Millionen lieben seine Filme: Trauerfeier für Thüringer Filmproduzenten in Jena

Jena  Trauerfeier für den Thüringer Filmproduzenten Tom Zickler ist am Freitag in Jena geplant. Das Studio Babelsberg plant Memorial-Veranstaltung.

Tom Zickler im Jahr 2013 zur Premiere des Films „Keinohrhase und Zweiohrküken“. Der Produzent wurde am 1. Mai 1964 in Weimar geboren. Seine ersten acht Jahre verbrachte er in Gotha, danach zog er mit den Eltern und Bruder Jörg nach Jena-Lobeda/Ost, besuchte hier die Polytechnische Oberschule „Karl Liebknecht“, später die Erweiterte Oberschule „ Johannes R. Becher“.

Tom Zickler im Jahr 2013 zur Premiere des Films „Keinohrhase und Zweiohrküken“. Der Produzent wurde am 1. Mai 1964 in Weimar geboren. Seine ersten acht Jahre verbrachte er in Gotha, danach zog er mit den Eltern und Bruder Jörg nach Jena-Lobeda/Ost, besuchte hier die Polytechnische Oberschule „Karl Liebknecht“, später die Erweiterte Oberschule „ Johannes R. Becher“.

Foto: Britta Pedersen/dpa

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Er war einer der erfolgreichsten Filmproduzenten der deutschen Nachkriegsgeschichte, wenn nicht gar der erfolgreichste. Im Gespann mit Til Schweiger ermöglichte der Thüringer Thomas „Tom“ Zickler vielen deutschen Blockbustern die Umsetzung, darunter „Honig im Kopf“, „Keinohrhasen“, „Kokowääh“ und „Knockin’ on Heaven’s Door“. Nach kurzer schwerer Krankheit starb der Vater eines Sohnes am 2. September im Alter von 55 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Zur Trauerfeier an diesem Freitag in Jena-Cospeda wünscht sich die Familie anstelle von Blumen eine Spende zugunsten der Thüringischen Krebsgesellschaft. Und auch die Studio Babelsberg AG plant in Berlin eine Memorial-Veranstaltung.

Tom Zickler erbt seine Leidenschaft für den Film von Oma und Vater, zwei begeisterten Kinogängern. „Wir haben ihn auch zeitig mit Fotoapparaten ausgestattet“, erinnert sich Vater Bernd im Gespräch mit unserer Zeitung. In Schule und Armee wirkt er in Fotozirkeln mit.

Mit 17 – in der elften Klasse – bewirbt sich der Lehrersohn bei der Filmhochschule in Potsdam-Babelsberg als Kameramann und wird angenommen. Zuvor muss er jedoch noch zur Armee. Als dort festgestellt wird, dass er farbenblind ist, verliert er den Studienplatz. „Er erzählte uns, er konnte am Computer die guten Raketen nicht von den bösen unterscheiden“, sagt Bernd Zickler.

Aber so leicht lässt sich Sohn Tom nicht von seinem Traumberuf abbringen. Stattdessen heuert er als Aufnahmeleiter bei der Defa an – wobei er an diesen Job nur über einen kleinen Trick gelangt, wie er einmal den „Potsdamer Neuesten Nachrichten“ verriet. Die Stelle, so wird ihm beim Vorstellungsgespräch erklärt, könne er nur kriegen, wenn er eine Wohnung in Potsdam habe. Geistesgegenwärtig erfindet er eine Tante Inge in der Steinstraße, „der einzige Straßenname, den ich mir bei der Busfahrt gemerkt hatte“. Die erste Zeit lebt er dort denn auch sehr abenteuerlich: Zunächst schläft er im Bahnhof. Nach vier Wochen hat er erste Kontakte bei der Defa geknüpft, sodass er im Requisitenfundus oder im Maleratelier übernachten kann.

Über den beruflichen Umweg bei der Deutschen Film AG gelingt es Tom Zickler 1988 schließlich doch noch, einen der begehrten Studienplätze an der Filmhochschule in Babelsberg zu ergattern, nun in der Fachrichtung Produktion.

