Fachtagung in Greiz: Kinder vor Sucht bewahren

Greiz  Fachtag von Diakonieverein und Landratsamt soll Fachkräfte sensibilisieren

Referentin Sandra Steiche, Ramona Weißbach und Babette Ketterl vom Diakonieverein (von links) Foto: Tobias Schubert

Referentin Sandra Steiche, Ramona Weißbach und Babette Ketterl vom Diakonieverein (von links) Foto: Tobias Schubert

Foto: zgt

Sucht ist kein Thema, das nur Erwachsene betrifft. Das betrifft nicht nur Bereiche wie die Computerspielesucht, die immer wieder einmal Thema ist. Vielmehr betrifft es Kinder, die in Familien aufwachsen, in denen Mitglieder abhängig von Alkohol oder Drogen sind. Gefährdet sind sie besonders, da das Thema zumeist in den Familien tabuisiert wird.

Um auf dieses Problem aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren, hatten das Landratsamt Greiz und der Greizer Diakonieverein gestern in den Jugendclub Spektrum zu einem Fachtag unter dem Motto "Kinder im Suchtsystem – Verstehen und Handeln" eingeladen. Angesprochen waren damit aber nicht die Eltern, sondern vielmehr Fachkräfte aus Schulen und Kindergärten, die einen Großteil des Tages mit Kindern und Jugendlichen verbringen. Um den jeweiligen Bereichen gerecht zu werden, war die Veranstaltung zweigeteilt. Am Vormittag waren speziell Fachkräfte aus dem Kindergartenbereich gefragt, am Nachmittag die aus Schulen. Rund 80 von ihnen kamen. Die theoretischen Referate, denen ein praktischer Teil folgte, hielt Sandra Steiche vom Verein Sichtweisen.

Angebote zur Prävention entwickeln

"Es geht uns darum, dafür zu sensibilisieren, dass Jugendliche zum Teil in einem Suchtsystem aufwachsen und sich ein Teufelskreis entwickelt", erklärte Babette Ketterl von der Suchtberatungsstelle des Diakonievereins Carolinenfeld. "Das wird zunehmend wichtiger, wie wir bei unserer Arbeit in der Beratungsstelle merken." – "Eine Sucht fängt nicht damit an, dass jemand konsumiert", sagte sie zur Ausrichtung auch auf den Kindergartenbereich. Gerade dadurch, dass Eltern immer auch Vorbilder seien, müsse man sehr stark auch präventiv tätig sein. "Bei welchem Geburtstag wird nicht Alkohol getrunken oder geraucht", nannte Ketterl ein Beispiel für Fälle, in denen schon ein Kind mit Sucht in Berührung kommen könne. Dass solle natürlich nicht bedeuten, dass jeder Mensch, der einmal seine Eltern habe rauchen sehen, sofort süchtig würde und zum unsachgemäßen Gebrauch neige. Allerdings solle es zeigen, dass es immer wichtig sei, wie man mit dem Thema umgehe und es gegenüber Kindern kommuniziere.

Passende Angebote, mit denen man auf dieses Problem eingehen könnte, würden im Landkreis derzeit noch fehlen. Deswegen sollte die gestrige Veranstaltung auch dem Zweck dienen, im Gespräch mit den Fachkräften herauszufinden, wo der Bedarf sei, um dementsprechende Aktionen entwickeln zu können.

Anlass ist ein 2016 gestartetes Projekt

Ob Kinder und Jugendliche stärker zur Sucht neigten, als vor einigen Jahren, sei schwer zu sagen, so Ketterl. "Ich denke aus meiner Erfahrung, dass der gesellschaftliche Druck gewachsen ist und auch die eigene Identitätsfindung schwieriger geworden ist." Beides könne natürlich dazu beitragen, dass junge Menschen in eine Sucht rutschten. Auch auf die Gefühle der Kinder und Jugendlichen, zum Teil geschuldet der schnelllebigen Zeit, würde weniger eingegangen. Zwar sei in den vergangenen Jahren das Gesundheitsbewusstsein der jungen Menschen extrem gestiegen, "aber wenn konsumiert wird, dann oft stärker als früher", wie Ketterl feststellte.

Die Suchtberatungsstelle sowie der Kinder- und Jugendschutzdienst des Diakonievereins Carolinenfeld e.V. arbeiten seit Anfang 2016 im Rahmen des Projektes "Kinder aus suchtbelasteten Familien" daran, Angebote zu schaffen, in denen diese Kinder Gehör bekommen und in Freizeitangeboten ungezwungen Kind sein dürfen.

Mit eingebunden in die Organisation war neben der Suchtberatung und dem Kinder- und Jugendschutzdienst des Diakonievereins bei der gestrigen Veranstaltung auch Diana Paul vom Bereich frühe Hilfen und Kinder- und Jugendschutz des Landratsamtes Greiz, der die Aktion auch finanzierte.