Egotronic in Ostthüringen: „Man muss alles tun, um die Nazis aufzuhalten“

Saalfeld/Jena.  Die Electropunk-Band Egotronic gibt zwei Konzerte in Saalfeld und Jena. Sänger Torsun Burkhardt äußert sich vorab zur politischen Lage in Thüringen.

Torsun Burkhardt

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Foto: Andreas Hornoff

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Die Berliner Electropunk-Band Egotronic spielt am Freitag, 6. Dezember, in Saalfeld. Ende Februar 2020 kommen die wegen ihrer Haltung umstrittenen Musiker zudem nach Jena. Wir haben vorab mit Sänger Torsun Burkhardt gesprochen.

Saalfeld ist einer der kleineren Orte auf Eurer Tour. Warum spielt Ihr dort?

Torsun Burkhardt: Es ist wichtig, nicht nur in den großen Städten zu spielen. Gerade in Saalfeld gibt es viele Jugendliche und Leute, die sich antifaschistisch engagieren. Die gilt es zu unterstützen. Das trifft auch auf Jena zu.

Dort spielt Ihr im Februar kommenden Jahres.

Ich mag die Stadt. Dort gibt es viele Leute, die sich dem gesellschaftlichen Rechtsruck entgegenstellen und dabei keinen leichten Stand haben. Dennoch bleiben sie stabil. Davor habe ich einen Heidenrespekt. Das Kassablanca, in dem wir spielen, ist zudem ein wunderbarer Laden mit tollen Leuten.

Das neue Album „Ihr seid doch auch nicht besser“ ist Ausdruck Eurer musikalischen Entwicklung. Statt Electro-Punk ist jetzt fast klassischer Punkrock zu hören.

Ich hatte einfach Bock, nicht mehr nur Rechnermusik zu machen. Es wurde von Album zu Album immer punkiger, auf dem aktuellen sind die Gitarren auch nochmals schmutziger.

Wird Eure Musik dadurch bekannter?

Darum geht es mir nicht. Es sind bei unseren Konzerten jetzt halt andere Leute da als früher. Solche, die mehr auf handgemachte Musik stehen.

Wie viel Torsun Burkhardt steckt in den Texten von Egotronic?

Viel. Ich schreibe alle Texte selbst, und sie spiegeln meine Meinung und die Themen wider, die mich interessieren. Und das ist nun mal Politik.

Verfolgt Ihr die aktuelle politische Lage in Thüringen?

Ja. Das Ergebnis der Landtagswahl ist verheerend, wenn man bedenkt, dass an der Spitze der AfD mit Björn Höcke ein Mann steht, den man mit Fug und Recht als Faschisten bezeichnen kann. Man muss alles tun, um die Nazis aufzuhalten.

In dem Song „Kantholz“ heißt es: „Doch gibt es Gegenwehr ist das Geheule groß. Was interessiert es mich wenn mal ein Rechter fällt?“ Ihr seht Gewalt also als legitimes Mittel der politischen Auseinandersetzung an. Dafür gibt es heftige Kritik.

Ich bin definitiv kein Fan von Gewalt. Wenn möglich, muss man Konflikte ohne Gewalt lösen. Aber es geht halt nicht immer ohne, das zeigt schon ein Blick in die Geschichte. Es gilt, Nazis daran zu hindern, dass zu tun, was sie tun würden, wenn man sie lässt. Gut zureden hilft da leider nicht.

Dennoch: Ihr werdet, wie andere Linke auch, für diesen Standpunkt kritisiert.

Es ist gegen jede Vernunft, wenn links und rechts immer gleichgesetzt werden. Es verharmlost einfach den rechten Terror. Bei der CDU hat man beispielsweise den Eindruck, dass ihr der Kampf gegen links wichtiger ist, obwohl mit Walter Lübcke ein Parteikollege von einem Nazi erschossen wurde.

Ist es trotzdem nicht besser, allein Musik als Mittel der politischen Auseinandersetzung zu wählen?

Musik ist das, was mir Spaß macht, wo ich in den Texten Themen setzen kann. Und als Künstler kann man mehr sagen, als sonst vielleicht möglich ist. Musik kann zur Politisierung von Leuten beitragen, ist aber auch ein begrenztes Medium. Es ist auch gar nicht ihr Auftrag.

Wie geht es mit Egotronic weiter?

Wir spielen jetzt die Platte aus, ab Herbst nächsten Jahres wird es dann wieder ruhiger um uns werden. Dann nehme ich mir Zeit für ein neues Album. Zehn sollen es mindestens werden.

Die Konzerte: am Freitag, 6. Dezember, um 20 Uhr im Klubhaus der Jugend in Saalfeld und am Freitag, 28. Februar 2020, um 20 Uhr im Kassablanca in Jena

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