Drei Jahre nach dem Studium wird gleich sein erster Kinofilm zum Publikumshit: „Knockin’ on Heaven’s Door“ sehen drei Millionen Zuschauer in nur 18 Monaten. Der Film erzählt temporeich und mit Humor von zwei todgeweihten Krebspatienten (Til Schweiger und Jan Josef Liefers), die noch einmal das Meer sehen wollen. „Tom ist in Garmisch gestorben, er wollte noch einmal die Berge sehen“, sagt Mutter Christiane Zickler. „So schließt sich der Kreis.“

Nach dem überwältigenden Karrierestart folgen für Tom Zickler allerdings Jahre des Auf und Ab mit teils großen finanziellen Problemen. Nicht ungewöhnlich in der Branche, wie Vater Bernd sagt. Als sein Sohn 2004 mit Til Schweiger die Produktionsgesellschaft Bare­foot Films gründet – man hatte bereits „Knockin’ on Heaven’s Door“ gemeinsam produziert – ist das der Beginn einer überaus schöpferischen Zusammenarbeit und Freundschaft. Auf den Film „Barfuß“ (2005) folgen nun Publikumsmagnete im Ein-bis-zwei-Jahrestakt. „Keinohrhasen“ sehen 6,3 Millionen Zuschauer, „Honig im Kopf sogar 7,3 Millionen.

2010 produziert Zickler zudem den Film „Friendship!“, der autobiografische Züge trägt. Das Roadmovie handelt von zwei Freunden, die nach dem Mauerfall in die USA reisen. Szenen wie die Strip-Sequenz, in der die Freunde sich Russenuniformen besorgen und für Geld die Hüllen fallen lassen, hat Zickler tatsächlich in Amerika erlebt. „Tom hatte unglaubliches Fernweh“, erzählt der Vater.

Dennoch kehrt er immer wieder nach Hause zurück, besucht die Eltern in Jena. Für die dortige Scheunenbühne, deren Ensemblemitglied Bernd Zickler ist, vermittelt Sohn Tom 2016 eine großzügige Spende: Die Scheune benötigt eine Heizung, für die die Produktionsfirma Bare­foot Films 7500 Euro beisteuert.

Zicklers letzter Film, eine Kooperation mit Studio Babelsberg, weist noch einmal Parallelen zu seinem Leben auf. „Traumfabrik“ schildert die Liebesgeschichte des Defa-Komparsen Emil zu einer französischen Tänzerin. Als der Bau der Mauer die beiden trennt, schmiedet Emil einen groß angelegten Plan, um die Tänzerin zurück in die DDR zu holen. Zur Premiere in diesem Sommer im Berliner Zoo-Palast kamen 1500 Gäste. Tom habe, von der tödlichen Krankheit noch nichts ahnend, bis 5 Uhr morgens getanzt, sagt Vater Bernd.

Er habe das Leben stets in vollen Zügen ausgekostet und eine Menge erlebt. Auch in der Oppositionsbewegung engagierte er sich, drehte an verbotenen Orten in der DDR: Mit einem Freund filmte er etwa den Teersee von Rositz, eine der größten Umweltsünden Ostdeutschlands. Die Aufnahmen lagerten die beiden vorübergehend bei Zicklers Eltern in Lobeda/Ost, bevor sie über einen geheimen Autobahn-Briefkasten in den Westen geschmuggelt wurden.

Kurz vor seinem Tod konstatierte Tom Zickler: „Ich hatte ein gutes Leben.“ Ein Satz, der seinen Eltern in ihrer Trauer viel Kraft gibt. Seine letzte Ruhe findet er in der Gothaer Familiengrabstätte.

Bekannte Filme

  • Knockin’ on Heaven’s Door,1997
  • Barfuss, 2005
  • Keinohrhasen, 2007
  • Zweiohrküken, 2009
  • Friendship!, 2010
  • Kokowääh, 2011
  • Kokowääh 2, 2013
  • Honig im Kopf, 2014
  • Traumfabrik, 2019

Spendenkonto: Thüringische Krebsgesellschaft, IBAN DE29 3702 0500 0007 1747 00, Kennwort: Tom

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