herrscherpaar, wie man vermuten könnte. Denn sie halten eine Ansprache an „ihre Bürger“, was letztlich in einen 100-Prozent-Happy-Song mündet.

Das reichlich zwei Stunden währende Geschehen ist die Abschiedsinszenierung von Moritz Schönecker. Es wird das letzte große Stück in kompletter Besetzung des Theaterhaus-Ensembles auf der Hauptbühne sein, bevor die derzeitige Mannschaft um Schönecker das Theaterhaus nach dem Sommerspektakel verlassen wird. Dass Schönecker dafür nun schon zum dritten Mal einen Text von Martin Crimp auf die Jenaer Bühne hat, dürfte kein Zufall sein.

Heute Premiere am Theaterhaus Jena, 20 Uhr. Weitere Vorstellungen 27. Januar, 1., 3., 22. und 24. Februar, jeweils 20 Uhr

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