Zockende Kinder in Thüringen häufen teilweise Schulden von über 1000 Euro an

dpa
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Internetspielsucht oder Internet Gaming Disorder wurde neu in die Liste der sogenannten stoffunabhängigen Süchte aufgenommen.

Internetspielsucht oder Internet Gaming Disorder wurde neu in die Liste der sogenannten stoffunabhängigen Süchte aufgenommen.

Foto: Lino Mirgeler/dpa (Symbolfoto)

Erfurt.  Nach dem Jugendschutzgesetz ist Glücksspiel für Unter-18-Jährige verboten. Aber auch Kinder machen Glücksspielschulden - nicht in der Spielhalle an der Ecke, sondern im Kinderzimmer.

Junge Menschen schließen immer öfter beim digitalen Spielen in Apps unbeabsichtigt Verträge ab. Nach Angaben des Thüringer Kinderschutzes kommt es bei Kindern und Jugendlichen, die am Handy oder am Tablet daddeln, auch häufiger zur Anhäufung von Schulden. Summen gingen zwar selten über die 1000 Euro hinaus, sagte der Jugendmedienreferent der Landesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Thüringen, Ingo Weidenkaff, am Dienstag, "aber je geringer die Summen, desto häufiger werden die Fallgeschichten". Höhere Verschuldung hingegen sei selten.

Um Eltern in Zukunft besser auf die Fallstricke der digitalen Spielehallen aufmerksam zu machen, und sie über Schuldenfallen, ebenso wie Suchtrisiken ihrer Söhne und Töchter aufklären zu können, haben die Thüringer Fachstelle Glücksspielsucht und die LAG Kinder- und Jugendschutz am Dienstag zum Fachgespräch eingeladen. Mitarbeiter der Suchthilfe und -prävention, die Jugendhilfe, Jugendschützerinnen und Mitarbeiterinnen der Verbraucherinsolvenzberatungsstellen sollen ihre Kompetenz stärken.

Viele Kinder haben zu viel Taschengeld

Kinder können sich Online-Spiele oft kostenlos aus den App-Stores herunterladen und sofort spielen. Schneller ins nächste Level aufsteigen oder zusätzliche Leben haben: Solche Extras sind später nicht selten über so genannte In-App-Käufe zu bekommen. Die Grenze zwischen dem Spielen, also dem Gaming und dem Glücksspiel, dem sogenannten Gambling, verschwimme mehr und mehr, sagt Weidenkaff.

Aus Sicht des Kinder- und Jugendschützers können Eltern sich und ihre Kinder schützen. Viele Kinder verfügten über zu viel Taschengeld, erzählt Weidenkaff. "Manche verzocken das regelrecht." Er rät Eltern dazu, die Taschengeld-Rahmen mit Bedacht abzustecken. Sie sollten zudem keine Kreditkartendaten an ihre Kinder weitergeben. "Das ist ganz wichtig zu benennen, da solche Fälle immer wieder auftreten", so Weidenkaff.

Sollten doch einmal Hunderte Euro vom Konto abgezogen werden, weil das Kind einen Vertrag abgeschlossen hat, gibt es Wege aus dem Dilemma. "Da ist die Verbraucherzentrale ein wichtiger Partner, der da vermittelt", erklärt Weidenkaff. Kleinere Beträge, die aufgrund von erstandenen Spiele-Extras abgebucht werden, könnten jedoch noch unter den so genannten Taschengeld-Paragrafen fallen.

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