Pantomimen-Kurs im Rahmen des Greizer Theaterherbstes ist begehrt

Greiz  Unter dem Motto „Es ist Zeit“ startet der Greizer Theaterherbst in die 28. Spielzeit. Auch Pantomime ist mit dabei

Unter der Leitung von Ron (Mitte) wird auch ­diese Pose mehrfach täglich geübt. Monika Zien (2. von links) ist mit 70 Jahren die älteste, Alina Dillner (rechts) mit 15 Jahren die jüngste ­Teilnehmerin in der Gruppe.

Unter der Leitung von Ron (Mitte) wird auch ­diese Pose mehrfach täglich geübt. Monika Zien (2. von links) ist mit 70 Jahren die älteste, Alina Dillner (rechts) mit 15 Jahren die jüngste ­Teilnehmerin in der Gruppe.

Foto: Benjamin Schmutzler

Bereits beim Betreten der alten Jahnturnhalle, in der die Pantomime-Werkstatt seit Ende Juli täglich probt, sind Rockmusik und Regieanweisungen zu hören. Pantomime und laute Töne: Passt das denn überhaupt? Ja, das tut es. Denn Pantomime ­bedeutet nicht nur, verkleidet an der Straßenecke zu stehen und typische Handbewegungen zu machen, sagt Ronald „Ron“ ­Agenant. Der Berliner mit holländischen Wurzeln ist nach der Meinung seiner Kursteilteilnehmer zwar „etwas verpeilt“, aber eben auch ein „extrem guter und sympathischer Trainer“.

Und so kommen sie fast täglich für einige Stunden zusammen, die zehn Werkstatt-Teilnehmer, und proben für ihren Auftritt zum mittlerweile 28. Theaterherbst in Greiz. Neuling ist in der Gruppe niemand, jeder hat bereits seine Berührungspunkte mit dem kulturellen Jahreshöhepunkt gesammelt.

Heinz Wüst reist mit 67 Jahren extra aus Auerbach zu den Proben an. „In den Werkstätten kann ich immer wieder Neues lernen und mitnehmen“, sagt der Leiter einer kleinen Theatergruppe in Auerbach. Besonders gefalle ihm am Pantomime-Kurs, dass die Teilnehmer unter der Leitung von Ron etwas eigenes aufbauen, ein Konzept erarbeiten und schließlich am 17. September zur Premiere präsentieren können.

Von der Darstellung verschiedener Kinderlieder bis zum Heavy-Metal-Song: Pantomime in Greiz versteht sich als schrille, moderne Kunst, in der sich schnelle Bewegungen mit den klassisch-langsamen abwechseln. Dies macht es herausfordernd, gerade für die betagteren Akteure. Monika Zien ist mit 70 Jahren die Älteste. Den stadtbekannten Spitznamen Omse trägt sie passenderweise bereits seit Jahren.

2016 hat sie am Improvisationstheater mitgewirkt, letztes Jahr sang Omse zusammen mit einer Punkband. „Dieses Jahr wollte ich einfach mal die Klappe halten und schloss mich der Pantomime an“, sagt sie.

Zum Kraftauftanken nutze sie die Kurseinheiten unter Freunden. Und Kraft vermittelt Ronald Agenant jede Menge. 1986 zog er der Liebe wegen nach Berlin, wurde freischaffender Künstler und Lehrer für Yoga, Pantomime und physisches Theater. Die damalige Frau sei nicht geblieben, aber seine Liebe zur weltbekannten Berliner Kunstszene.

Ein bisschen davon brachte der 58-Jährige schon 2004 zum Theaterherbst. Getreu dem diesjährigen Motto „Es ist Zeit“ war es auch für Ron an der Zeit, nach Greiz zurückzukehren. Mit dabei ein Heavy-Metal-Stück, viel Energie und einen „immer tickenden Kopf“, sagt er.

Auch bei den Werkstattteilnehmern rattere es in eben diesem. Schließlich müssen die anspruchsvollen Choreografien weiter abgestimmt werden. Eine Schlussszene gibt es zudem noch nicht.

„Alles kein Problem“, sagt Alina Dillner, mit 15 Jahren das Küken im schwarz-weißen Stall. Sie und ihre Mutter, ebenfalls in der Werkstatt aktiv, haben vollstes Vertrauen in die Kreativität der Gruppe – und in Ron. Er bringe die Teilnehmer dazu, durch Pantomime still zu halten und gleichzeitig mit ­Bewegungen das Schöne zu symbolisieren. Und das alles zu „Bruder Jakob“ oder krachenden Gitarrenklängen.

Es ist Zeit für das Umdenken, Zeit für Pantomime zum ­Theaterherbst.

Der Greizer Theaterherbst vom 13. bis 22. September. Weitere Informationen finden Sie unter www.theaterherbst.de.

Zu den Kommentaren