"Für uns Sänger wäre eine Corona-Infektion eine Katastrophe"

Pamplona/Gera.  Leben im Lockdown: Sängerin Miriam Zubieta beschreibt, wie sie vor allem zu Krisenbeginn große Angst hatte.

 „Heiterkeit und Fröhlichkeit“ mit Miriam Zubieta.

„Heiterkeit und Fröhlichkeit“ mit Miriam Zubieta.

Foto: Ronny Ristok

Besonders zu Beginn der Pandemie hatte ich große Angst. Als nur wenig über das Virus bekannt war und so viele Menschen starben. Mein Heimat- land Spanien war ja im Gegensatz zu Deutschland im Frühjahr sehr stark betroffen. Jetzt ist es umgekehrt. Für uns Sänger wäre eine Corona-Infektion eine Katastrophe.

Ein schwerer Verlauf mit Lungenentzündung könnte langfristige Folgen haben. Die Lunge ist ein wichtiger Bestandteil des Gesangssystems. Es basiert nicht nur auf den Stimmbändern, sondern nutzt auch Lunge, Bauch und Rippen. Die Stimme ist ein sehr sensibles Konstrukt. Sie ist nur fit, widerstandsfähig und kraftvoll, wenn der ganze Körper gesund ist, physisch wie emotional.

Ich habe deshalb schon lange vor Corona bei größeren Reisen, etwa mit dem Flugzeug, Mundschutz getragen. Auch wenn ich komisch angeschaut wurde. Durch die Klimaanlagen hatte ich mir sehr oft eine Erkältung eingefangen. Die Angst und Unsicherheit, die ich zu Beginn der Corona-Krise verspürte, hatte jedoch nicht nur mit meiner Stimme zu tun.

Damals habe ich mich sehr stark informiert - zu viel sogar. Ich habe täglich die Todeszahlen verfolgt. Das hat mich sehr runtergezogen. Irgendwann war klar: Ich muss etwas ändern. Also habe ich mich meinen Hobbys gewidmet, für die im Alltag kaum Zeit bleibt. Ich habe Klavier gespielt, Filme geschaut und viele Bücher gelesen.

Natürlich habe ich auch jeden Tag meine Stimme trainiert und neue Rollen einstudiert wie "La Sonnambula" von Vincenzo Bellini. Das steht aktuell auch wieder an, seit die Thüringer Theater den Probenbetrieb einstellen mussten. Nur zwei Wochen Probenzeit Letztendlich war das Jahr 2020 geprägt von krassen Aufs und Abs. Von extrem ruhigen Zeiten im Lockdown und intensiven Phasen während der Lockerungen. Für Rossinis "Barbier von Sevilla" hatten wir zum Beispiel nur zwei Wochen Probenzeit. Das war schon sehr anspruchsvoll.

Auch das Spiel unter Corona-Regeln fühlt sich sehr seltsam an. Wenn man singt, muss man vier Meter Abstand halten. Auf diese Weise große Gefühle zwischen den Figuren entstehen zu lassen, ist gar nicht einfach. Und auch die spärlich besetzten Säle sind gewöhnungsbedürftig. Nichtsdestotrotz waren die Zeiten im Sommer und Herbst, in denen wir endlich spielen durften, wunderbar.

Ich habe das Publikum unglaublich vermisst. Ich wollte ja auch von klein auf auf der Bühne stehen. Schon im Mutterleib wurde ich quasi mit der Leidenschaft für Musik infiziert. Meine Mutter war ein großer Heavy-Metal-Fan. Sie hat mich mithören lassen, indem sie die Kopfhörer auf ihren Bauch legte. Gerade besuche ich auch meine Familie in Spanien. Wegen Corona habe ich sie über ein Jahr nicht gesehen. Sie hat mir sehr gefehlt, aber der Respekt vor der Krankheit war größer. Corona wird uns sicher noch einige Zeit begleiten.

Deshalb ist es wichtig, dass wir alle gemeinsam gegen das Virus kämpfen und uns konsequent an die Regeln halten. Dann werden wir Theaterleute endlich wieder für die Menschen da sein können, um sie aus ihren Alltagssorgen herauszureißen und glücklich zu machen.